Fast jeder kennt MyHammer, das Auftragsvermittlungsportal für Handwerker und Dienstleister, aus der Fernsehwerbung oder einschlägigen TV-Reportagen. Dort sehen Sie vor allem Handwerker im Einsatz. Aber auch für Sie als Webworker können diese Plattformen nützlich sein. Allerdings sollten Sie dabei einiges beachten.
Der Vorteil bei einem großen Auftrags-Portal liegt auf der Hand. In der Regel trifft der potentielle Auftragnehmer dort auf echte Interessenten, die gerade einen aktuellen Bedarf haben. Die Nutzung solcher Portale kann dem Webworker mit kleiner Agentur oder dem Freiberufler, der als Einzelkämpfer unterwegs ist, helfen, Auftragslücken zu schließen. Die Akquise fällt über ein solches Portal leichter, schließlich minimiert sich das für viele Webworker lästige Klinkenputzen.
Hauptsache billig?
Durch die verschärfte Konkurrenzsituation in den Auftrags-Portalen kann leicht der Gedanke aufkommen: „Wenn ich nur billig genug anbiete, bekomme ich den Auftrag“. Dies ist aber nicht richtig. Es gibt einen vielleicht geringen, aber durchaus vorhandenen Prozentsatz von Auftraggebern, die sich ein möglichst gutes Preis-Leistungsverhältnis wünschen und lieber den passend erscheinenden Auftragnehmer beauftragen. Es lohnt sich also, Ihre Vorzüge herauszustellen, warum Sie gerade für die Abwicklung dieses Auftrags besonders geeignet sind. Kalkulieren Sie auf jeden Fall realistisch. Das gewährleistet Ihre gute Arbeitsleistung, eine gute Bewertung durch den Auftraggeber und damit eine höhere Chance auf weitere Aufträge.
Keine Makler oder Vermittler
Wichtig bei der Nutzung von Auftrags-Plattformen: Es handelt sich ausschließlich um technische Dienstleister. Die Meldung über das System “Sie haben einen Auftrag” ist im Zweifel nicht rechtsverbindlich. Deshalb sollten Sie nach Auftragserteilung über ein Auftragsportal immer darauf achten dem Auftragnehmer die eigenen Auftrags- und Vertragsbedingungen schriftlich zu übermitteln und gegenzeichnen zu lassen. Erst damit ist nachweislich der Vertrag mit dem Auftraggeber zustande gekommen. Mit dieser Methode können Sie auch noch einmal klar Ihre Leistungen definieren. Je nach Portal ist das in der Angebotsphase allein aus Platzgründen kaum möglich. Sollte Aufträge nicht zustande kommen, haben Sie kein Recht auf Erstattung der entstandenen Nutzungsgebühr.
Vorauszahlung verlangen
Absolut zu empfehlen ist es, bei Aufträgen über Auftrags-Portale von den Auftraggebern einen Teil der Auftragssumme als Vorauszahlung zu verlangen. Dies sollten Sie als Auftragnehmer direkt in Ihr Angebot aufnehmen. Ein Auftraggeber, der noch nicht einmal die Teilzahlung vor Beginn der Arbeiten zahlen will, wird sicherlich auch nicht zahlen, wenn die Arbeit komplett erledigt ist. Um also den Schaden für Sie als Webworker zu minimieren – lediglich die Nutzungs-Gebühren müssen Sie abschreiben – sollten Sie über diese Methode die Ernsthaftigkeit des Auftraggebers prüfen.
Kosten und Nutzen: MyHammer
Bei MyHammer ist die Anmeldung für Auftraggeber und Auftragnehmer kostenlos. Bei Auftragserteilung werden als Nutzungsgebühr 4 % vom Auftragswert zzgl. MwSt. fällig. MyHammer berechnet diesen Betrag für die reine Anbahnung und den Tausch der Adressen von Auftragnehmer und Auftraggeber nach Auftragserteilung. Ob dann der Auftrag tatsächlich zustande kommt, ob der Auftraggeber tatsächlich bezahlt, interessiert MyHammer nicht, da ja lediglich die technische Dienstleistung zur Verfügung gestellt wurde. Möchte ein Auftragnehmer den Auftraggeber noch in der Angebotsphase für telefonische Nachfragen kontaktieren, kostet dieser Austausch von Kontaktdaten einen Obolus. Je nach Angebotsbetrag gestaffelt ab ca. 1,30 €. Die Nutzungsgebühren bei MyHammer sind – wenn Aufträge erteilt werden – nicht unerheblich. Allerdings finden Sie bei MyHammer durch die große Bekanntheit der Plattform eine große Masse an Anfragen vor und die Chance, einige lukrative Aufträge zu ergattern, ist recht hoch.
Kosten und Nutzen: Blauarbeit
Etwas anders sieht es bei dem Portal Blauarbeit aus. Dort wird über eine monatliche Gebühr abgerechnet, die je nach gewählten Zugang für Basic 24,99 € oder für Premium 39,99 € kostet. Einen freien Zugang mit eingeschränkter Funktionalität ist ebenfalls möglich. Es sind dann nicht alle Anfragen sichtbar, weil der Auftraggeber einschränken kann, nur Anbieter mit Gewerbenachweis zuzulassen. Der wird aber erst bei einem kostenpflichtigen Zugang bearbeitet. Außerdem ist die Gebotsabgabe auf 5 Gebote pro Tag limitiert. Für die Auftragserteilung werden keine weiteren Gebühren erhoben. Ein kleiner Nachteil ist, dass “blauarbeit.de” noch nicht so sehr bekannt ist. Was bedeutet, dass die kritische Masse an potentiellen Aufträgen für Webworker derzeit eher klein ist. Es ist natürlich ein Rechenexempel: Ein mittlerer Auftrag pro Monat würde die monatliche Gebühr rechtfertigen. Am besten testen Sie das Portal zunächst über den freien Zugang.
Kosten und Nutzen: Projektwerk
Das Portal Projektwerk existiert bereits seit 1999 und richtet sich vor allem an IT-Berater, IT-Entwickler und Programmierer (Java, SAP-Lösungen, Lotus und ähnliche) und deren Auftraggeber. Projektangebote für Webdesigner sind eher dünn gesät. Auch hier wird eine monatliche Gebühr erhoben, die je nach Vertragsdauer zwischen 25 und 35 € liegt. Bei Projektwerk gibt es auch die Möglichkeit, sich als Anbieter über eine Anzeige bekannt zu machen. Diese wird dann per News-System an alle Abonnenten versandt. Zum Kennenlernen und Ausprobieren bietet auch Projektwerk einen freien Account an.
Kosten und Nutzen: Joomlajobs
Für alle Webworker, die sich auf das CMS “Joomla” spezialisiert haben, gibt es das Portal Jommlajobs, das sich aus dem Joomlaforum entwickelt hat. Außer Anfragen für die Websiteerstellung mit Joomla und der Erstellung von Joomla-Templates sind auch einige wenige Anfragen zu anderen CMS wie Typo 3, Webedition oder zu Programmierung in PHP & MySQL, HTML & CSS und Ajax & Javascript sowie zu Grafik/Design, SEO und Consulting zu finden. Getreu dem Open-Source-Grundsatz ist auch dieses Geschäftsanbahnungs-Portal für Auftraggeber und Auftragnehmer kostenlos. Nachteil ist hier die Spezialisierung und eine relativ geringe Auftragsdichte.
Fazit
Aus eigener Erfahrung mit Geschäftsanbahnung über Online-Portale kann ich sagen, bis zu 20 % der Auftraggeber sind “faule Eier”, die es sich anders überlegen, die doch kein Geld haben oder, aus welchen Gründen auch immer, nie wieder von sich hören lassen, nachdem sie den Auftrag erteilt haben. Dies ist immer ärgerlich, aber natürlich vor allem dann, wenn bereits Nutzungsgebühren für den konkreten Auftrag geflossen sind, wie es bei MyHammer der Fall ist. Am besten probieren Sie als Webworker mehrere Portale aus und schauen, womit Sie sich am wohlsten fühlen. Der bekannte Branchenprimus “MyHammer” bringt Masse, verlangt aber auch relativ hohe Nutzungsgebühren – ohne Auftragsgarantien. Man bekommt sein Geld nicht etwa zurück, weil der Auftraggeber sich nicht mehr meldet. Andere Portale verlangen eine längere Bindung mit monatlicher Fixgebühr – ebenfalls ohne Abschlussgarantie. Am risikofreisten sind selbstverständlich kostenlose Plattformen, die aber eher wenig Auftraggeber anlocken.
Tipps
- Mailbenachrichtigung anhand von Suchroutinen nutzen
- Schnelle Reaktion lohnt sich – täglich etwa eine Stunde ins Angeboteabgeben investieren
- Aufträge trotz so genannter “Auftrags-Erteilung” über das Portal schriftlich fixieren
- Abschlagszahlung bei Auftragserteilung vereinbaren
- Mit unzuverlässigen Auftraggebern und “Spaßauftraggebern” rechnen ™
Ruth Schilling
ist Fachautorin in den Bereichen Marketing, Werbung, Verkauf, Internet und Mitinhaberin der Agentur taula communication, calden.






Hallo,
für das CMS Drupal gibt es auch eine Job-Projekt. Zu finden unter: http://www.drupal-jobs.de/
Scheint sich in Luft aufgelöst zu haben, zumindest landet man auf einer anderen Seite. Wer Aufträge zu vergeben hat, der ist wohl im Drupalcenter.de ( der wohl größten und aktivsten deutschsprachigen Drupal Community ) gut aufgehoben.
Die dortige Jobabteilung -> http://www.drupalcenter.de/drupal-jobs
[...] sich ab und zu einen Spaß daraus macht, Aufträge bei Auftragsbörsen wie MyHammer und anderen zu verfolgen, stellt höchst erstaunt fest, dass die Selbstausbeutung von Freiberuflern [...]
Die Angebote auf myhammer sind ein witz – kein mensch der steuern und versicherung zahlt kann zu so einem Preis anbieten.
Da gebe ich Dir allerdings recht! Ich habe über myhammer Dumping auch schon einen Blogartikel verfasst.