Fotografie

Naturfotografie: Mit 10 einfachen Schritten zum perfekten Foto

2. Mai 2013
von

Was macht einen großartigen Fotografen aus? Worin unterscheiden sich die lediglich guten von den wirklich talentierten? Spontan mag einem da vieles einfallen. Sicherlich sind die Motivwahl, das Licht, die Stimmung und auch einfach nur der Moment bestimmende Faktoren, wenn es darum geht, fantastische Fotos zu schießen. Ich behaupte jedoch, dass es da noch einen weit wichtigeren Aspekt gibt, einen, der all das bereits genannte umschließt und in der Kombination den Unterschied macht. Ich rede von der Kunst der Komposition. Komposition, das künstlerische Arrangieren und Platzieren von visuellen Elementen ein und desselben Bildes innerhalb seiner sichtbaren Grenzen, ist die wichtigste, gleichzeitig aber auch schwierigste Anforderung an einen großartigen Fotografen.

In meinem Ebook Visual Flow: Mastering the Art of Composition stelle ich viele Methoden und Techniken vor, die die wahren Meister der Malerei (und der Fotografie) schon seit Jahrhunderten beherrschen. Das Buch ist sehr ausführlich mit seinen fast 300 Seiten, weshalb ich mich bemüht habe, die wesentlichen Konzepte auf den Umfang eines Artikels einzudampfen. Die folgenden 10 Techniken halte ich für die wichtigsten auf dem Weg zum perfekten Foto. Beachten Sie diese, werden Ihre Bilder unter Garantie nicht schlechter werden.

1. Lerne, abstrakt zu denken

Der bekannte Fotograf Minor White sagte einmal: “Beim Fotografieren von Objekten, sollte man den Fokus nicht darauf legen, zu zeigen, was sie sind, sondern darauf, was sie sein könnten”. White meinte damit, dass Fotografen lernen sollten, Bildkomposition abstrakt zu durchdenken. Versuchen Sie die Objekte Ihrer Szenerie nicht im Wortsinne zu sehen, also denken Sie über Wasserfälle, Berge, Bäume und so weiter nicht als solche nach, sondern sehen Sie sie vielmehr als Formen, Räume, Perspektiven oder Farben. Dieser Vorgang ist ein wichtiger erster Schritt. Wenn es Ihnen gelingt, Elemente Ihres Bildes abstrakt zu betrachten, dann sind Sie bereit für weitere, fortgeschrittenere Kompositions-Techniken.

Light-is-Life

2. Beweg Dich

Ansel Adams pflegte zu sagen: “Ein guter Fotograf weiß stets, wo er zu stehen hat.” Das sorgfältige Betrachten eines Motivs ist der sicherste Weg, das besondere, originelle Element darin zu finden. Für ein bisschen Neugierde muss man bisweilen lange Wege gehen. Wenn Sie sich aber Fragen wie "Wie wird die Aussicht wohl von dem kleinen Hügel da drüben aus aussehen?" nicht stellen, dann begrenzen Sie sich auf die gängigsten Aufnahmen, solche, die vermutlich Dutzende vor Ihnen schon gemacht haben. Um einzigartige und beachtenswerte Aufnahmen zu machen, kommen Sie nicht umhin, sich zu bewegen. Sie müssen mit unterschiedlichen Winkeln, Positionen und Abständen experimentieren. Nur dann besteht die Chance, etwas Außergewöhnliches zu erschaffen.

Eternal-Mirror

3. Verwende vorhandene starke Strukturen für gelungene Kompositionen

Einfache Formen, wie Dreiecke, Kreise, Linien, Zick-Zack-Muster, erregen Aufmerksamkeit. Dabei entstehen simple, aber eindrückliche Kompositionen. Sie können sogar gezielt nach Formen suchen, um die gesamte Komposition darauf zu basieren. In anderen Fällen können Formen aber auch lediglich den Hintergrund für noch komplexere Kompositionen bilden.

Shadows-and-Sand

4. Erzeuge Tiefe in deinen Fotos

Um den Betrachter regelrecht ins Bild zu saugen, bietet sich die Manipulation der relativen Größe eines Objekts an. Eine bekannte Technik, das zu erreichen, nennt sich "Forced Perspective". Bei dieser Technik sorgt man mit fotografischen Mitteln dafür, dass ein Element des Bildes weitaus prominenter erscheint, als es tatsächlich ist. Man kann dies sehr gut erreichen, indem man ein nahe gelegenes Objekt des Bildes mit einer Weitwinkel-Linse fokussiert. So erscheint das Objekt weit größer und visuell bedeutsamer als die entfernter gelegenen Bildteile, die sich erst entfalten, wenn der Betrachter den Blick von dem ersten Blickfang weg bewegt. Mit "Forced Perspective" lassen sich sehr dynamische Verbindungen zwischen nahen und entfernt gelegenen Bildobjekten herstellen.

Kaleidoscope

5. Leite die Aufmerksamkeit des Betrachters

Natürliche Leitelemente sind ebenfalls sehr hilfreich, wenn es darum geht, den Betrachter stärker in das Bild einzubinden. Linien, die sich vom Vordergrund in den Hintergrund hinein erstrecken sind dabei besonders wirkungsvoll. Auch andere Elemente sind geeignet, etwa sich durch das Bild schlängelnde Flussläufe oder Berglinien mit klaren Kontrasten. Die besten Fotos dieser Art erlauben das Eintauchen von nah nach fern und zurück oder von oben nach unten oder beides.

Into-the-West-Away

6. Wiederkehrende Muster erregen Aufmerksamkeit

Die Menschen werden von Mustern automatisch angezogen. Wiederkehrende Formen und Farben können verwendet werden, um den Betrachter von einem Bildelement zum nächsten zu leiten.

Reaching-for-Light

7. Nutze leere Flächen als Widerpart

Verlassen Sie sich nicht nur auf Objekte bei der Erstellung aussagefähiger Kompositionen. Freie Flächen sind mindestens genau so gut geeignet. So könnte man etwa einen schönen Kontrast konstruieren, indem man auf der einen Seite des Bildes Objekte und auf der anderen Seite nur freie Fläche, etwa blauen Himmel, platzierte.

Desert-Dream

8. Nutze natürliche Rahmen für die zentralen Objekte

Der Einsatz natürlicher Rahmen sorgt für Tiefe und Fokus, vereinfacht aber auch die Komposition an sich. Typische Beispiele für natürliche Rahmen sind Bäume, Felsbögen oder alte Scheunenfenster. Häufig wirkt der Effekt am besten, wenn zwischen dem Rahmen und dem sonstigen Bildinhalt starke Kontraste vorherrschen, etwa wenn verschattete Bäume die von der Sonne hell erleuchtete Bergspitze rahmen.

Desert-Window

9. Sorge für Bewegung im Auge des Betrachters

Wollen Sie sehr dynamische Kompositionen erschaffen, sorgen Sie dafür, dass der Betrachter gleich mehrere interessante Punkte im Bild findet. Dabei sind Gegensätzlichkeiten sehr nützlich, denn diese erzeugen Energie. Achten Sie auf Linien oder Formen, die sich in unterschiedliche Richtungen bewegen und versuchen Sie daraus eine ausgewogene Komposition zu kreieren.

Devils-Eye

10. Schaffe einen logischen Startpunkt für die visuelle Reise des Betrachters

Indem Sie dem Betrachter einen ganz offensichtlichen Einstiegspunkt anbieten, helfen Sie diesen nicht nur, das Bild strukturiert zuu erschließen, sondern Sie bringen auch Ordnung in eine ansonsten möglicherweise chaotische Szenerie. Visuelle Bezugspunkte sind in der Regel sehr einfache, aber häufig gerade deswegen überraschende und beeindruckende Elemente im Vorder- oder Hintergrund eines Bildes. Die besten Vertreter ihrer Art schaffen es, das Auge des Betrachters immer wieder anzuziehen, so dass es kaum gelingt, den Blick vom Foto abzuwenden.

Patience-and-Persistence

Damit komme ich zum Ende. Natürlich konnte ich in diesem Artikel nur einige ganz grundlegende Tipps zum Thema Bildkomposition geben. Wenn Sie sich wesentlich intensiver damit befassen wollen, empfehle ich Ihnen den Kauf meines Ebooks Visual Flow: Mastering the Art of Composition. Wenn Sie sich für grundlegende Tipps und Techniken zur Naturfotografie interessieren, empfehle ich Ihnen mein kostenloses Ebook 20 Indispensable Photo Tips.

Über den Autor

Ian Plant ist Berufsfotograf, Autor und Abenteurer. Fotografisch konzentriert er sich auf die Natur, allen voran Landschaften. Er ist regelmäßiger Autor für das Outdoor Photographer Magazine, Redakteur beim Popular Photography Magazine, Kolumnist für das Landscape Photography Magazine und ein Tamron Sponsored Pro. Außerdem erstellte er bereits eine ganze Reihe von Fachbüchern und Video-Tutorials. Wenn Sie mehr über ihn und seine Arbeit erfahren wollen, besuchen Sie ihn daheim auf http://www.ianplant.com.

Unter der Bezeichnung "Redaktion Dr. Web" finden Sie Beiträge, die von mehreren Autorinnen und Autoren kollaborativ erstellt wurden. Auch Beiträgen von Gastautoren sind hier zu finden. Beachten Sie dann bitte die zusätzliche Autorenangabe im Beitrag selbst.

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5 Kommentare zu „Naturfotografie: Mit 10 einfachen Schritten zum perfekten Foto
  1. Markus Seyfferth am 2. Mai 2013 um 15:50

    toll, äußerst eindrucksvoll ! :)

  2. Mari am 2. Mai 2013 um 21:32

    Vielen dank für den tollen Beitrag und die unglaublich schönen Fotos …
    Mari

  3. Mein Tegernsee am 2. Mai 2013 um 23:29

    Wow, klasse Beitrag. Man lernt eben nie aus.

  4. fotografen-welt am 7. Mai 2013 um 00:37

    Auf das Wesentliche und den Punkt gebracht und dazu noch sehr gut geschrieben, kompliment!

    Nicht zu vergessen: 1.Weniger ist mehr. 2.Einfach ist gut. 3.Herausforderungen schaffen, jeden Tag! 4. Vergleichen frisst die Seele.
    Grüße aus dem schönen Köln,
    dirk

  5. Domenick Schruff am 21. Dezember 2013 um 13:34

    Ich bin beeindruckt! Klasse Bilder.. und ein toll geschriebener Artikel.
    Weiter so!

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