Noch vor einigen Jahren hatte es durchaus Charme, wenn ein CMS versprach, ohne Datenbank lauffähig zu sein. Immerhin gab es verbreitet in den Webhostingtarifen keine Datenbanken und wenn doch, musste man dieses Feature vergleichsweise teuer bezahlen. Diese Zeiten sind lange vorbei. Heutzutage unterscheiden sich die Hoster höchstens noch in der Version der eingesetzten MySQL-Plattform. Da muss ein datenbankloses CMS wie Pluck schon eine ganze Menge zusätzlich zu bieten haben, damit sich der Einsatz lohnt.
Zielgruppe
Die zumeist niederländischen Entwickler definieren Pluck als ein CMS für kleine Websites. Und das ist auch definitiv richtig so. Während meiner Tests empfand ich eine gewisse konzeptionelle Nähe zu Produkten wie Web2Date oder Contribute als gegeben. Pluck ist schon fast ein Endkunden-CMS. Jedenfalls eines, mit dem sich Handwerker Müller im stillen Kämmerlein gern auch mal selbst befassen kann, so er das relativ überschaubare Know-how zu erlernen bereit ist und so er jemanden hat, der ihm die Grundinstallation aufsetzt.
Ich weiß schon. Otto Normalentwickler wird jetzt Jehova rufen, aber wir wissen im Grunde doch alle, dass es diesen Kundenkreis gibt. Leute, denen es einfach reicht, irgendwie im Internet präsent zu sein. Solche, die ihren Kopfbogen nachbilden und vielleicht noch ein paar News, ein paar Bilder und – ganz wichtig – ein Kontaktformular auf ihre Seiten setzen wollen. Diesem Kundenkreis wird Pluck in nahezu idealer Weise gerecht.
Basics
Die Systemvoraussetzungen für den Einsatz von Pluck sind überschaubar. Die gute Nachricht ist, es läuft auch unter Windows. Die schlechte Nachricht ist, nur wenn dort der Apache werkelt. PHP wird in der Version 5.2.x oder neuer erwartet, der Safe-Mode muss Off sein. Außerdem werden die Module php-gd, php-zlib und curl benötigt. Damit dürfte die Konfiguration den meisten Standard-Webspaces nichts Unmögliches abverlangen.
Pluck selbst ist mit etwas mehr als 800 Dateien und einer Gesamtgröße von rund 3 MB ein wirklich schlankes System. Da Pluck ohne Datenbank arbeitet, ist es auf den Dateisystemzugriff angewiesen. Darauf weist es während der Installation in Malen-nach-Zahlen-Manier hin.
Installation
Haben Sie Pluck, das übrigens unter der total freien GPL steht, von der Projektsite herunter und mittels ihres FTP-Clients, der dabei nahezu arbeitslos bleibt, wieder hochgeladen, rufen Sie einfach die entsprechende Domain oder Subdomain auf. Pluck erkennt, dass es noch nicht installiert ist und ruft selbsttätig das Installscript auf, was nicht selbstverständlich ist und die oben bezeichnete Zielgruppe, jedenfalls die mutigeren derer Vertreter, auf ihrem Weg unterstützt.

Abb.: Pluck meldet Installationsbereitschaft, tut aber noch nichts…
Als erstes führt Pluck einen Test auf die erforderlichen Schreibrechte aus und erzeugt eine detaillierte Checkliste mit Verzeichnissen und Dateien, die mit Schreibrechten versehen werden müssen. Haben Sie diese Liste mittels Ihres FTP-Clients abgearbeitet, können Sie mittels Klick auf Refresh einen erneuten Test auslösen und danach per Klick auf Proceed fortfahren.

Abb.: Schreibrechte müssen noch gesetzt werden.

Abb.: Alle erforderlichen Schreibrechte sind gesetzt.
Nun benennen Sie Ihre Site und geben eine E-Mail-Adresse an, die für den Versand der Daten aus dem mitgelieferten Kontaktformular genutzt wird. Hier haben Sie auch die Möglichkeit, das System auf die deutsche oder eine von zwei Dutzend anderen Sprachen umzustellen. Zu guter Letzt legen Sie an dieser Stelle noch das Admin-Passwort fest. Weiter geht es in deutscher Sprache, so Sie die gewählt haben.

Abb.: Grundeinstellungen, wie zu verwendende Sprache et cetera
Der nächste Schritt ist reichlich ungewöhnlich, denn hier fordert Pluck Sie auf, die Startseite zu erstellen. Das habe ich so noch in keinem anderen System gesehen. Es reicht, hier einen Titel, zweckmäßigerweise Home oder Startseite sowie eine kurze Beschreibung einzugeben und auf “Speichern” zu klicken. Gestalten können Sie die Seite später immer noch. Vorteilhaft bei dieser Vorgehensweise ist, dass Sie so bereits eine Seite im System haben, die als Startpunkt für die weitere Entwicklung gelten kann.

Abb.: Legen Sie jetzt eine Startseite an. Ungewöhnlich!
Haben Sie diesen letzten Punkt erledigt, informiert Pluck Sie über die erfolgreiche Installation und bietet Ihnen an, entweder die Website in Form der soeben angelegten Startseite oder den Adminbereich aufzusuchen.

Abb.: Die Installation ist erfolgt. Gehen Sie nun zum Front- oder zum Backend.
Entscheiden Sie sich für den Adminbereich, gelangen Sie zu einem Login-Screen, der lediglich ein Passwort von Ihnen wissen will. Das ist auch hinreichend, denn eine Benutzerverwaltung kennt Pluck nicht. Konsequenterweise geht Pluck davon aus, dass der Pluck-Anwender allein für sein System verantwortlich darin herumfrickeln wird.

Abb.: Mehr als das Passwort müssen Sie sich nicht merken.
Das Backend
Im Admin-Center, wie Pluck das Backend nennt, setzt sich der zielgruppengerechte Eindruck fort. Im Grunde gibt es mit den Punkten “Seiten”, “Module” und “Optionen” nur drei Bereiche, in die sich der potentielle Seitenbetreiber verlaufen könnte. Durch die konsequent logische Strukturierung dürfte es, einen Grund-IQ vorausgesetzt, nicht zu Schwierigkeiten kommen.

Abb.: Das Admin-Center – recht einfach und intuitiv erfassbar
Die Seiten-Verwaltung
In der Seiten-Verwaltung sehen Sie Ihre vorhandene Sitestruktur und können diese verändern. Hier legen Sie neue Seiten an und verändern bestehende. Außerdem verwalten Sie an dieser Stelle Bilder in den Formaten jpg, gif oder png, die Sie für die Gestaltung Ihrer Seiten benötigen.

Abb.: Die Hauptübersicht der Seiten-Verwaltung
Entscheiden Sie sich dafür, eine neue Seite anzulegen, werden Sie mit dem im Weltnetz omnipräsenten TinyMCE konfrontiert und haben die Möglichkeit, von Hand Inhalte zu erfassen. Weiter unten auf dieser Eingabemaske finden Sie den Punkt Module. Dieser bietet Ihnen an, bereits im Auslieferungszustand vorhandene Module wie Fotoalben, einen Blog oder ein Kontaktformular allein oder in beliebiger Reihenfolge kombiniert zum Inhalt der zu erstellenden Seite zu machen. Außerdem entscheiden Sie hier, ob die Seite zum Hauptmenü hinzugefügt werden soll. Stets haben Sie auch die Möglichkeit, Seiten untereinander zu verlinken ohne Hauptmenü-Einträge zu generieren. Dies erfolgt über die sich mit wachsendem Inhalt immer stärker populierende Sidebar.

Abb.: Eine Seite wird hinzugefügt.
Die Module

Abb.: Die Übersicht der installierten Module, andere nennen sie Plugins
Im Auslieferungszustand finden Sie die Module Blog, Alben und Kontaktformular vor, von denen allerdings lediglich die Alben und der Blog aus dem Module-Menü manipulierbar sind. Grundsätzlich ist Pluck mit einer API ausgestattet, die es Modul-Entwicklern leicht machen soll, zusätzliche Funktionalitäten bereit zu stellen. Derzeit ist von einer Fülle an Zusatzmodulen jedoch weit und breit nichts zu sehen. Immerhin gibt es Unterstützung für Google-Sitemaps und Analytics, was dem Handwerker Müller sicher zwei seiner internetbezogenen Sorgen (Wer und wie viele finden mich und wo ranke ich?) nehmen kann.

Abb.: Von einer Fülle an Modulen kann nicht die Rede sein. Manche laufen auch nicht mit der aktuellen Version.
Quick and dirty kann man im Blogmodul Kategorien und Beiträge anlegen, auch eine Kommentar-Moderation ist in rudimentärer Weise implementiert. Erstellte Beiträge werden im Blogmodul gelistet und sind dort editierbar. Ähnlich einfach gestaltet sich die Nutzung des Albenmoduls. Theoretisch unbegrenzt viele Alben mit theoretisch unbegrenzt vielen Einzelbildern lassen sich verwalten. Etwas unverständlich ist, dass das Albenmodul lediglich jpg verarbeiten kann, während die Funktion “Bilder verwalten” im Seiten-Menü auch gif und png versteht. In Anbetracht der typischen Anwendung von Alben als Fotogalerien wiegt diese Einschränkung indes nicht besonders schwer.

Abb.: Das Blogmodul

Abb.: Verfassen eines Blogbeitrages

Abb.: Der Beitrag auf der Übersichtsseite des Blogmoduls

Abb.: Der Blogbeitrag mitsamt Kommentarmöglichkeit im Frontend

Abb.: Alben verwalten im entsprechenden Modul
Das Optionen-Menü
In den Optionen treffen Sie die wesentlichen Grundeinstellungen des Systems und erweitern dessen Funktionalität. Kommen Sie auf die Idee, den Namen Ihrer Site oder die zentrale E-Mail-Adresse zu ändern, so erledigen Sie das hier. Das aber nur am Rande.

Abb.: Die Optionenübersicht im Admin-Center
Wesentlicher ist, dass Sie hier zusätzliche Module installieren oder eine andere Optik aka Farb-Schema, better known as Themes, etablieren können. Dies ist zielgruppengerecht besonders einfach. Sie laden Module und Themes in der Regel als gezipptes Archiv, so wie es auch herunter zu laden ist, per Upload-Formular wieder auf Ihren Webspace hoch. Pluck kümmert sich um den Rest, einfacher geht es kaum.

Abb.: Neues Farbschemna aus Tar.gz erfolgreich installiert

Abb.: Auswirkungen des “Farb-Schemas” auf das Frontend
Was bleibt für den Dienstleister?
Es wird sicherlich nicht jeder Handwerker Müller im Theme-Directory etwas passendes finden. Zumal dieses relativ schmal ausfällt, wenn auch die enthaltenen Themes nicht als schlecht, vielleicht höchstens als etwas zu blogig zu bezeichnen sind. Dann ist Schluss mit zielgruppengerecht, der Müller braucht einen Designer.
Der indes hat es relativ leicht, was insbesondere an der sinnvollen Limitiertheit des Systems liegt. Es sind einfach nicht viele alternative Nutzer-Szenarien zu bearbeiten. Letztlich wird es in den Standardfällen ausreichend sein, eine theme.php mit HTML und Functioncalls, sowie eine style.css für die Formatierungen zu bauen. Pflicht ist zusätzlich noch eine info.php, die lediglich zur Einbindung des Themes erforderlich ist. Auch die Zahl möglicher Functioncalls ist dermaßen begrenzt, dass der Entwickler innerhalb weniger Stunden eine quasi traumwandlerische Sicherheit im Umgang mit dem System erreichen kann. So ergibt sich eine Win-Win-Situation für Entwickler und Kunden.
Fazit: Pluck hat eine klar definierte Zielgruppe. Gehört Ihr Kunde dazu, gibt es kein System, mit dem man schneller eine begeisterungsfähige Website aus dem Boden stampfen kann. Liegt er mit seinen Vorstellungen allerdings auch nur ein kleines bisschen außerhalb des Leistungsumfangs, ist ein anderes System fällig oder der Entwickler müsste die Pluck-API mit Leben füllen. Pluck ist also eine Frage der Perspektive. Ich könnte mehrere Dutzend Kunden aus dem Stehgreif nennen, die mit Pluck absolut hinreichend bedient wären und auch auf Dauer nicht an die Grenzen des Systems stoßen würden. Der Entwickler sollte hier, abseits seiner eigenen tiefgehenden Kenntnisse über mögliche Erweiterungswünsche und deren Abarbeitung, durchaus ein kleines Risiko in Kauf nehmen und dem Handwerker Müller sein Pluck empfehlen und lassen. ™
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Alle Screenshots aus dem Bericht und noch einige mehr:
Dieter Petereit
ist diplomierter Absolvent des Studienganges Wirtschaftswissenschaften mit Schwerpunkt Marketing, aber bereits seit 25 Jahren in der IT daheim. Seit der Jahrtausendwende ist er bei verschiedenen Unternehmensberatungen tätig gewesen und hat dort KMU in Fragen crossmedialer Marketingstrategien, sowie hinsichtlich konkreter IT-Projekte betreut. Technische Dokumentationen schreibt er seit Ende der Neunziger am Fließband, so dass der Betrieb verschiedener Blogprojekte seit 2005 nur konsequent ist.




Sehr gut geschriebener Artikel!
Das Teil kannte ich noch nicht, ich merke es mir im “Hinterstübchen”. ;-)