von Holger Reibold
Darauf haben nicht nur Linux-Anwender lange gewartet: Auf einen benutzerfreundlichen Webeditor, der die Entwicklung einer Website ähnlich einfach macht, wie es bei Dreamweaver & Co. der Fall ist.
Lindows, die durch ihr gleichnamiges Linux-System bekannt geworden sind, stehen hinter dem neuen Webeditor. Sie haben ihr Versprechen wahr gemacht, und Anfang 2004 die erste Version des Nvu-Editors verfügbar gemacht.
Ganz so neu, wie es auf den ersten Blick scheinen mag, ist Nvu allerdings nicht. Nvu basiert auf der Mozilla-Plattform und dessen Layout-Engine Gecko. Der Editor wird in erster Linie für Linux entwickelt, ist aber auch für weitere Plattformen verfügbar. Eine Windows-Variante ist seit der Veröffentlichung der ersten Version ebenfalls verfügbar.

Ein erster Blick auf Nvu
Nvu im Überblick
Wie Mozilla Firebird und Thunderbird so ist auch Nvu eine Standalone-Anwendung. Dennoch ist der Editor bestens für das Zusammenspiel mit anderen Mozilla-Applikationen gerüstet.
Nvu präsentiert eine übersichtliche Benutzeroberfläche mit einer Symbolleiste, die an die anderer Editoren erinnert. Hier stehen die wichtigsten Funktionen für das Einfügen von Bildern, Formularen, Tabellen und sonstigen Formatierungen zur Verfügung. Unterhalb findet man den Site Manager und den eigentlichen Editierbereich. Der Editierbereich erlaubt die gleichzeitige Entwicklung von mehreren Dokumenten. Wie man es von Windows-Editoren kennt, stehen für jede Seite verschiedene Ansichten bereit, insbesondere die Normal-, die HTML-Tag-, Quellcode-Ansicht und die Vorschau.
Über den Editierbereich sind die gängigen Formatierungen verfügbar, die typische Web-Seiten aufweisen. So kann man über die Symbolleiste recht einfach Tabellen, Formulare und andere Elemente in das Dokument einbetten und schließlich auch publizieren.
Über den Site Manager verwaltet man die Seiten einer Website. Dort steht auch eine Baumansicht zur Verfügung. Ein weiteres Highlight ist sicherlich der integrierte CSS-Editor, mit dem man Stylesheets verwaltet, die an das Dokument geknüpft sind. Nvu verfügt auch über einen FTP-Manager, mit dem man seine Entwicklung ins Netz stellt. Auch eine Validierungsfunktion steht zur Verfügung. Schmerzlich vermisst man bislang noch Link Verifier sowie Vorlagen und Assistenten
Dokumentenentwicklung
Für die Dokumentenentwicklung stehen typische Funktionen für das Einfügen von Text, Grafiken und Tabellen zur Verfügung. Über die Textwerkzeuge ist es ein Leichtes, die unterschiedlichen Textelemente mit dem gewünschten Format zu versehen. Die meisten Dialoge verfügen über eine Schaltfläche Advanced Edit, über die man auf erweiterte Einstellungen zugreifen kann. Dahinter verbirgt sich der Dialog Advanced Property Editor. Er stellt drei Register zur Verfügung, über die man HTML-Attribute, Stileinstellungen und auch JavaScript-Ereignisse definieren kann. Über das Register JavaScript Events kann man beispielsweise die typischen MouseOver-Effekte realisieren.
Fügt man ein Bild in ein Dokument ein, so bestimmt man im zugehörigen Dialog Image Properties die Eigenschaften wie Speicherort, alternativer Text, Ausdehnung, Erscheinungsform und Link. Über die rechte Maustaste kann man die Eigenschaften bequem wieder aufrufen und bearbeiten.
Nach der Auswahl des Formularfeldtyps öffnet sich der Dialog mit den zugehörigen Eigenschaften. Je nach Typ kann man dort etwa Werte, Methoden, Text etc. angeben. Bei allen Formularfeldereigenschaften stehen wieder die erweiterten Eigenschaften zur Verfügung, die wir bereits oben kennen gelernt haben.

Das Bearbeiten einer Tabelle
Erweiterte Funktionen
Zu den erweiterten Funktionen gehört die Funktion HTML-Validierung, die über das Menü Tools verfügbar ist. Sie erlaubt die Überprüfung des Codes einer Entwicklung. In der ersten Version produziert diese Funktion allerdings noch überwiegend Fehlermeldungen.
Ein echtes Highlight ist der CCS-Editor CaScadeS, den man schon von Mozilla-Projekt kennt. Auch er ist über das Menü Tools verfügbar. Startet man den Editor bei einem geöffneten HTML-Dokument, das ein internes oder auch ein externes Stylesheet verwendet, so liest der Webeditor automatisch die dort hinterlegten Formatierungen ein.
Eine weitere Besonderheit ist die Table of Content-Funktion. Sie ist über das Menü Insert -> Table of Contents verfügbar. Auch die Druckfunktion von Nvu kann sich sehen lassen. Wie man es von Linux-Desktop-Applikationen kennt, kann eine Ausgabe nicht nur auf einem Drucker erfolgen, sondern können Inhalte als PS-/PDF-Dateien ausgegeben werden.
Nvu (Deutsche Version) macht Lust auf mehr. Auch wenn der Editor längst nicht mit Dreamweaver & Co. konkurrieren kann, so sind doch beachtliche Ansätze zu sehen. Bleibt zu hoffen, dass die Weiterentwicklung von Nvu in großen Schritten vorangeht.
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