Onlinespiele werden immer beliebter

Laut einer Studie von eco, dem Verband der Internetwirtschaft e. V., wächst die Games-Branche stark und anhaltend. Experten warnen vor der Suchtgefahr, die von Computer- und Online-Glücksspielen ausgeht.

Casino-Tisch im Internet mit Chips und Karten.
Bild: Das Glückspiel-Segment im Internet ist besonders rentabel. Rund 1,6 Milliarden Euro Umsatz wurden im Jahr 2015 mit Online-Casinos, Sportwetten und Ähnlichem erzielt. Bildquelle: elenabsl – 253574842/Shutterstock.com

Die Internetverbindungen und die Rechner werden immer schneller: Das macht sich auf dem Markt der Onlinespiele bemerkbar. Einen starken Zuwachs in diesem Bereich prognostizieren eco, der Verband der Internetwirtschaft e. V., und die Unternehmensberatung Arthur D. Little in ihrer aktuellen Studie „Die deutsche Internetwirtschaft 2015 – 2019“. Demnach wird der Umsatz der Branche in diesem Jahr um 16,7 Prozent auf 4,9 Milliarden Euro steigen. Für die folgenden Jahre werden ähnliche Zuwächse erwartet. Experten warnen in diesem Zusammenhang vor den Gefahren einer exzessiven Internetnutzung und dem Suchtpotenzial, das von Computerspielen ausgeht.

Problematisch ist vor allem der einfache und anonyme Zugriff auf Glückspiele. „Die Zahl der Kinder und Jugendlichen in Nordrhein-Westfalen, die an Glücksspielen mit Geldeinsatz und Geldgewinnmöglichkeiten teilnehmen, steigt“, betont etwa die Landesstelle Sucht NRW. Das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium hatte bei der Uni Mainz eine Studie zum Konsum von Glücksspielen bei Kindern und Jugendlichen in Auftrag gegeben.

Wenn aus Spiel Sucht wird

Ergebnis: 44 Prozent von rund 6.000 befragten Schülerinnen und Schülern haben bereits an einem Glücksspiel mit Geldeinsatz teilgenommen, vor zehn Jahren waren es noch 40 Prozent. Mehr als fünf Prozent der Kinder und Jugendlichen zeigten bereits ein problematisches Glücksspielverhalten oder seien gefährdet. Aber nicht nur Kinder und Jugendliche, auch Erwachsene sollten sich der Gefahren bewusst sein: „Onlinespiele sind oft ein Einstieg in die Spiel- und Wettsucht“, sagt Heinz Patzelt von sportwettentest.net.

Ein Suchtverhalten entwickeln zwischen drei und zehn Prozent aller Spieler von Computer- und Online-Spielen, erklärt die Arbeitsgruppe Spielsucht der Charité auf ihrem Internetportal. Bislang sei es wissenschaftlich nicht vollständig geklärt, ob Online- oder Computerspielsucht eine eigenständige Krankheit ist oder exzessives Spielverhalten Symptom einer anderen psychischen Erkrankung (z.B. Angststörung, Depression) darstellt.

Zwei grinsende Kinder spielen gemeinsam am Tablet.
Bild: Immer mehr Kinder und Jugendliche haben schon einmal Glücksspiele mit Geldeinsatz online gespielt, mehr als fünf Prozent sind suchtgefährdet. Foto: Andresr – 103402601/Shutterstock.com

Onlinespiele: Warnsignale erkennen

Wie auch immer: Es gibt deutliche Anzeichen, wenn das Spielverhalten zum Problem wird. Viele Merkmale stimmen mit denen anderer Suchtkrankheiten, wie der Alkoholabhängigkeit, überein. Dazu gehören Kontrollverlust und negative Auswirkungen auf das tägliche Leben und das soziale Umfeld. Wichtige Hinweise sind, wenn der Betroffene:

  • an anderen Aktivitäten plötzlich keinen Spaß mehr hat
  • private oder berufliche Verpflichtungen vernachlässigt
  • sein äußeres Erscheinungsbild vernachlässigt
  • sich gedanklich ständig mit dem Computer beschäftigt
  • sich von Freunden und Bekannten zurückzieht
  • sich schlecht konzentrieren kann
  • Stimmungsschwankungen hat
  • depressiv oder ängstlich wird.

Neben der Glückspiel-Sucht warnt die Suchtabteilung der Diakonie in der Region Emsland auch vor der Online-Rollenspiel-Sucht: Sie trete bei komplexen Spielen wie World of Warcraft und Second Life, etc. auf.  Zu 75 Prozent sind Jugendliche betroffen, meist sind es Jungen. Aber auch Erwachsene können dem Rollenspiel und dem Zauber ihres virtuellen Egos verfallen. Das wahre Leben wird für sie zunehmend unwichtig.

Vor Abzocke schützen

Mikrotransaktions-Geschäftsmodelle (der Handel mit virtuellen Gütern und Spiele-Apps) gelten als Zugpferd der Online-Spiele-Branche. Schon jetzt machen Spiele-Apps und Online-/Browser-Spiele 30 Prozent des Markts aus. Als Geschäftsmodell setzen die Anbieter heutzutage verstärkt auf das Free-to-Play-Modell. Damit möchten sie möglichst viele neue Spieler gewinnen. Sind sie erst einmal als Kunde gewonnen, werden sie dann für Zusatzinhalte oder Aufwertungen zur Kasse gebeten.

Den Zockern wollen einige Browser-Games an den Geldbeutel, indem sie Spielgeld bieten, das man mit echtem Geld erwerben kann. Mit diesem Spielgeld sichert man sich zum Beispiel einen Zeitbonus oder zusätzliche Extras. Wie man unseriöse Anbieter erkennt und wie man sich schützen kann, erklärt tipps.net:

  • Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen gründlich lesen, auch wenn das nervig ist. Wenn dort zum Thema Kosten etwas schwammig formuliert ist, sollte man lieber die Finger von dem Spiel lassen
  • Buchungen im Blick behalten: Auch kleine Buchungen summieren sich schnell zu einem hohen Endbetrag.
  • Kostenlimit festlegen: Eltern sollten die Ausgaben ihrer Kinder sorgfältig im Blick behalten.
  • Jugendschutzprogramm installieren: Damit kann die Zeit festgelegt werden, die ein Kind am PC spielt und bestimmte Seiten können blockiert werden.

Enormes Marktpotenzial

Freuen können sich über die aktuelle Entwicklung vor allem die Anbieter der Online-Spiele. „Das Segment Gaming hat online in Deutschland den Massenmarkt erreicht und teilweise durchdrungen. Zirka 18 Millionen Deutsche nutzen regelmäßig Mobile- und Browser-Spiele“, heißt es in der Studie des Verbands der Internetwirtschaft.

Im Spiele-Markt gebe es einen starken Wettbewerb zwischen deutschen und ausländischen Anbietern, wobei die skandinavischen Hersteller besonders stark seien.  Deutsche Gaming-Anbieter decken in Deutschland etwa 20 Prozent der Nachfrage ab. Sie konzeptionieren ihre Spiele häufig so, dass sie von einer internationalen Zielgruppe genutzt werden können, um so eine möglichst breite potenzielle Masse abzudecken. Viele kommen allerdings über einen einmaligen Erfolgstreffer nicht hinaus.

Infografik: Onlinespiele sind beliebt. Gerade Internetnutzer unter dreißig Jahre spielen Browsergames.
Infografik: Onlinespiele sind beliebt. Gerade Internetnutzer unter dreißig Jahre spielen Browsergames.

Gambling

Besonders beliebt und rentabel ist das Segment Gambling, also das Glücksspiel im Internet: Rund 1,6 Milliarden Euro Umsatz wurden im Jahr 2015 mit Online-Casinos, Sportwetten und Ähnlichem erzielt. Bis 2019 erwarten die Autoren der Studie ein jährliches Wachstum von etwa 15 Prozent. Moderne Technik, schnelle und einfache Zugänge zu den Glücksspielseiten, sowie ein wachsendes Service-Angebot einzelner Casino-Seiten ermöglichen dieses Wachstum.

Besonders für Anfänger im Glücksspielbereich ist das offenbar ein attraktives Angebot. Doch nicht nur Anfänger spielen online. Aus den realen Casinos zieht es ebenfalls immer mehr Spieler in die allzeit verfügbare und anonyme Online-Welt.

„Das Wachstum im Online-Gambling ist maßgeblich getrieben durch den Bereich Online-Casino, in welchem über 50 Prozent der Brutto-Spielerträge erwirtschaftet werden“, sagt Lars Riegel, Principal bei Arthur D. Little. Bereits 15 Prozent der Bruttospielerträge werden online generiert. Dabei ist Online-Casino mit über 50 Prozent der Online-Bruttospielerträge die mit Abstand beliebteste Online-Gambling Sparte.

Mobil und social

Auch Videospiele haben in Deutschland einen enormen Popularitätsschub erfahren. „Einen erheblichen Anteil an dieser Entwicklung haben so genannte „Casual Games“ und das „Social Gaming“ via Facebook & Co“, so Werner Ballhaus, Leiter des Bereichs Technologie, Medien und Telekommunikation bei PwC. Verstärkt werde dieser Trend durch das mobile Internet. „Smartphones erlauben ein vernetztes Spiel jederzeit und überall, und die Spieleindustrie nutzt diese neuen Möglichkeiten immer besser“, so Ballhaus weiter. Ihm zufolge gibt es in Deutschland 23 Millionen Spieler. Im vergangenen Jahr haben sie laut pwc.de knapp zwei Milliarden Euro für Videogames ausgegeben.

(dpe)

Unter der Bezeichnung "Redaktion Dr. Web" findest du Beiträge, die von mehreren Autorinnen und Autoren kollaborativ erstellt wurden. Auch Beiträge von Gastautoren sind hier zu finden. Beachte dann bitte die zusätzlichen Informationen zum Autor oder zur Autorin im Beitrag selbst.

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Marcel
Gast
3 Monate 8 Tage her

Na das kenne ich irgendwoher. Je nachdem wie das Spiel einen „fesselt“ kann es süchtig machen. Habe von 2007-2009 „Die Stämme“ gespielt und je weiter ich kam, desto mehr habe ich meine Schlafzeit und Pausen während der Arbeit danach ausgerichtet. Das wird mit der Zeit sehr stressig.

Gerd Ley
Gast
Gerd Ley
3 Monate 6 Tage her

Es ist leider so, das im Internet immer das extrem beworben wird, bei dem viele User unkontrolliert viel Geld ausgeben. Ich denke da an Kontaktportale, eben solche Spieleseiten und alles was irgendwie mit Erotik oder mehr zu tun hat. Weltweit werden damit jährlich Milliarden verdient und im Internet kann sich jeder „kleine Webamster“ ein Stück vom Kuchen abschneiden … wenn er weiß wie. Auch wenn man immer von Nischenseiten redet, gibt es auch in diesen Bereichen „Nischen“ mit denen richtig was zu verdienen ist und das wird immer weiter so gehen.

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