Bildbearbeitung

Photoshop-Tutorial: Lichteffekte erzeugen über die „Weiche Auswahlkante“

25. Juni 2010
von

Sie haben Fotos von alten Kirchengemäuern, Friedhöfen, knorrigen Bäumen oder alten Ruinen? Am besten noch im Dämmerlicht oder bei Nacht im Mondschein fotografiert? Wie wäre es, diesen Bildern noch ein bisschen mehr „Gruselfaktor“ zu verleihen: Mit der Auswahlmaske „Weiche Auswahlkante“ verleihen Sie ihren Bildern einen aschfahlen, gruseligen Anstrich. Willkommen zur Photoshop-Geisterstunde.

Als Fotograf sollte man zwar grundsätzlich den Anspruch an sich selbst haben, Bilder so zu fotografieren, dass sie möglichst wenig digitaler Nachbearbeitung bedürfen. Wenn es aber darum geht, eine Stimmung noch ein wenig zu verstärken, darf man ruhig mal mit ein paar kleinen Tricks nachhelfen.

Als Anschauungsbeispiel hilft uns das Altstädter Rathaus, aufgenommen in einer winterlichen Vollmondnacht in Prag. Das Gebäude im gotischen Baustil mit seinem massiven Mauerwerk und der filigranen astronomischen Uhr ist schon ohne Photoshop-Nachhilfe eine imposante Erscheinung. Aber es geht noch ein bisschen mehr.

screen 6 vorher dw foto

Foto vom Altstädter Rathaus in Prag vor der Bearbeitung.

Zunächst gilt es einen geeigneten Auswahlbereich für die gewünschte Effektverstärkung zu finden. Dabei sollen vor allem die hellen Stellen des Bildes später hervorgehoben werden. Wählen Sie unter „Auswahl(Select) auf „Farbbereich(Modify Feather) und klicken Sie mit der Pipette auf einen möglichst hellen Bildbereich des Bildes. Über den Schieberegler können Sie die Auswahl vergrößern oder verkleinern. Hier gilt es ein wenig zu probieren, um einen geeigneten Bereich zu finden.

screen1 colorrange d foto

Um einen geeigneten Auswahlbereich zu finden, nehmen Sie zunächst einen möglichst hellen Bildbereich und spielen ein wenig mit dem Schieberegler.

Nachdem sie die Auswahl bestätigt haben, kommt jetzt der wichtigste Schritt für den Gruseleffekt. Die Auswahl ist jetzt noch recht fragmentiert und klein, wie der Screenshot zeigt:

screen2 auswahl dw foto

Noch ist die Auswahl der Maske recht fragmentiert und klein.

Um den Auswahlbereich zu vergrößern und die Kanten aufzuweichen gehen Sie unter „Auswahl(Select) nun auf „Auswahl verändern(Modify) und wählen dort „Weiche Kante(Feather Selection). Schneller geht es mit der Tastenkombination STRG + ALT + D. Je nach Größe des Bildes geben Sie hier einen Bereich zwischen 15 und 35 Pixeln an.

screen3 featherrange d foto

Über die Pixelgröße wird der Verlauf der weichen Auswahlkante definiert.

Der Auswahlbereich des Bildes erscheint nun abgerundeter. Erstellen Sie nun eine neue Ebene über dem Originalbild und wählen als Vordergrundfarbe weiß.

screen4 neuerlayer dw foto

Die Maske erscheint nun abgerundeter. Erstellen Sie eine neue Ebene und wählen als "weiß" als neue Vordergrundfarbe.

Mit dem Füll-Eimer aus der Werkzeugleiste füllen Sie den ausgewählten Bereich nun im neuen Layer mit der Farbe Weiß auf. Durch die zuvor ausgewählte weiche Auswahlkante verläuft das Weiß auch über die Begrenzungslinien hinweg. Die weiße Fläche wird über die Kante hinweg transparent ausgeblendet und erzeugt den gewünschten Geistereffekt über dem gesamten Bild:

screen5 geistereffekt dw foto

Nach dem Auffüllen der Maske mit weiß erscheint das Rathaus in geisterhaftem Licht.

Je nach Vorlage sollten Sie nun im Ebenenfenster (Layer) die Deckkraft (Opacity) etwas herunter regeln, bis Ihnen der Effekt am besten erscheint und auch das Weiß die darunter liegenden Farben nicht vollständig überdeckt. Manchmal ist es auch von Vorteil im Ebenenfenster die Farbdeckung von „Normal“ auf „Ineinanderkopieren(Overlay) oder „Weiches Licht(Softlight) zu stellen. In diesem Beispiel erwies sich eine Deckkraft von 69% am besten.
Voila, mit ein paar Handgriffen erscheint Turm des Rathauses in Prag in einem ganz anderen Licht, wie der direkte Vergleich zeigt:

screen8 vergleich dw foto

Im direkten Vergleich wird der Unterschied deutlich sichtbar.

„Weiche Auswahlkante“ vielseitig einsetzbar

Der Effekt mit der weichen Auswahlkante lässt sich natürlich nicht nur für Gruselfotos einsetzen: Gewitterfotos beispielsweise erhalten durch diese Vorgehensweise mehr Intensität. So lässt sich der Lichtschein des Blitzes mit der Füllfarbe Weiß intensivieren. Dunkle Wolkenbereiche bleiben davon unberührt. In diesem Beispiel wurde das Weiß auf einer zweiten Ebene mit dem Ebeneneffekt „Ineinanderkopieren(Overlay) über das Bild gelegt. Der Unterschied ist eindeutig. Der Blitz erhellt den Nachthimmel weitaus deutlicher, die dunkle Wolke davor hebt sich noch ein wenig besser ab und sorgt für mehr Plastizität.

blitz vorher nachher dw foto

Mit der weichen Auswahlkante wird auch ein Gewitterblitz in seiner Intensität verstärkt.

Wird der Effekt mit bei Tageslicht aufgenommenen Fotos angewendet, erscheinen die Bilder in wie mit einem Weichzeichner fotografiert, da helle Bildbereiche leicht verschwommen, oder leuchtend erscheinen. Der „Dreameffekt“ eignet sich besonders bei Fotos mit Wolken oder aber, wie in diesem Beispiel, um den Wasserfall im Sonnenschein noch intensiver leuchten zu lassen:

wasserfall dw foto

Bei Tageslicht zeichnet der Filter helle Bereiche weicher und erzeugt einen Dreameffekt.

(mm),

 foto

Dennis Knake

Dennis Knake schreibt seit Beginn seiner journalistischen Laufbahn 1996 für verschiedene Online- und Printmedien und ist sozusagen seit den frühen Tagen des World Wide Web mit dabei. Sein privates Blog betreibt er seit 2005 und ist auch sonst im Internet "gut unterwegs". Heute ist er neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit als PR-Manager bei der QSC AG auch als freier Autor für den DATA BECKER Verlag tätig.

7 Kommentare zu „Photoshop-Tutorial: Lichteffekte erzeugen über die „Weiche Auswahlkante“

  1. Hasselmann am 25. Juni 2010 um 17:04

    sehen guht aus die Bilder,was ein bischen Nachbearbeitung so ausmacht.

  2. Fotogalerie am 26. Juni 2010 um 10:10

    “Als Fotograf sollte man zwar grundsätzlich den Anspruch an sich selbst haben, Bilder so zu fotografieren, dass sie möglichst wenig digitaler Nachbearbeitung bedürfen.”

    So? Ich fotografiere zum Teil Motive mit dem Wissen, diese später extra “hoch-zu-tunen” ;-)

  3. MrX am 26. Juni 2010 um 19:49

    Geht auch leichter mit dem weichzeichner, sonst gut!

  4. Arndtners am 27. Juni 2010 um 19:42

    Mit dem Weichzeichner habe ich es noch nie so wirklich gut hinbekommen, aber das liegt wohl eher an mir selbst. Sehr guter Artikel ansonsten!

  5. ThomasO am 28. Juni 2010 um 08:41

    Sehr schick. Einfaches mittel, nette wirkung.

  6. Peter am 30. Juni 2010 um 13:50

    Genial..Mega einfach aber effektiv! Werde ich gleich mal testen..

  7. [...] Dieser Beitrag erschien kürzlich im Dr.Web Magazin. Möchte ich auch meinen Bloglesern nicht vorenthalten. Hier den Artikel teilen, weiterleiten oder empfehlen: [...]

Ein Kommentar? Schön!

Wir freuen uns immer über Leser, die durch nützliche und konstruktive Beiträge zum Thema eine Diskussion anstoßen oder den Artikel mit weiteren Informationen anreichern. Alle Kommentare werden in diesem Sinne moderiert. Zum Kommentar-Fairplay gehört für uns auch der Einsatz von rel="nofollow". Bitte verwenden Sie zudem als Namen weder eine Domain noch ein spamverdächtiges Wort. Vielen Dank!

*