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Paper für iPad: Neues Skizzenbuch mit intuitiver Nutzerführung

3. April 2012
von

Eine brandneue iPad-App namens Paper will für das Apple-Device das sein, was Papier seit Jahrhunderten für die Menschen ist, nämlich eine einfache Möglichkeit, Gedanken, Bilder, Skizzen, Zeichnungen, Notizen und vieles mehr festzuhalten. Das klingt zunächst unspektakulär, ist aber bei näherem Hinsehen eine große Sache.


Paper erlaubt Skizzen schnell und einfach wie das holzene Vorbild

UI-Designer wissen es. Je einfacher die Oberfläche für den Bediener wird, desto mehr Hirnschmalz muss für die erforderlichen Hintergrundprozesse aufgewendet werden. Dabei gilt es, den guten alten Einstein zu beachten, der bekanntlich den Ratschlag erteilte: “Macht die Dinge so einfach wie möglich, aber nicht einfacher.”

Nach meiner Meinung haben die Entwickler von Paper, einer kleinen Softwareschmiede aus New York namens 53, im Sinne Einsteins ganze Arbeit geleistet. Paper ist ein Skizzen- und Notizbuch, das beliebig viele dieser Bücher mit beliebig vielen Seiten verwalten kann. So könnte man als Webentwickler beispielsweise für jedes Projekt ein Skizzenbuch anlegen, in welchem man die Rohskizzen des Interfaces zeichnet. Filmer könnten ihre Storybooks mit Paper vorzeichnen. Wer möchte, könnte auch einfach seinen Einkaufszettel auf Paper schreiben.


Ein Draft einer Sitestruktur aus den mitgelieferten Beispielskizzen

Paper: Das Bedienkonzept überzeugt mit frischen Ideen

Das Interface der erst seit dem 29. März am Markt befindlichen App setzt konsequent auf Touch- und Swipebedienung. Die Oberfläche ist nicht nur nicht überfrachtet, sie ist erstaunlicherweise fast völlig leer. Das Anlegen neuer Skizzenbücher und Skizzen gestaltet sich simpel. Auf dem Startbildschirm präsentiert Paper die vorhandenen Bücher, die mittels Swipes durchgescrollt werden können, ein Plus am unteren Bildschirmrand erzeugt ein weiteres Buch. Ein Tap auf ein Buch öffnet selbiges. In den Seiten blättert man wieder per Swipe. Mit einer Geste, die aus dem Zusammenziehen zweier Finger, typischerweise Daumen und Zeigefinger, besteht, schließt man das Buch.

Innerhalb eines Buches, das übrigens stets in einer iTunes-ähnlichen Coverflow-Optik dargestellt wird, trifft man wieder auf den Plus-Button, der nach einem Tap eine neue Seite anlegt. Ein Tap auf die neu angelegte, aber auch jede andere bereits vorhandene Seite, öffnet diese.


Auch solche Zeichnungen lassen sich mit Paper erstellen. Wenn man´s kann…

Auf der Seitenebene wird am unteren Bildschirmrand eine Werkzeugleiste eingeblendet, die fünf verschiedene Schreibwerkzeuge, ein Radiergummi und eine (sehr eingeschränkte) Farbpalette mit neun Farbtönen zeigt. Die Werkzeugleiste lässt sich per Swipe von oben nach unten aus- und umgekehrt wieder einblenden. Interessant gelöst ist die Funktion des Rückgängigmachens. Mit zwei Fingern dreht man auf dem Bildschirm gegen den Uhrzeigersinn und löscht so stufenlos die letzten Bearbeitungsschritte. Dreht man im Uhrzeigersinn holt man die Zeichnung schrittweise wieder zurück.

Paper: Nicht alle Werkzeuge sind kostenlos

In der kostenlosen Variante ist lediglich die Zeichenfeder und das Radiergummi aktiviert. Die Zeichenfeder ermöglicht, Skizzen zu zeichnen und dabei die Strichstärke zu variieren. Je schneller man die Feder über die Leinwand zieht, desto dicker wird der Strich. Das ist auf den ersten Blick ungewohnt, aber dem Umstand geschuldet, dass das iPad-Display nicht auf unterschiedlich starken Druck reagieren kann. Nach kurzer Eingewöhnungszeit funktioniert diese Art der Eingabe dennoch zufriedenstellend.

Spezielle Werkzeuge ermöglichen Zeichnungen, die wie mit dem Bleistift gemacht wirken. Ein weiterer Stift variiert die Strichstärke nicht und kann als Textmarker Verwendung finden. Es gibt einen dedizierten Schreibstift und der Pinsel ermöglicht Effekte, die man ansonsten nur aus der Aquarellmalerei kennt. Der Haken an der Sache: Jedes Werkzeug muss per In-App-Kauf für jeweils 1,59 € hinzugekauft werden, alternativ steht ein Paket namens Essentials mit allen Werkzeugen für 5,99 € bereit. So lassen sich knappe 40 Cent im Vergleich zu allen Einzelkäufen einsparen.


Für dieses Storyboard benötigt man alle Werkzeuge

Verständlicherweise ist nicht jeder Interessent mit dieser Vorgehensweise der Entwickler einverstanden und sicherlich wäre es möglicherweise eine klarere Lösung gewesen, neben einer kostenlosen Version schlicht eine kostenpflichtige anzubieten. Schlussendlich muss man jedoch zugeben, dass knappe 6 € für diese App nicht übertrieben sind, zumal schon das kostenlose Werkzeug viele Anforderungen von Skizzenzeichnern abzudecken vermag.

Paper: Skizzen teilen leicht gemacht

All das tut Paper in der Gesamtbewertung keinen Abbruch. Ich konnte schon mit vielen Skizzenbüchern Erfahrungen machen. Paper ist jedoch das einzige, mit dem ich auch in Zukunft noch arbeiten werde. Wenn ich was kritisieren muss, dann ist es der komplett fehlende Export in andere gängige Formate. Andererseits hat mein papiernes Moleskine-Notizbuch auch keine “Exportfunktion”

Paper verfügt indes über eine Anbindung an Facebook, Twitter und Tumblr. Das Teilen der Skizzen ist so schnell möglich. Auch der Versand per E-Mail kann direkt aus der App erfolgen. Die Qualität der exportierten Skizzen entspricht der Auflösung meines aktuellen iPad2 mit 1.024 x 768 Pixeln. 53 verspricht, dass Paper für das neueste iPad optimiert ist. Dort sollte dann die vierfache Pixelmenge entstehen. Ob das tatsächlich so ist, werde ich in ein paar Tagen berichten, wenn Apple mir das bestellte Gerät geliefert hat.


Tumblr, Twitter und Facebook können aus Paper heraus bestückt werden

Links zum Artikel

  • Im Blog zum Produkt stellen die Entwickler eingesandte Skizzen versierter Anwender vor – 53 Blog
  • Die Produkt-Website gefällt mit frischem Design – Paper by 53
  • Im iTunes Appstore kann Paper kostenlos geladen werden – iTunes-Link
  • Auf Vimeo findet sich ein aussagekräftiges Video zu Papers Featureset – Paper auf vimeo

(do)

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit fast 30 Jahren in der IT daheim. Seit 2008 schreibt er für Dr. Web, seit 2012 ist er Chefredakteur des Magazins. Man findet ihn auch auf Twitter und Facebook, aktiver ist er allerdings auf Google+.

6 Kommentare zu „Paper für iPad: Neues Skizzenbuch mit intuitiver Nutzerführung
  1. Whynot am 23. Dezember 2012 um 16:49

    Wäre ja schön zu Wissen, wie man nun step by step vor geht. z.B. erscheint bei mir die Werkzeugpalette gar nicht, ob wohl ich 5,99 und nochmals 1,79 ausgegeben habe. Wo und wie beginne ich mit dem malen????

    danke für eine “Bedieungsanleitung”.

    Gruß whynot

    • habaucheins am 28. Dezember 2012 um 15:01

      Hallo, whynot.
      Auf der Oberfläche sind Buttons, auf denen man ein Video zur Benutzung sehen kann.
      Habe die kostenlose Version, und da kann mit einem Wisch von unten die Palette einblenden, malt man über die Palette nach unten raus, verschwindet sie wieder.
      Werde mir das Paket aber in jedem Fall zulegen, sowie einen Stift zum besseren Malen.

  2. jeanne am 11. Februar 2013 um 20:54

    Habe paper 53 mit Zusatz geladen, es oeffnet sich nur eine weiße, jetzt von mir bemalte Seite, kein + zu sehen, wechseln funktioniert nicht, es zeichnet weiter und der zur Zuruecksetzung dienende Kreis zeigt sich, lässt sich aber nicht verwenden. Wischen zum Weiterblättern führt zum AppStore auf die Ladeseite des Programmes. schade, dass es nicht geht und mein Bild jetzt total verkritzelt ist durch die eigene Versuche die Seite zu wechseln.

  3. ACA am 12. Mai 2013 um 15:13

    Hi … habe gerade paper by 53 geladen und wollte alle Zusätze dazu … Essatials & Mixer konnte ICH kaufen … wie komme ICH an die anderen Zusätze zum Kaufen und ist der zusätzliche ZeichenStift ein ganz spezieller???
    DAnke von Anke CA

    • ACA am 12. Mai 2013 um 20:11

      … habe selbst die Antwort gefunden ;)
      … im Essentials-Set sind zeichnen, kolorieren, skizzieren, schreiben, markieren enthalten für 5,99€
      … der Mixer ist für 1,79€ zusätzlich

  4. Akli am 15. Mai 2013 um 14:38

    Hallo, ich habe nach dem letzten Update von Paper 53 zwei Probleme. Zum einen kann das leider mit installierte Journal “Made with Paper” nicht gelöscht werden. Und die Seiten meiner eigenen Journale (auch neue Titelseiten) sind nicht mehr weiß, sondern hell grau! Selbst neu angelegte Seiten sind hiervon betroffen. Kennt jemand Abhilfe?
    Danke für einen Tipp …

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