Sie haben Fotos von alten Kirchengemäuern, Friedhöfen, knorrigen Bäumen oder alten Ruinen? Am besten noch im Dämmerlicht oder bei Nacht im Mondschein fotografiert? Wie wäre es, diesen Bildern noch ein bisschen mehr „Gruselfaktor“ zu verleihen: Mit der Auswahlmaske „Weiche Auswahlkante“ verleihen Sie ihren Bildern einen aschfahlen, gruseligen Anstrich. Willkommen zur Photoshop-Geisterstunde.
Als Fotograf sollte man zwar grundsätzlich den Anspruch an sich selbst haben, Bilder so zu fotografieren, dass sie möglichst wenig digitaler Nachbearbeitung bedürfen. Wenn es aber darum geht, eine Stimmung noch ein wenig zu verstärken, darf man ruhig mal mit ein paar kleinen Tricks nachhelfen.
Als Anschauungsbeispiel hilft uns das Altstädter Rathaus, aufgenommen in einer winterlichen Vollmondnacht in Prag. Das Gebäude im gotischen Baustil mit seinem massiven Mauerwerk und der filigranen astronomischen Uhr ist schon ohne Photoshop-Nachhilfe eine imposante Erscheinung. Aber es geht noch ein bisschen mehr.

Foto vom Altstädter Rathaus in Prag vor der Bearbeitung.
Zunächst gilt es einen geeigneten Auswahlbereich für die gewünschte Effektverstärkung zu finden. Dabei sollen vor allem die hellen Stellen des Bildes später hervorgehoben werden. Wählen Sie unter „Auswahl“ (Select) auf „Farbbereich“ (Modify Feather) und klicken Sie mit der Pipette auf einen möglichst hellen Bildbereich des Bildes. Über den Schieberegler können Sie die Auswahl vergrößern oder verkleinern. Hier gilt es ein wenig zu probieren, um einen geeigneten Bereich zu finden.

Um einen geeigneten Auswahlbereich zu finden, nehmen Sie zunächst einen möglichst hellen Bildbereich und spielen ein wenig mit dem Schieberegler.
Nachdem sie die Auswahl bestätigt haben, kommt jetzt der wichtigste Schritt für den Gruseleffekt. Die Auswahl ist jetzt noch recht fragmentiert und klein, wie der Screenshot zeigt:

Noch ist die Auswahl der Maske recht fragmentiert und klein.
Um den Auswahlbereich zu vergrößern und die Kanten aufzuweichen gehen Sie unter „Auswahl“ (Select) nun auf „Auswahl verändern“ (Modify) und wählen dort „Weiche Kante“ (Feather Selection). Schneller geht es mit der Tastenkombination STRG + ALT + D. Je nach Größe des Bildes geben Sie hier einen Bereich zwischen 15 und 35 Pixeln an.

Über die Pixelgröße wird der Verlauf der weichen Auswahlkante definiert.
Der Auswahlbereich des Bildes erscheint nun abgerundeter. Erstellen Sie nun eine neue Ebene über dem Originalbild und wählen als Vordergrundfarbe weiß.

Die Maske erscheint nun abgerundeter. Erstellen Sie eine neue Ebene und wählen als "weiß" als neue Vordergrundfarbe.
Mit dem Füll-Eimer aus der Werkzeugleiste füllen Sie den ausgewählten Bereich nun im neuen Layer mit der Farbe Weiß auf. Durch die zuvor ausgewählte weiche Auswahlkante verläuft das Weiß auch über die Begrenzungslinien hinweg. Die weiße Fläche wird über die Kante hinweg transparent ausgeblendet und erzeugt den gewünschten Geistereffekt über dem gesamten Bild:

Nach dem Auffüllen der Maske mit weiß erscheint das Rathaus in geisterhaftem Licht.
Je nach Vorlage sollten Sie nun im Ebenenfenster (Layer) die Deckkraft (Opacity) etwas herunter regeln, bis Ihnen der Effekt am besten erscheint und auch das Weiß die darunter liegenden Farben nicht vollständig überdeckt. Manchmal ist es auch von Vorteil im Ebenenfenster die Farbdeckung von „Normal“ auf „Ineinanderkopieren“ (Overlay) oder „Weiches Licht“ (Softlight) zu stellen. In diesem Beispiel erwies sich eine Deckkraft von 69% am besten.
Voila, mit ein paar Handgriffen erscheint Turm des Rathauses in Prag in einem ganz anderen Licht, wie der direkte Vergleich zeigt:

Im direkten Vergleich wird der Unterschied deutlich sichtbar.
„Weiche Auswahlkante“ vielseitig einsetzbar
Der Effekt mit der weichen Auswahlkante lässt sich natürlich nicht nur für Gruselfotos einsetzen: Gewitterfotos beispielsweise erhalten durch diese Vorgehensweise mehr Intensität. So lässt sich der Lichtschein des Blitzes mit der Füllfarbe Weiß intensivieren. Dunkle Wolkenbereiche bleiben davon unberührt. In diesem Beispiel wurde das Weiß auf einer zweiten Ebene mit dem Ebeneneffekt „Ineinanderkopieren“ (Overlay) über das Bild gelegt. Der Unterschied ist eindeutig. Der Blitz erhellt den Nachthimmel weitaus deutlicher, die dunkle Wolke davor hebt sich noch ein wenig besser ab und sorgt für mehr Plastizität.

Mit der weichen Auswahlkante wird auch ein Gewitterblitz in seiner Intensität verstärkt.
Wird der Effekt mit bei Tageslicht aufgenommenen Fotos angewendet, erscheinen die Bilder in wie mit einem Weichzeichner fotografiert, da helle Bildbereiche leicht verschwommen, oder leuchtend erscheinen. Der „Dreameffekt“ eignet sich besonders bei Fotos mit Wolken oder aber, wie in diesem Beispiel, um den Wasserfall im Sonnenschein noch intensiver leuchten zu lassen:

Bei Tageslicht zeichnet der Filter helle Bereiche weicher und erzeugt einen Dreameffekt.
(mm),
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sehen guht aus die Bilder,was ein bischen Nachbearbeitung so ausmacht.
“Als Fotograf sollte man zwar grundsätzlich den Anspruch an sich selbst haben, Bilder so zu fotografieren, dass sie möglichst wenig digitaler Nachbearbeitung bedürfen.”
So? Ich fotografiere zum Teil Motive mit dem Wissen, diese später extra “hoch-zu-tunen”
Geht auch leichter mit dem weichzeichner, sonst gut!
Mit dem Weichzeichner habe ich es noch nie so wirklich gut hinbekommen, aber das liegt wohl eher an mir selbst. Sehr guter Artikel ansonsten!
Sehr schick. Einfaches mittel, nette wirkung.
Genial..Mega einfach aber effektiv! Werde ich gleich mal testen..