Mit QR-Codes das mobile Web entdecken

Werbung

Wer sich in den letzten Monaten Werbemittel und Zeitungen genauer angesehen hat, wird sie vielleicht schon bemerkt haben: QR-Codes. Dabei handelt es sich um quadratische, zweidimensionale Codes, mit denen kurze Informationen, in der Regel in Textform, über ein Mobiltelefon mit Kamerafunktion gelesen und dargestellt und aufgerufen werden können. Besonderer Vorteil: Umständliches Eintippen von URLs oder Telefonnummern entfällt.

Was sind QR-Codes?

QR-Codes kommen aus Japan. QR steht für „Quick Response“ und erklärt schon ziemlich gut, was diese Codes machen und können. Sie ermöglichen es, schnell auf bestimmte Informationen zu reagieren.

In Japan gibt es QR-Codes bereits viele Jahre und sie haben sich zu einer nicht mehr wegzudenkenden Kommunikationsform etabliert. Entwickelt wurden sie 1994 ursprünglich für Produktionsprozesse in der Autoindustrie. Schnell haben sie ihren Weg in die Welt des Web 2.0 gefunden und machen sich nun allmählich auf den Weg, sich auch in Europa und Amerika zu verbreiten.

Zwei QR-Codes mit demselben kodierten Text, aber unterschiedlicher Fehlerkorrektur (links Level L, rechts Level H)

Zwei QR-Codes mit demselben kodierten Text, aber unterschiedlicher Fehlerkorrektur (links Level L, rechts Level H)

Ein QR-Code besteht aus quadratischen Punkten, die einen kodierten Text darstellen. Spezielle Markierungen innerhalb des Codes geben die Orientierung des Codes vor, so dass dieser immer richtig gelesen werden kann – egal, ob der Code um 90 oder 180 Grad gedreht ist. Es ist also völlig egal, wie ich mein Mobiltelefon halte, um den Code einzulesen. Des Weiteren werden bestimmte Bereiche des Codes zur Speicherung von Hinweisen zur verwendeten Version und zum verwendeten Format des QR-Codes genutzt.

Die kodierten Daten sind redundant im QR-Code abgespeichert. Selbst wenn bis zu 30 Prozent des Codes zerstört sind, kann der QR-Code noch richtig interpretiert werden. Gerade für den Einsatz in der Außenwerbung ist das von Vorteil, wenn zum Beispiel Plakate durch Wind und Wetter in Mitleidenschaft gezogen wurden.

QR-Codes gibt es in verschiedenen Größen beziehungsweise Kapazitäten. Der kleinste Code besteht aus 21 mal 21 Elementen (Version 1 genannt) und kann bis zu 25 alphanumerische Zeichen speichern. Der größte Code besteht aus 177 mal 177 Elementen (Version 40) und kann bis zu 4.296 Zeichen speichern.

Dazwischen gibt es weitere Versionen mit unterschiedlicher Speicherkapazität. Neben der Kapazität können vier verschiedene Grade der Fehlerkorrektur eingebaut werden. Der kleinste Grad (Level L) erlaubt es, dass bis zu 7 Prozent des Codes zerstört sein dürfen, um den Inhalt korrekt dekodieren und wiedergeben zu können, der größte Grad (Level H) erlaubt eine Zerstörung von bis zu 30 Prozent. Je höher der Grad, desto komplexer wird der Code.

Bei sehr komplexen QR-Codes sollte man vorher gut testen, ob diese noch gelesen werden können. Je nach Aufnahmequalität der Kamera kann es vorkommen, dass sehr komplexe QR-Codes gar nicht oder erst nach einigen Versuchen eingelesen werden können. In jedem Fall ist ein guter Kontrast zwischen QR-Code und Hintergrund von Vorteil sowie genügend Freifläche rund um den QR-Code.

Wie kann ich QR-Codes lesen?

Voraussetzung zum Einscannen von QR-Codes ist ein Mobiltelefon mit eingebauter Kamera. Darüber hinaus wird eine Software benötigt, mit der man den QR-Code lesen und dekodieren kann. Software gibt es mittlerweile von verschiedenen Herstellern sowohl für Telefone, auf der sich Java-Software starten lässt als auch für Smartphones (z. B. für Windows Mobile). Es ist davon auszugehen, dass neuere Smartphones diese Software von Hause aus installiert haben werden.

Ist die Software installiert und gestartet, muss die Kamera nur noch auf den QR-Code gehalten werden. Sobald der Code erkannt und gelesen wurde, stellt die Software die dekodierte Information dar. Dabei erkennt die Software, ob es sich bei der Information um einen einfachen Text handelt oder um einen Link zu einer Website, einer E-Mail-Adresse, einer Mobilfunknummer oder einer vCard.

Bei einfachem Text wird dieser dargestellt. In allen anderen Fällen bietet die Software an, den Link aufzurufen, eine E-Mail oder eine SMS zu senden oder die vCard als Kontakt darzustellen.

Bekannte Anwendungen zum Einlesen von QR-Codes sind der „Kaywa Reader“ (erhältich für Java- und Symbian-Telefone) und der „QuickMark Barcode Reader“ (erhältlich für Symbian- und Windows-Mobile-Telefone) sowie der „i-nigma Reader“. Eine genaue Übersicht der unterstützten Geräte gibt es auf den Websites der Software-Anbieter. Die Software ist in der Regel kostenlos erhältlich und einfach zu installieren.

Wie kann ich QR-Codes erstellen?

Im Internet gibt es mittlerweile zahlreiche Websites, die das Erstellen von QR-Codes anbieten. Über ein einfaches Formular lässt sich der zu kodierende Text übertragen. Der QR-Code wird dann als Grafik dargestellt und lässt sich herunterladen. Auch Kaywa bietet einen QR-Code-Generator an, der allerdings laut Angaben des Anbieters nur für nicht-kommerzielle Zwecke genutzt werden darf. Inwieweit der Anbieter die rechtmäßige Nutzung des Generators, der ohne Anmeldung nutzbar ist, feststellen will, bleibt unklar.

Mittlerweile findet man jedoch auch bei Google Code eine API zum Generieren von QR-Codes. Zwar ist das Erstellen der Codes hier nicht einfach über ein Formular möglich, sondern über eine Parameterübergabe in der URL, dafür lassen sich aber allerlei Einstellungen – zum Beispiel für der Grad der Fehlerkorrektur und die Zeichenkodierung (UTF-8 oder ISO-8859-1 ) – vornehmen. Man kann also wirklich alle Möglichkeiten des QR-Codes ausschöpfen, was bei den meisten anderen fertigen Generatoren nicht der Fall ist.

Wer kein entsprechendes Mobiltelefon besitzt und dennoch QR-Codes für eigene Werbemittel einsetzen will, kann seine QR-Codes auch online testen. Mit dem Zxing Decoder lassen sich QR-Codes hochladen und online dekodieren.

Aufgrund der redundanten Speicherung der Informationen im QR-Code ist es möglich, in den Code ein Foto einzubauen. Aufgrund der Redundanz lässt sich der Code dennoch lesen. Natürlich sollte man im Vorfeld testen, ob der Code tatsächlich noch lesbar ist.

Verfremdeter, aber dennoch lesbarer QR-Code

Verfremdeter, aber dennoch lesbarer QR-Code

Wie verbreitet sind QR-Codes?

In Japan wird mittlerweile kein Mobiltelefon ohne QR-Code-Software verkauft. In den meisten Werbeanwendungen werden die Codes ganz selbstverständlich eingesetzt. In Deutschland werden QR-Codes von der Zeitung „Welt kompakt“ sowie vom Computermagazin „Chip“ eingesetzt.

Was muss ich sonst noch wissen?

Die japanische Firma Denso, die den QR-Code entwickelt hat, besitzt ein Patent auf die Technik, gestattet jedoch jedem, diese Technik – auch für kommerzielle Zwecke – kostenfrei einzusetzen. Selbst die japanische Regierung nutzt mittlerweile QR-Codes. Man findet sie zum Beispiel auf den Visa der japanischen Einwanderungsbehörde.

Der QR-Code ist seit dem Jahr 2000 offizieller ISO-Standard (ISO/IEC18004).

Neben den „normalen“ QR-Codes gibt es auch noch sogenannte Micro-QR-Codes, die deutlich kleiner sind und nur bis zu 13 alphanumerische Zeichen speichern können. Das reicht im günstigsten Fall für eine Domain.

Weitere Beiträge:

Über Denis Potschien

Seit 2005 arbeitet Denis als freier Grafik- und Webdesigner.

, ,

13 Kommentare zu Mit QR-Codes das mobile Web entdecken

  1. Alexander Walther 18. Februar 2010 at 09:47 #

    Die Fehlerkorrektur kann man auch zweckentfremden, um einige Bits zu ersetzen – z.B. durch ein Logo.

    http://whomwah.com/2008/03/12/more-fun-with-qr-codes-and-the-bbc-logo/

  2. Michael 18. Februar 2010 at 15:19 #

    Microsoft eigene Alternative
    http://www.microsoft.com/tag/

    Die Idee des QR-Codes finde ich ansich sehr gut, aber leider lässt die Verbreitung/Bekanntheit/Aktzeptanz in Europe noch sehr zu wünschen übrig…

    lg

  3. Manuel2 18. Februar 2010 at 18:03 #

    Ich habe vor kurzem erst ein Script angepasst um es mit einer php-lib zu nutzen.

    Jetzt war ich um so erfreuter zu hören das
    1. eine google API exisiert, die einen Text codiert,
    und
    2. es jetzt ein tool online gibt, mit dem man diese codes auch decodieren kann, bzw. können soll.

    Denn zumindest die Angabe einer BildURL bei Zxing Decoder blieb ohne Erfolg.
    Bleibt mir jetzt nur, ein wenig mit der google API rumzuspielen.

    Danke dafür!
    Gruß, Manuel

  4. Jannik 18. Februar 2010 at 22:14 #

    @2: Nunja, die Idee ist jetzt nicht besonders originell, es ist einfach ein zweidimensionaler Barcode…

  5. stefan 19. Februar 2010 at 07:45 #

    Hi,

    in diesem Blog gibt es allerlei Hintergrund Informationen über Mobile Tagging und die QR-Code Nutzung in Deutschland:
    http://www.tagmotion.de

    Und hier gibt es auch ne API, die auch Text und anderes kodieren kann.
    http://www.tagsolute.de/developer/uebersicht.html

    Und hier kann man siehe, wie QR-Codes und Datamatrix Codes gestaltet werden können:
    http://www.tagfun.de

    Viel Spaß, Stefan

  6. Bastian 19. Februar 2010 at 16:46 #

    Zwischenfrage:

    Benutzt CHIP QR-Codes überhaupt noch seit der letzten Umgestaltung in 2/2010? Ich habe keine mehr wahrgenommen, mag mich aber auch täuschen.

  7. deweso 19. Februar 2010 at 18:25 #

    Interessanter Artikel, mal sehen wie ich das nutzen werden. Leider gab es für mein Nokia keine Software von Nokia selber, aber der 3. Hersteller funktioniert hervorragend.

  8. bobby.tables 22. Februar 2010 at 12:40 #

    @deweso: unter http://mobilecodes.nokia.com/scan.htm gibt es nen original Nokia-Reader. Der funktioniert zumindest auf meinem N97 hervorragend.

  9. Thomas 23. Februar 2010 at 12:50 #

    Eine interessante Anwendung für QR Codes sind auch die QRVCards. Dabei wird eine VCard als QR Code verschlüsselt. Druckt man sich diese nun z.B. auf die Rückseite einer Visitenkarte kann ein Geschäftspartner mit zwei Klicks (einer um dass Foto zu machen und einer um den Eintrag in die Kontakte zu bestätigen) die Kontaktdaten in sein Handy übertragen. Wer exhibitionistisch veranlagt ist kann sich den Code auch auf sein T-Shirt drucken. Mit QRVCards.com lassen sich die passenden Codes einfach erzeugen.

  10. sari 26. Februar 2010 at 13:54 #

    @Thomas: geniale Idee mit den T-Shirts. Wie wär’s mit einer “QR-Code Single Party”?! So sieht Daten in der Zukunft aus:)

  11. Marvin 2. März 2010 at 17:07 #

    Mobile Tagging ist keinesfalls mehr auf Japan beschränkt. In Deutschland setzt sich die Technologie mit zunehmendem Tempo durch. Wir berichten seit längerem über alle Aktivitäten rund um QR-Codes und Mobile Tagging:

    http://mobile-tagging.blogspot.com

    Die Einsatzgebiete sind extrem vielfältig, was die Codes so spannend macht.

    Gruß
    Marvin

Trackbacks

  1. uberVU - social comments - 18. Februar 2010

    Social comments and analytics for this post…

    This post was mentioned on Twitter by midide: RT @drwebmagazin Mit Quick-Response-Codes das mobile Web entdecken – .

  2. QR-Codes - 7. Mai 2010

    [...] Tools ich hab mal Kaywa benutzt, welches ich bei Dr. Web gefunden hab – dort gibts auch noch mehr Infos zu den QR-Codes. Das ganze soll angeblich auch schon auf Plakaten im Einsatz sein (hab ich aber [...]

Hinterlasse eine Antwort

Bitte bei weiteren Kommentaren per Email benarichtigen! Auch möglich: Abo ohne Kommentar.

Spam protection by WP Captcha-Free