Nach Gold schürfen: Domainnamen erfinden

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Es ist wie bei der Suche nach Gold. Riesige Mengen loses Gestein müssen für einige wenige Gramm gesiebt und gewaschen werden, während Andere einfach nur Glück haben und die Nuggets nur aufheben müssen. Auch auf der Suche nach dem perfekten Domainnamen ist Glück ein seltener Begleiter. Kreativität kann harte Arbeit sein. Wir zeigen wie es geht.

1. Claim abstecken
Eine zumindest vage Idee sollte schon vorhanden sein. Wird ein Name für ein schon geplantes oder gar vorhandenes Projekt gesucht, ist die Sache klar. Was die Sache aber nicht unbedingt einfacher macht. Geht es nur um Namen an sich, etwa um damit zu handeln, macht es Sinn sich auf ein Gebiet, ein Thema zu konzentrieren.

2. Material heranschaffen
Auch wenn allein die Deutsche Sprache über mehrere Hunderttausend oder sogar Millionen Wörter verfügt, der Durchschnittsmensch verwendet nur einige Tausend davon aktiv, auch wenn er meisten Wörter wohl versteht. Weil das so ist, ist der Griff zum Wörterbuch, Duden oder Lexikon ein Muss. Auch Fremdsprachen dürfen mit einbezogen werden. Englisch steht hier natürlich an erster Stelle. Solch ein Wörterbuch muss man natürlich nicht Seiten für Seite lesen, es genügt darin zu blättern.

Unterhaltsamer ist ein Brainstorming, das Sie mit Kollegen oder Bekannten veranstalten können. In entspannter Runde darf jeder seine Ideen zum Besten geben. Die wichtigste Regel dabei, jeder Vorschlag ist erlaubt; diskutiert oder verworfen wird erst einmal nichts. Stattdessen wird jeder auch noch, sei er auch noch so banal oder noch so ungewöhnlich. Jeder Vorschlag wird festgehalten und erst später auf seine Tauglichkeit geprüft.

Konkret: Wer einen Versandservice für Schnittblumen starten will und einen Namen sucht, dem wird gewiss mehr als nur “Blumen” dazu einfallen:

Blumen
Pflanzen
Garten
Grün
Rosen
Gewächse
Blüten

Das ist erst die halbe Miete. Diese Begriffe lassen sich mit weiteren kombinieren, erst auf diese Weise wird ein richtiger Name daraus. Denn eines weiß man sicher: blumen.de ist als Domainname sicher nicht verfügbar. Außerdem ist eine solche nackte, generische Form denkbar ungeeignet für eine Marke. Versuchen wir es einmal so:

Traum
Himmel
Paradies
Freude

Daraus ergeben sich schon einige brauchbare und wohlklingende Namen, die sicherlich gut dem angedachten Zweck dienen könnten.

blumentraum.de
rosentraum.de
rosenhimmel.de
bluetentraum.de
gartenfreude.de
blumenparadie.de

Zahlreiche Domainnamen verwenden Präfixe. Die Zahl möglicher Namen wird so nochmals vergrößert.

i = Internet
e = elektronisch
v = virtuell
u = “dein” (you)
my = “mein”

Da es sich um durchwegs englische Präfixe handelt, ist die Kombination mit einem Deutschen Begriff wenig elegant und gilt als schlechter Stil:

e-blumen.de
v-blumen.de
my-garten.de
i-rosen.de

Das klingt nicht wirklich gut. Rein Englisch wird es besser:

roses4u.de
i-flowers.com
iflowers.com
e-flowers.com
eflowers.com
v-roses.com
vflowers.com
flowers4u.com
my-plants.com

Ausgeschrieben könnte man etwas wie

virtual-roses.de

versuchen

Auch die Zahl 24 wird gern verwendet. Dienstleistungen sind 24 Stunden rund um die Uhr abrufbar, so die mitgelieferte Botschaft. Die “4″ hingegen dient als Abkürzung für das Englische “for” (=für).

blumen24.de
blumen-24.de
24blumen.de
24-blumen.de

4flowers.com
4-flowers.com

Gleiches gilt für Begriffe wie Web, Online, Markt, Free, Shop, World, Netz und viele andere. Sie sind häufiger Bestandteil von Domainnamen. So lassen sich schnell recht viele brauchbare Kombinationen erzeugen:

blumenweb.de
blumenmarkt.de
rosenmarkt.de
blumenworld.de
blumennetz.de
rosennetz.de
blumenshop.de

So einleuchtend das auf den ersten Blick sein mag. Diesen Namen fehlt es an Originalität. Verwechslungsgefahr im Meer ähnlich klingender Namen besteht durchaus. Sehr wahrscheinlich ist es zudem, dass sich Wettbewerber ähnliche Namen bereits gesichert haben.

Kunstworte bieten hier mehr Sicherheit. Worte, die es nachweislich gar nicht gibt, sind nicht mit der Konkurrenz zu assoziieren, aber eben auch nicht mit Produkten oder Tätigkeiten. Vorerst einmal nicht, denn genau das erfolgt durch den Aufbau einer Marke. Aus der Sicht eines Verkäufers können solche Domainnamen aber sehr wohl Sinn machen, schließlich sind sie als Passepartout vielfältig einsetzbar. Bleibt nur die Frage, wem man sie anbieten möchte, da eine Zuordnung kaum möglich ist. Auch in Suchmaschinen wird niemand außer dem Erfinder nach nicht vorhandenen Worten fahnden.

Dazwischen liegen Kunstbegriffe, die aus Abkürzungen entstanden sind:

roshop.de statt rosenshop.de
blula.de statt blumenladen.de

3. Auswaschen
Einige Hundert Vorschläge und Ideen kommen schnell zusammen. Aber damit ist noch nichts gewonnen. Das größte Problem liegt in der Verfügbarkeit der Namen. Um diese abzuklopfen, kommt uns eine Software entgegen. WhoIs ULTRA ist in der Lage Listen zu verarbeiten. Man muss also nicht jeden potenziellen Domainnamen manuell in eine Abfragemaske eintippen. Also, alle Vorschläge in einer Text Datei sammeln, mit den gewünschten Domain Endungen versehen und das Programm starten. WhoIs ULTRA kann recht flott mehrere Hundert Namen prüfen und so feststellen, ob diese bereits registriert wurden. Das Programm ist kostenlos. Download – Windows – 250KB.

Screenshot
Massenabfrage

Was übrig bleibt muss eingehenden Prüfungen unterzogen werden. Auch markenrechtliche Fragen dürfen nicht außer Acht gelassen werden. Das jedoch ist ein anderes Thema.

Anmerkungen:

  • Umlaute und Sonderzeichen sind zwar prinzipiell auch verfügbar, sie sind jedoch mit technischen Problemen behaftet und sollten deshalb nicht gewählt werden. Sie eigenen sich nur für eventuelle Zusatzdomainen.
  • Die Zahl der möglichen Endungen ist in den vergangengen Jahren enorm gewachsen. Hier haben sich zahlreiche neue Möglichkeiten ergeben.
  • Die hier verwendeten Beispiele haben wir nicht auf Verfügbarkeit geprüft. Sie dienen lediglich dem Zwecke der Demonstration.

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Über Sven Lennartz

Sven ist der Erfinder des Dr. Web Magazins, Autor und Herausgeber verschiedener Fachbücher. Als Webdesigner und Texter früher freiberuflich für verschiedene Unternehmen und Verlage tätig. Jetzt Geschäftsführer der Smashing Media GmbH.

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