Bilder & Vektorgrafiken bearbeiten

Simple Tilt-Shift-Effekte mit dem neuen Photoshop CS6

1. Mai 2012
von

Ich spiele schon den ganzen Nachmittag mit den neuen Blur-Filtern der Betaversion des Photoshop CS6 herum. Besonders angetan hat es mir der Tilt-Shift-Filter. Ähnliche Effekte lassen sich aber auch mit dem Filter Iris Blur erreichen. Wer also ein paar seiner Bilder mit dem derzeit neben Lomo populärsten optischen Effekt versehen will, der lese weiter. Es ist denkbar einfach.

Adobe Photoshop CS6 Beta: Neue Effektfilter wecken Spieltrieb

Mit den entsprechenden Skills konnte man in Photoshop natürlich schon immer Bereiche mit Unschärfe versehen. Das Hinzufügen von Unschärfe zu Bildrändern ist nicht erst seit kurzem populär. Mit der Version CS6 bringt Adobe seinem Flaggschiff jedoch das direkte Applizieren einer Tilt-Shift-ähnlichen Optik bei. Wer Software-Tilt-Shift schon aus einer der zahlreichen mobilen Apps kennt, weiß um das Prinzip. Auf einer horizontalen, vertikalen oder diagonalen Linie, die über das Foto gelegt wird, fokussiert man recht eng einen Bildbereich, der weiterhin scharf dargestellt werden soll. Von diesem Punkt ausgehend werden alle anderen Bildbereiche mit steigender Unschärfe versehen. So entsteht im besten Falle der Eindruck, man betrachte ein Foto einer Miniatur. Nicht unerwähnt bleiben sollte hierbei natürlich, dass das Bildmaterial sich schon ein wenig für die Bearbeitung mit dem Tilt-Shift-Effekt eignen sollte. Nahezu ideal sind Bilder, die aus größerer Entfernung und dabei in einem Winkel von oben nach unten fotografiert wurden. Der Cityshrinker zeigt immer wieder eindrucksvoll, wie große Distanz und großer Winkel den maximalen Effekt bringen. Wir zeigten kürzlich einige seiner Werke hier bei Dr. Web.


Cityshrinker: Old/New/Old/New

Ich habe zu Demonstrationszwecken zwei meiner Bilder ausgesucht, die den eben genannten Voraussetzungen ganz gut entsprechen. Beide Fotos wurden aus erhöhter Position nach unten geschossen und die Motive sind gute 50 Meter entfernt. Dabei wendete ich bei dem Bild des Palmengartens um das Hotel nicht den Tilt-Shift, sondern den Iris Blur an. Das andere Bild, eine kleine Zierbaumallee auf dem Gelände des Sauerlandparks in Hemer, erfuhr eine Schnellbehandlung mit dem Tilt-Shift-Filter.

Sauerlandpark miniaturisiert mit dem Tilt-Shift-Filter

Beim Foto des Sauerlandpark will ich erreichen, dass die Zierbäumchen mit dem roten Sonnenschirm am Beginn der Reihe scharf sichtbar bleiben. Ich starte also Photoshop, öffne das Foto und wähle Filter > Blur > Tilt-Shift. Auf dem Foto erscheint mittig ein Kreis mit einem Punkt darin. Darüber und darunter sehe ich eine durchgezogene weiße Linie, in etwas größerer Entfernung jeweils eine gestrichelte. Der Kreis mit dem Punkt darin definiert den Fokus. Wo immer ich diesen Punkt hinschiebe, dort ist das Bild am schärfsten. Die beiden soliden Linien definieren den Streifen des Bildes, der scharf bleiben soll. Die Linien lassen sich näher zum Kreis oder weiter weg ziehen. Je schmaler der Bereich, desto eingeschränkter wirkt der Fokus. Die gestrichelten Linien definieren den Unschärfebereich. Je näher sie sich an den durchgezogenen Linien befinden, desto früher wirkt die Unschärfe. Zieht man sie weit von den soliden Linien weg, sogar außerhalb des sichtbaren Bereiches, erreicht man eher ein Ausfaden der Schärfe, eine sanfte Unschärfe zu den Rändern hin, während sie in unmittelbarer Nähe platziert für eine starke unmittelbare Unschärfe sorgen.

Die Stärke der Unschärfe kann auf mehrere Weisen manipuliert werden. Sie wird in Pixeln angegeben. Das kann durch Drehen am Fokuskreis geschehen, was ich persönlich für völlig unkomfortabel halte. Alternativ ist die Einstellung per Tastatur oder Verschieben des Sliders auf der rechten Eigenschaftenseite des Filters möglich. Der Tilt-Shift-Bereich lässt sich stufenlos rotieren. Ich wählte eine Linie, die in etwa parallel zu der Zierbaumallee verlaufen sollte. So sieht das Ergebnis aus:

Man könnte das Ergebnis nun noch mit den althergebrachten Methoden weiter verfeinern. So wäre es beispielsweise ganz schön, wenn den rechts in Verlängerung der Zierbaumallee platzierten Gebäudekomplex mit dem Fahrzeug davor, ebenfalls eine Unschärfe träfe. Das ist unproblematisch. Alle Filter lassen sich kombinieren. Es ist sogar möglich, ein und denselben Filter auf mehrere Bildbereiche anzuwenden.

Ibiza Revisited mit dem Iris Blur

Eine andere Variante, einen Tilt-Shift-Effekt zu erzielen, der an allen Bildrändern Unschärfe etabliert, ist die Verwendung des Iris-Blur. Den Filter erreicht man ebenfalls über das Menü Filter > Blur > Iris. Mit ein paar Manipulationen baut man damit den Tilt-Shift-Filter quasi nach. Nach Aufruf des Iris-Filters erscheint auf dem zu bearbeitenden Bild der eben bereits genannte Kreis mit dem Punkt in der Mitte, der als Fokus und Einstellungsrädchen dient. In einiger Entfernung zu diesem Fokus befindet sich ein Kreis mit einer durchgezogenen Linie. Alles außerhalb dieser Linie wird unscharf dargestellt, die Stärke der Unschärfe wird ebenfalls in Pixeln angegeben.

Um die Unschärfe auch in das Innere der Umrandung wirken zu lassen, befinden sich im Inneren des Kreises vier Punkte, die man mit der Maus näher an den Fokus oder näher zur Umrandung schieben kann. Je näher diese Punkte an den Fokus gelangen, desto früher beginnt die Unschärfe. Über ein auf dem Umrandungsrahmen platziertes Viereck lässt sich der ursprünglich als Kreis angezeigte Rahmen mit Ecken versehen, ebenso kann die Umrandung frei rotiert werden.

So ist mit dem Iris-Blur ebenfalls ein tilt-shift-artiger Effekt zu erzielen, wie das folgende Bild eines Motels auf Ibiza zeigt. Nachteil des Iris-Filters ist im Wesentlichen der, dass sich der Fokus immer im Mittelpunkt des Filterbereichs befindet. So kann Iris Blur stets nur symmetrisch eingesetzt werden, während sich beim Tilt-Shift-Filter alle Linien, wie auch der Fokus separat und asynchron bewegen lassen. Es hängt vom Bild und dem gewünschten Effekt ab, welcher Filter der geeignetere ist.

Zum Schluss sei noch angemerkt, dass meine hemdsärmelige Bildbearbeitung bitte nicht als Best Practice verstanden werden soll. Ich habe lediglich ein bisschen experimentiert und wollte dazu anregen, das auch zu tun. In diesem Sinne: Viel Spaß dabei…

Links zum Beitrag:

  • Download der öffentlichen Betaversion des Adobe Phtoshop CS6 – Adobe Labs
  • Tilt-Shift: Moderne Miniaturfotografie 2012 – Dr. Web Magazin

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit fast 30 Jahren in der IT daheim. Seit 2008 schreibt er für Dr. Web, seit 2012 ist er Chefredakteur des Magazins. Man findet ihn auch auf Twitter und Facebook, aktiver ist er allerdings auf Google+.

2 Kommentare zu „Simple Tilt-Shift-Effekte mit dem neuen Photoshop CS6
  1. […] Ich liebe es total, wenn der Hintergrund auf einem Foto verwischt ist. Die Weichzeichnung ist für mich sozusagen eine Lieblingsfunktion. Also bin ich auf “Filter” in der oberen Menüleiste gegangen und habe “Blur” ausgewählt. “Blur” enthält drei Unterkategorien: “Field Blur”, “Iris Blur” und “Tilt Shift”. Alle drei Unterkategorien wollen wir nun ausprobieren und beginnen mit dem “Tilt Shift”. Mit dieser Funktion lässt sich die Schärfeebene verlagern. Man kann beliebige Teile eines Bildes unscharf machen. Aktiviert man “Tilt Shift”, so erscheinen vier Linien auf dem Bild mit einem kleinen Knopf in der Mitte. Mit Hilfe dieses Knopfes lassen sich die Linien verschieben sowie der Unschärfegrad einstellen. Der Unschärfegrad lässt sich auch durch die Verschiebung eines Reglers in der rechten Menüleiste einstellen. Alternativ tippt man die gewünschte Pixelanzahl ein. Alles, was sich unterhalb der unteren gestrichenen Linie befindet, wird unscharf. Ab der durchgezogenen Linie fängt die Unschärfe an. Übrigens: Kollege Dieter Petereit hat vor ein paar Wochen auch einige Experimente mit den neuen Unschärfefiltern gemacht und für Dr. Web aufgeschrieben. […]

  2. Toedtmann am 8. Juni 2013 um 13:07

    Die Tilt Shift ist ja ganz schön, aber wenn ich eine Person im Vordergrund
    habe der in einem Blumenfeld steht, möchte ich den Vordergrund und die
    Person scharf haben. In diesem Fall muss ich eine Auswahl erstellen
    mit einer weichen Auswahlkannte und die dann in einer Maske seichern.
    So das ich sie hinterher speichern und bearbeiten kann. Dann mit dem
    Filter Tiefeschärfe den Hintergrund weichzeichnen.
    Für alle die kein Photoschop C6 haben, gibt es ein Tiltprogamm
    bei Cip eine kostenlose Version.

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