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Maxthon 3: Der Browser mit der besten HTML5-Unterstützung?

31. Mai 2012
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Das asiatische Softwarehaus Maxthon Inc präsentiert sich gern als Vorreiter der weltweiten Browsertechnologie. Aktuell rühmt man sich mit einem Score von 437 aus 500 Punkten im HTML5-Test der gleichnamigen Website, Dr. Web berichtete. Über 600 Millionen Mal soll Maxthon bereits heruntergeladen worden sein, mehr als 130 Millionen Nutzer weltweit sollen Maxthon verwenden. Grund genug, das Wunderkind näher zu betrachten.

Maxthon 3: Webkit statt IE und umgekehrt

Maxthon wurde Anfang der Nullerjahre unter dem Namen MyIE2 bekannt. Zu diesem Zeitpunkt war der Browser lediglich ein Wrapper für die darunterliegende Installation eines Internet Explorer. Der Hersteller brachte der Engine keine neuen Funktionalitäten, legte jedoch Komfortfunktionen rund um die UI vor. Seit 2004 hört der ehemalige MyIE2 auf den Namen Maxthon. Erst in der Version 3, die seit 2009 entwickelt wird, besann sich Maxthon Inc einer wohl erfolgversprechenderen Strategie.

Zusätzlich zum IE-Core, der heute als “Retro-Mode” immer noch Bestandteil des Maxthon ist, implementierte man den beliebten Webkit-Core und nannte ihn kurzerhand Ultra-Mode. Nach eigenen Angaben wechselt Maxthon automatisch zwischen den beiden Modi, sollte eine Website etwa explizit den Retro-Mode erforderlich machen, demnach also für den IE entwickelt sein. Mit der Webkit-Implementation stiegen Maxthons Chancen auf Kompatibilität zum kommenden Standard HTML5 dramatisch, was das Unternehmen seither marketing-taktisch auszuschlachten versucht.

Maxthon 3: Höchste, derzeit am Markt zu findende HTML5-Kompatibilität

In der Tat zeigt HTML5-Test aktuell für Maxthon den höchsten Kompatibilitätswert aller Browser an. Mit 437 Punkten setzt sich Maxthon an die Spitze und lässt alle anderen populären Browser hinter sich. Auf Platz 2 folgen die Nightly-Versionen des Chrome, bekannt unter dem Namen Canary, mit 410 Punkten. Chrome Final steht mit 400 Punkten auf Platz 3.

Schaut man sich gezielt an, in welchen Bereichen Maxthon die Konkurrenz abhängt, wird deutlich, dass es sich im Wesentlichen um Einzelfunktionalitäten im Rahmen der Unterstützung von HTML5-Formularen handelt. Bei der Gelegenheit stellt man auch schnell fest, dass Chrome Canary Maxthon in diesem Bereich hart auf den Fersen ist. Für Standardanwendungen lässt sich aus dem höheren Score des Maxthon keine Relevanz ableiten. Aber auch Hardcore-Verfechter von HTML5-Formularen können mit den Aussagen aus dem HTML5-Test nicht viel anfangen, denn alle Formular-Feldtypen, in denen sich Maxthon vom Chrome absetzt, werden nur partiell unterstützt. So erreicht Maxthon zwar einen höheren Score, aber keine höhere Qualität.

Wichtiger für die Entwicklung moderner Webapps wäre die Unterstützung der Shared Workers in JavaScript. Mittels Shared Workers ist es, stark vereinfacht ausgedrückt, möglich, von einem JavaScript aus mit anderen Scripten zu interagieren, sie sogar zu steuern. Dem Worker im Singular ist dieses nur innerhalb des gleichen Scripts möglich. Eben diese Shared Worker unterstützt Maxthon nicht, Chrome und Canary allerdings schon.

Im Ergebnis sollte man also dem Testergebnis keine allzu große Bedeutung beimessen. Um Maxthon nicht kleiner zu reden als er ist, sei gern noch darauf hingewiesen, dass der IE selbst in seiner Inkarnation als Version 9 lediglich 138 Punkte im Score erzielt, in der Version 10 immer noch nur bescheidene 316.

Wer Maxthon nun gern selbst testen möchte, kann das tun, solange er/sie über einen Computer verfügt, der vom OS aus Redmond angetrieben wird. Maxthon gibt es nämlich nur für Windows, was angesichts des IE-Core mehr als naheliegend ist. Mit den mobilen Maxthon-Versionen werde ich mich in den kommenden Tagen in einem separaten Beitrag beschäftigen.

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit fast 30 Jahren in der IT daheim. Seit 2008 schreibt er für Dr. Web, seit 2012 ist er Chefredakteur des Magazins. Man findet ihn auch auf Twitter und Facebook, aktiver ist er allerdings auf Google+.

2 Kommentare zu „Maxthon 3: Der Browser mit der besten HTML5-Unterstützung?
  1. graf gerd aus delmenhorst am 6. Juli 2012 um 19:46

    Hi,

    der Browser ist auf den ersten Blick

    echt gut. Auf jedenfall viel stabiler

    als der Googles Chrome-Browser.

    Doch beide Browser sind recht

    systemlastig, da sie neue Tabs, die

    innerhalb eines Browserfensters

    geöffnet werden jeweils als weiteres

    Programm öffnen.

    Das sieht man spätestens, wenn man

    mal den Taskmanager aufruft.

    Maxthon schneidet auf jeden Fall sehr

    viel besser ab als Google Chrome.

    Etwas weniger systemlastig, viel

    weniger Abstürze und Maxthon verträgt

    auch wesentlich mehr geöffnete Tabs.

    Google Chrome ist in diesem Sinne

    wohl kaum Recherchetauglich. Echt

    schade und vollkommen überbewertet.

    Die Geschwidigkeit von Google Chrome

    kommt daher, dass für fast jeden Tab

    in Hintergrund ein neues Programm

    gestartet wird – Maxthon macht das

    leider ähnlich, aber besser.

    Beispiel: Ruft unter Windows einfach

    mal den Taskmanager auf und schaut

    wie oft Google Chrome, aber leider

    auch Maxthon, noch geöffnet sind,

    obwohl ihr das Programm längst

    geschlossen habt.

    Warum das so ist, darüber möchte ich

    nicht spekulieren.

    Fakt ist beide Browser und hierbei

    ganz besonders Google Chrome,

    erwecken bei mir das Gefühl, das nach

    den Stuhlgang zumindest das Spülen

    vergessen worden ist.

    Also in Verkaufssprache: Ich bin

    schnell -nach mir die Sintflut.

    Da reicht zwar für die PR-Abteilung,

    aber das war`s dann auch für den

    Google Browser.

    Maxthon kann da schon etwas mehr und

    ist als Zweitbrowser durchaus

    tauglich.

    Google Chrome ist in Sachen

    Stabilität und Belastbarkeit eine

    reine Katastrophe, aber durchaus

    geeignet für User, die maximal 3 Tabs

    nutzen.

    So sehe ich das hier in Delmenhorst

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