Webdesign

RSS-Lounge – Deutscher Feedreader zum Selbsthosten

16. Februar 2010
von

Dieser Tage kam mir ein neuer RSS-Feedreader unter der GPLv3-Lizenz unter die virtuelle Feder. Da diese Software-Gattung nicht gerade ein Problem mit übergroßer Vielfalt hat, möchte ich den schicken Reader mit dem chilligen Namen rsslounge kurz, aber nutzbringend vorstellen.

(Wenn Sie sich für Feedreader-Lösungen zum Selber-Hosten interessieren, sollten Sie auch den Artikel vom 10.08.2009 lesen. Dort stellten wir bereits einige Scripts vor.)

Basics

rsslounge ist ein Projekt des Webprogrammierers und Fotografen Tobias Zeising, stammt also aus deutschen Landen. Unter der GPLv3-Lizenz veröffentlicht, steht die PHP-Anwendung zur freien Verwendung zur Verfügung.

Serverseitig benötigt rsslounge PHP ab Version 5.2.4, eine MySQL-Datenbank (oder Mitbenutzung), den Apache als Webserver, sowie auf Clientseite einen Gecko- oder Webkit-basierten Browser, wie Safari, Firefox, Chrome oder Opera.

Das Installationspaket der aktuellen Version 1.3 bringt bereits im gepackten Zustand knappe 6 MB auf die Waage, die sich entpackt auf ein Volumen von 23,7 MB bei 2.934 Dateien und 551 Ordnern vermehrfachen. rsslounge ist also ein ganz schöner Brocken, vor allem im direkten Vergleich zu den bereits vorgestellten Wettbewerbern, die gepackt bei unter 1 MB und entpackt bei 3 MB und rund 300 Dateien liegen. Bei dieser Gelegenheit sei erläuternd erwähnt, dass rsslounge auf dem Zend Framework basiert.

Die Dokumentation des Projektes findet in einem Wiki auf der Googlecode-Page des Projektes statt und dürfte ruhig ausführlicher ausgefallen sein. Man merkt, dass hier ein Programmierer ein Projekt für sich selbst entwickelt hat, welches er nun der Öffentlichkeit bereit stellt. Die Doku hängt hinterher…

Zielgruppe

Zielgruppe sind natürlich alle Webnomaden mit eigenem Webspace, denen aus unterschiedlichen Erwägungen heraus der Quasi-Standard, der Google-Reader, unzumutbar erscheint.

Immer wieder wird die Spionagemöglichkeit der Googles als Grund für die Ablehnung des GReader genannt. Kann ich das auch bezogen auf andere Google-Dienste nachvollziehen, so fällt mir das bei einem reinen Feedreader doch recht schwer. Auch wenn es sehr nach “Ich habe nichts zu verbergen” klingt. Ich habe in der Tat kein Problem damit, jeden sehen zu lassen, welche Feeds ich verfolge. Und wenn das noch zu sinnvollen Empfehlungen führt, wie im GReader implementiert – also ein Zusatznutzen, aus dem kein spürbarer Nachteil erwächst, soll es gern so sein.

rsslounge bietet alle Features, die der Durchschnitts-User benötigen wird. Funktionen des Social Web fehlen komplett. Es gibt keine usergenerierten Empfehlungen und Following (was logisch ist, wenn man der einzige User ist), keine Kommentare oder sonstige kollaborative oder kommunikative Elemente.

Was rsslounge dafür besonders gut kann, ist die Verarbeitung von Feeds aus Fotodiensten. Diese werden in Galerieoptik dargestellt und sind so wesentlich komfortabler nutzbar und ansprechender, als sie es beispielsweise im Google Reader sind.

gallery.png

Ich vermute, dass hier der Fotograf Zeising das Pflichtenheft geschrieben hat. Die Darstellung normaler Nachrichtenfeeds unterscheidet sich nicht wesentlich von der Darstellung im Google oder einem anderen Reader.

Die Anwendung ist daher in erster Linie für fotografierende oder bildverarbeitende Datennomaden mit Google-Aversion interessant.

Installation und erste Schritte

Die Installation besteht aus wenigen Schritten. Zunächst laden Sie das entpackte Verzeichnis komplett auf Ihren Space. Dabei müssen Sie darauf achten, dass Ihr FTP-Client nicht die .htaccess unterschlägt. Danach sind auf das config- und das data-Verzeichnis (genau genommen auf die dortigen Unterverzeichnisse cache, thumbnails und favicons) Schreibrechte zu vergeben. Im Falle meines Webspaces funktioniert leider stets nur 777.

Es empfiehlt sich, bereits vor der Installation eine Datenbank angelegt respektive die Parameter der mitzubenutzenden Datenbank herausgesucht zu haben, denn rsslounge wird im Zuge des Setup danach fragen.

Im Anschluss daran rufen Sie die URL Ihrer rsslounge-Installation auf. Ich verwende eine Subdomain: rsslounge.akuefi.de. Das Installationsscript legt los:

01-install.png

rsslounge bestätigt kurz und schmerzlos:
02-install.png

Naturgemäß erscheint nun zunächst ein leerer Reader, dem man an dieser Stelle allerdings bereits seine Spezialitäten ansehen kann.

startscreen-leer-w500.png

So befinden sich am oberen Bildschirmrand einige rsslounge-spezifischen Features. Zum einen lässt sich über einen Schieberegler der Feedflow nach Prioritäten beschränken. Auf diese Weise werden nur Feeds angezeigt, die der eingestellten Prioritätsstufe entsprechen. Gut, wenn man nur die wesentlichen Informationen sehen will und ein großer Pluspunkt gegenüber anderen Readern, einschließlich des GReader. Meines Wissens verfügt lediglich das kostenpflichtige Fever über eine ähnliche, aber weniger gut steuerbare Funktion.

In zweiter Reihe befinden sich Icons, mit deren Hilfe man den Feedscreen layouten kann. Hier kommt die bereits erwähnte besondere Unterstützung von Fotofeeds zum Zuge. So lässt sich einstellen, dass man lediglich Fotos oder Fotos und News oder nur News in der Feedansicht sehen will. Für Fotofeed-Abonnenten sicherlich eine sehr nutzwertige Sache.

Der Feed-Leser wird nun als Erstes seine Abos in rsslounge bringen wollen. Hierzu stellt rsslounge einen gut funktionierenden OPML-Import zur Verfügung, der auch mittels einer Statusleiste über den Importfortschritt informiert.

import-opml.png

Leider findet sich diese Information unter der Liste der Feeds, so dass man erst ganz nach unten scrollen muss, um zu erfahren, dass rsslounge tatsächlich importiert. Im Vergleich dauert der Import recht lange. Meine OPML mit rund 150 Feeds benötigte fast fünf Minuten. Glücklicherweise importiert man nicht sehr oft…

Positiv steht zu vermerken, dass rsslounge ordnungsgemäß die Ordner aus dem OPML beibehält und die Kategorisierung der Feeds so erhalten bleibt. Das hat bisher kein Feedreader beim Import der OPML aus meinem GReader geschafft.

kategorie-struktur.png

Löschen Sie eine Kategorie, werden alle Feeds aus der Kategorie in den Ordner unkategorisiert geschoben, was das Aufräumen nicht eben erleichtert, aber das unbeabsichtigte Löschen ganzer Feedstrukturen wirksam unterbindet. Wollen Sie nun die Priorisierung nutzen, bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als jeden Feed einzeln anzuklicken und die Einstellungen zu verändern.

prio-einst.png

Da jeder Feed zunächst mit der Priorität 1 versehen wird, empfiehlt es sich, das Prioritätensystem umzudrehen und Feeds mit hohen Nummern als wichtig zu kennzeichnen. Ich habe dem Dr. Web Feed eine 16 verpasst und den oberen Schieberegler so eingestellt, dass mir nur Content der Priorität 16 angezeigt wird. Wie Sie sehen können, funktioniert das ganz prima. Gut dabei: Die Einstellung wirkt auch auf die linke Ordner-Kategorienliste. Kategorien ohne entsprechenden Inhalt werden mit dem Zähler 0 versehen.

prio-16.png

Das Lesen der einzelnen Beiträge erfolgt mittels Klick auf den Titel unter schön ajaxifiziertem Downscrolling des Content. Leider werden Beiträge offenbar nicht automatisch als gelesen markiert, weshalb es jeweils eines Klicks auf das Fadenkreuz zwischen Markierstern und Favicon bedarf. Alternativ lassen sich alle angezeigten Beiträge mit dem Button “alle als gelesen markieren” als – na ja – gelesen markieren. Das Setzen des Sternchens führt dazu, dass der so gekennzeichnete Beitrag in der ganz oben angesiedelten Kategorie “Markierte Beiträge” angezeigt wird.

Ein Schwachpunkt des Systems ist die Zugriffsteuerung. So kann rsslounge lediglich als Ganzes frei gegeben, also nicht mit einem Passwort geschützt, oder per Passwort komplett gesperrt werden. Eine Mischlösung á la “Gucken dürfen alle, ändern nur der Admin” ist nicht vorgesehen. Hier war Gregarius schon vor Jahren weiter.

Ebenfalls nicht Jedermanns Sache wird das Volumen der Anwendung sein. Ein Blick in die Liste der verwendeten Libraries erklärt die für einen reinen Reader doch recht erstaunliche Größe.

libraries.png

Fazit: rsslounge ist ein interessantes und vor allem optisch gelungenes Projekt. Ob die technische Umsetzung in allen Punkten so sinnvoll ist, mag diskutabel sein. Sicherlich hätte man den Funktionsumfang auch weniger datenvoluminös abbilden können. Die mangelnde Zugriffsteuerung sollte kurzfristig behoben werden. Ansonsten ist rsslounge Geschmackssache. Gehören Sie zur geschilderten Zielgruppe, sollten Sie auf jeden Fall einen näheren Blick darauf werfen. Alle anderen verpassen keine Revolution, wenn sie bei ihrem Stammreader bleiben.

(sl), (mm)

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit fast 30 Jahren in der IT daheim. Seit 2008 schreibt er für Dr. Web, seit 2012 ist er Chefredakteur des Magazins. Man findet ihn auch auf Twitter und Facebook, aktiver ist er allerdings auf Google+.

12 Kommentare zu „RSS-Lounge – Deutscher Feedreader zum Selbsthosten
  1. Marcel am 16. Februar 2010 um 21:31

    Gibts denn wenigstes die Möglichkeit für einen Mehrbenutzerbetrieb? Oder gibts auch nur einen Benutzer, der das Ganze bedienen kann?

  2. […] RSS-Lounge – Deutscher Feedreader zum Selbsthosten | Feedreader, Feeds, Reader, RSS, Software,… – (Tags: RSS dev Script ) […]

  3. […] Eine umfangreiche Installationsanleitung findet sich bei Dr. Web. […]

  4. uberVU - social comments am 17. Februar 2010 um 14:55

    Social comments and analytics for this post…

    This post was mentioned on Twitter by drwebmagazin: RSS-Lounge – Deutscher Feedreader zum Selbsthosten – http://bit.ly/cLCanF

  5. nils am 17. Februar 2010 um 15:17

    Hm, du hast ja nun einige Webbasierte Reader getestet. Ich bin mit einem Android-Handy unterwegs und suche eine Möglichkeit mit dem Touchscreen vernünftig News lesen zu können, ohne eine App für 5$ kaufen zu müssen. Würdest du eine der Lösungen besonders empfehlen?

    Danke schonmal für die guten Berichte :)
    nils

  6. Zunkel am 17. Februar 2010 um 15:24

    Sehr interessante Sache das, werd ich mir auf alle Fälle mal anschauen.

    Zu den “Mehrbenutzern”: sieht nicht so aus als ob mehrere unterstützt werden, allerdings könnte man sich ja mehrere Instanzen davon “installieren”, jede bekommt eine eigene DB und evtl einen extra .htaccess Schutz und schon hat man einen quasi Mehrbenutzerbetrieb.

  7. Dieter Petereit am 17. Februar 2010 um 19:02

    RSSLounge ist definitiv nicht mehrbenutzerfähig.

    Für Android würde ich den Google Reader entweder nativ oder unter Verwendung von NewsRob (kostenlos in der Ad-Version) oder Greed empfehlen. Fever soll mobil auch ganz angenehm aussehen, habe ich aber wegen Kostenpflicht noch nicht getestet.

    @Zunkel: Mehrbenutzerbetrieb ist aber normalerweise schon etwas mehr als mehrere Insellösungen auf dem gleichen Server…

  8. Marcus am 18. Februar 2010 um 11:28

    Sehr interessante Sache. Schade das es nicht Mehrbenutzerfähig ist.

    @ Dieter: Kann Fever nur empfehlen

  9. Andreas Hecht am 22. Februar 2010 um 15:41

    Habe RSSLounge nun seit Gestern in Betrieb und finde ihn bis jetzt echt Klasse!

    Allerdings fehlt die Mehrbenutzerfähigkeit wirklich. So kann man seine Feeds halt nicht zum Lesen freigeben.

  10. Tobi am 22. Februar 2010 um 19:38

    Vielen Dank für den Artikel! Ich freu mich sehr, dass rsslounge hier vorgestellt wird. Natürlich hätte ich mir ein besseres Fazit gewünscht, gerne nehme ich sowohl Lob als auch Kritik an und werde, soweit möglich, nachbessern.

    Ein paar Anmerkungen:

    Die Größe von rsslounge wurde an mehreren Stellen bemängelt. An dieser Stelle ist die Rechnung für die Verwendung des Zend Frameworks zu zahlen. Ich sehe darin keinen gravierenden Nachteil. Bei langsameren DSL Verbindungen ist der Upload natürlich eine Qual, allerdings geschieht dies nur einmal und der Gewinn durch das Zend Framework ist enorm.

    “Ich habe in der Tat kein Problem damit, jeden sehen zu lassen, welche Feeds ich verfolge.”
    Da ist der Anspruch unterschiedlich. Ich verfolge zahlreiche Feeds aus verschiedensten Interessenbereichen. Daraus lässt sich, ähnlich wie aus meinen Bookmarks, durchaus ein genaueres Profil meiner Person erstellen. Noch gravierender ist die Auswertung des Leseverhaltens: plötzlich weiß der Seitenbetreiber (z.B. Google) mehr über mich als ich selbst…

    “Im Vergleich dauert der Import recht lange. Meine OPML mit rund 150 Feeds benötigte fast fünf Minuten.”
    Hier muss man aufpassen: der Import (auch von 150 Feeds) geht recht schnell (wenige Sekunden). Was hier so lange dauert, ist das erste Lesen der Einträge. Nach dem OPML Import werden direkt alle einzelnen Feeds nach neuen Einträgen abgesucht. Das dauert bei 150 Feeds natürlich seine Zeit.

    Was die Zugriffssteuerung angeht, bin ich von meinem Verhalten ausgegangen. rsslounge ist meine Nachrichtenzentrale, ich selbst teile hier kaum Informationen mit anderen. Ich habe auch bei gregarius – das ich zuvor gerne und viel verwendet habe, welches aber leider nicht weiter gepflegt wird – nicht verstanden, wieso jemand seine Feeds veröffentlichen will. Das hier wirklich Bedarf da ist, hat sich erst später gezeigt. Mal sehen, eventuell setze ich das auf die ToDo Liste und gehe das Feature Mandantenfähigkeit mittelfristig an.

    Vielen Dank für den Beitrag!!! Die Vorstellung ist wirklich gelungen und vermittelt einen guten Eindruck und zeigt sehr schön die ersten Schritte auf.

    Viele Grüße und weiter so
    Tobi

  11. […] Dieser Tage kam mir ein neuer RSS-Feedreader unter der GPLv3-Lizenz unter die virtuelle Feder. Da diese Software-Gattung nicht gerade ein Problem mit übergroßer Vielfalt hat, habe ich den schicken Reader mit dem chilligen Namen rsslounge kurz, aber nutzbringend bei Dr. Web vorgestellt. […]

  12. […] nur ein WEB-Spache mitPHP 5.2.4 oder höherMySQLApache WebserverAuf Dr. Web befindet sich eine ausführliche Besprechung von rssLounge (Feb. 2010).Die Oberfläche erinnert stark an den GReader. Links kann man die Feeds […]

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