Das neue Photoshop steht vor der Tür. Auch in dieser Version gelingt es Adobe, dem Flaggschiff einen echten Mehrwert zur Vorgängerversion mitzugeben.
Die Featureitis lebt! Der Bildbearbeitungsbolide Photoshop leidet seit Jahren unter Funktionsüberfluß. Nur wenige Bildbearbeiter halten mit den fast jährlich erscheinenden neuen Funktionen Schritt. Die meisten Neuheiten werden häufig ignoriert, weil sie ebenso durch ältere, lange gelernte Arbeitsschritte erfolgreich umgesetzt werden können.
Der Einsatzbereich der automatischen Ebenen-Ausrichtung ist sehr begrenzt. Klicken für eine größere Darstellung
Das wird bei CS3 definitiv anders. Der Grund: Erstmals widmete sich die Adobe-Crew fast ausschließlich der Optimierung bestehender Funktionalität und deren Überführung in neue, zeitgemäße Interfaces, die einfacheres und vor allem zügigeres Arbeiten erlauben. Dass bei der Optimierung auch eine Reihe neuer Funktionen abfällt, versteht sich von selbst.
Smarte Filter
Das Layout des neuen Photoshop erfährt nur wenig Änderungen im Vergleich zum Vorgänger CS2, wenn es denn bei der Optik der Beta-Version bleibt. Wie bei Acrobat 8 wurden die Paletten ein wenig aufgehübscht, das Programm arbeitet mit einem zweifarbigen Fonds und erscheint dadurch deutlich aufgeräumter. Die Anpassungsoptionen für das Interface wurden weiter verbessert. So lassen sich die Werkzeuge als feine Randpalette in einer einspaltigen Liste anordnen. Der klassische zweispaltige Modus bleibt aber verfügbar. Neu ist dagegen eine Schnellstartleiste für wichtige Sonderfunktionen, etwa das Aufzeichnen und Anwenden von „Actions“.

Der zerstörungsfreie Einsatz von Filtern war überfällig und ist sehr gut gelungen
Ein zweites wichtiges Merkmal des Gesamtprogramms ist die Geschwindigkeit. Wer nicht mit neuester Rechnerpower arbeitet kann beruhigt aufatmen: Schon die Beta startet genauso schnell wie CS2 und das Anwenden von Filtereffekten funktioniert subjektiv sogar besser.
Eine der ganz wichtigen Neuerungen in Photoshop CS3 sind die Smart Filter. Damit lassen sich Filtereffekte verlustfrei anwenden und jederzeit neu einstellen oder wieder rückgängig machen. Das macht den beliebten Rückweg über das Protokoll praktisch überflüssig. Die Qualität entspricht der Anwendung von Ebeneneffekten. Mit einem Rechtsklick lassen sich Filter Ein- und Ausschalten. Das Motiv erscheint dann wieder im Originalzustand.
Schnellauswahl
Filter gibt es in Photoshop schon lange und Smart Objekts auch. Die neue Kombination von beidem ist nicht mehr als konsequent. Das gilt auch für das neue Schnellauswahl-Werkzeug. Es befindet sich in der Werkzeugpalette bei den „intelligenten“ Auswahlwerkzeugen wie dem Zauberstab.

Die variable Schnellauswahl ist im Gestaltungsalltag eine hilfreiche Ergänzung.
Das neue Tool arbeitet ähnlich, wie eine Kombinatio aus dem „Magnetischen Lasso“ und dem Zauberstab. Durchs grobes „Übermalen“ bestimmter Bildbereiche zieht das Programm eine farb- und konturbasierte Auswahl. Per Druck auf die Alt-Taste lassen sich einzelne Bereiche wieder abziehen und durch die Veränderung der Pinselgröße verfeinert sich die Toleranz der Auswahl. Defintiv ein gutes Werkzeug für den schnellen Freisteller.
Variable Auswahl
Die Schnellauswahl ist Ausdruck eines neuen Markierungskonzeptes. Photoshop räumt mit einem alten Übel auf und gibt dem Benutzer Werkzeuge an die Hand, eine Auswahl flexibel zu verändern. Bislang gab es nur die Möglichkeit, das mit Hilfe von Dialogboxen zu erreichen. Da war viel Trial and Error gefragt.
Darauf haben selbst die Nerds gewartet: Dynamische Auswahlveränderung mit Live-Vorschau. Klicken für eine größere Darstellung
Das neue Werkzeug nennt sich „Refine Edges“ und ist in der Lage eine bestehende Auswahl generell zu modifizieren. So lässt sich zum Beispiel die Wirkung einer weichen Auswahlkante live im Bild anzeigen und verändern. Der User sieht entweder die Auswahl selbst oder die finale Wirkung der Maßnahme. Auch das wird erfahrenen Photoshoppern zahlreiche Arbeitsschritte sparen, vor allem wenn es darum geht, Layout-Varianten zu erzeugen.
Automatisches Panorama
Der Versuch, durch intelligente Algorithmen User-Bedürfnisse vorherzusehen, resultiert auch bei Adobe in mehr und mehr Automatisierung. Dass das nicht immer gewinnbringend funktioniert, zeigen die beiden Funktionen zur automatischen Ausrichtung von Ebenen und vor allem zum automatischen Überblenden von Ebenen. Ersteres Werkzeug hilft vielleicht bei der Herstellung nahtloser Panoramen aus Einzelbildern, doch das ist zweifellos ein sehr begrenzter Funktionszweck. Das Überblenden von Ebenen zeigt auf den ersten Blick überhaupt keinen Gewinn gegenüber den herkömmlichen Werkzeugen zur Maskierung und Überblendung von Ebenen.
Dynamischer Fluchtpunkt
Wesentlich effektiver und realitätsnäher arbeitet dagegen das Fluchtpunkt-Werkzeug. Erstmals in der letzten Photoshop-Version eingeführt, wurden mit der neuen Ausgabe die Einschränkungen des Filters praktisch aufgehoben. Es ist nun möglich, die Perspektivenraster umfassend zu modifizieren, kombinieren und auch mit unterschiedlichen Winkeln zusammenzufügen. Für die Erstellung geklonter, perspektivisch korrekter Landschaften oder Häuserschluchten ist das Tool inzwischen unverzichtbar.
Das Fluchtpunkt-Werkzeug hat das Kinderkrankheiten-Stadium verlassen. Klicken für eine größere Darstellung
Variables Schwarz-Weiß
Eine weitere, deutliche Verbesserung im Arbeitsablauf bietet der variable Schwarz-Weiß-Filter. Er kombiniert die Anpassung „Sättigung verringern“ mit dem Filter „Farbton & Sättigung“. Der Benutzer ist in der Lage mit Schiebereglern die Umwandlung der einzelnen Farben in Grautöne zu manipulieren. Damit kann das Ergebnis sehr fein justiert werden. Gleichzeitig erlaubt die bekannte Option „Färben“ die Umwandlung des Bildes in Variationen eines Farbtons, wie das etwa beim Sepia-Filter geschieht. Auch hier wird exakt ein Arbeitsschritt gespart.
Zwei Tools in einem: Graustufen-Konversion und deren Einfärbung. Klicken für eine größere Darstellung
Starkes Umfeld
Neben diesen Änderungen im Programm selbst, gibt es eine Reihe von Neuerungen bei den Zusatzwerkzeugen. Die Neue Adobe Bridge arbeitet wesentlich schnellere von allem bei der Darstellung von Thumbnails. Außerdem gibt es neue Animationsmodi für die Dia-Show.
Ganz neu ist Device Central. Dabei handelt es sich um eine Exportvorschau für Handys und Palms. Das hat Adobe offensichtlich von Macromedia gelernt. Der User ist in der Lage, erzeugte Kunstwerke zu betrachten, Hintergrundbeleuchtung zu simulieren und natürlich auch den Ablauf von Flash-Animationen zu testen. Der Name des Programms legt übrigens nahe, dass neue Handy-Templates dynamisch von einem „zentralen“ Server geladen werden (können). Weitere kleinere Veränderungen gibt es auch in Version Cue und bei den Stock Photos.
Flash-User kennen die Handy-Templates von Device Central seit Jahren. Klicken für eine größere Darstellung
Insgesamt zeigt sich die Beta äußerst stabil und schnell und die neuen Features machen das Arbeiten mit Photoshop schneller und einfacher. Ein empfehlenswertes Update, wenngleich der euphorische Ausruf von Bruce Chizen, das „größte Release der Adobe Geschichte“ geschaffen zu haben, erst noch durch die anderen CS 3 Applikationen zu beweisen ist.
Erstveröffentlichung 20.01.2007
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