Massenweise MySQL - Verwaltungstools
Es ist noch nicht solange her, da gab es von "MySQL AB", dem Hersteller des beliebten Datenbanksystems keine brauchbare Verwaltungslösung mit grafischer Oberfläche. Ich kann mich noch sehr gut an meine - vor allem dank dieses Umstands - schmerzhaften, ersten Schritte in MySQL erinnern. Vermutlich vornehmlich aus dem eigenen Leiden heraus, begannen viele Programmierer, aber auch ganze Softwarehäuser, eben diese Verwaltungs-GUI in unterschiedlichster Ausprägung nachzurüsten. Auch zum jetzigen Zeitpunkt gibt es gute Gründe, eine der Alternativen zu nutzen, obschon MySQL AB mittlerweile eine vernünftige eigene Lösung vorgelegt hat. Folgend liste ich ein gerüttelt Maß an kostenlosen MySQL-Tools auf...

Offline-Tools
Offline-Tools verfügen über den Vorteil, den Feature-Reichtum handhabbarer zu gestalten, als dies bei einem Online-Tool auf dem Stand der aktuellen Web-Technik möglich wäre. Immerhin sind SQL-Verwaltungsaufgaben stets solche, die umfassenden Dateizugriff benötigen. Hier die Besten:
- MySQL Administrator, sowie weitere GUI-Tools: Das Original aus dem Hause "MySQL AB" ist verfügbar für die Betriebssysteme Windows, Mac OS und diverse Linux-Derivate. Die GUI-Tools sind kostenfrei erhältlich.

- YourSQL: Ein Verwaltungsprogramm für das Mac OS. Es läuft sowohl auf der PPC- wie auch auf der Intel-Plattform. Allerdings hat der Entwickler seine Tätigkeiten weitestgehend eingestellt. Zur Zeit ist es dennoch (noch) ein Tipp.
- SQLYog Community Edition: Der kleine Bruder des kommerziellen "SQLYog" reicht für die Standardverwaltungsaufgaben völlig aus und steht kostenfrei zum Download bereit. Die Bezahlvariante bietet für einen Preis ab $79 Komfortfunktionen wie einen visuellen Queryeditor, umfangreiche Migrationtools, Codecompletion, sichere Verbindungsmöglichkeiten per Tunneling oder SSH sowie Backups nach Zeitplan und weitere Kleinigkeiten.
- Navicat: Auch das flexible Navicat gibt es für die Betriebssysteme Windows, Mac OS (Universal Bindary) und Linux, sowie Solaris. Die kostenfreie Variante dieses Tools hört auf den Namen Navicat Lite. Navicat Lite darf nur nicht-kommerziell genutzt werden. Für Navicat spricht, dass es in verschiedenen Sprachen, darunter Deutsch vorliegt. Navicat Lite verfügt über eine große und leidenschaftliche Anhängerschar. Der Hersteller empfiehlt, zunächst die 30-Tage-Testversion des Vollproduktes zu installieren, wenn man die Lite-Variante nutzen will. Honi soit..
- Access To MySQL: ATM nimmt sich eines sicherlich häufigen Tasks im Arbeitsablauf eines Web-Entwicklers an, der Konvertierung einer Access-Datenbank nach MySQL bis zur Version 5. Die Konvertierung findet Assistenten gesteuert statt, Fehler sind nahezu ausgeschlossen. Zwar kann man von Access nach MySQL auch mittels des Migration Tools aus den GUI-Tools von MySQL AB kommen, allerdings ist der Weg über ATM gerade für weniger geübte Migranten weniger holprig.
- HoneyMonitor: Ein rein für Windows-Systeme entwickeltes System, dessen Free-Komponente nur einen kleinen Teil dessen abbildet, was HoneyMonitor eigentlich ist. Wie der Name schon sagt, geht es bei HoneyMonitor hauptsächlich um das laufende Monitoring stark beanspruchter Datenbankserver. Zielgruppe ist der hauptamtliche Datenbankadministrator. Dennoch gehört der HoneyMonitor Free in diese Übersicht, da er ebenso kostenfrei Basis-Verwaltungsaufgaben unterstützt. Die Vollversionen beginnen bei Preisen ab €129.
- HeidiSQL: Ein Verwaltungstool (Donationware), das es als Windows und als Java-Variante (jHeidi) gibt. Obschon es sehr schlank ist, beinhaltet es Funktionalitäten wie Code-Completion und DB-Synchronisierung sowie einen visuellen Query-Editor, die sich andere Anbieter teils teuer bezahlen lassen.
- EMS SQL Manager for MySQL Freeware: Dieses Windows-Produkt setzt der Autor ein. Nicht, weil es wesentlich feature-reicher als vergleichbare kostenlose Produkte wäre, sondern lediglich wegen des Ease Of Use. Ich empfinde das Bedienkonzept als relativ intuitiv und so kann ich, selbst wenn die letzte Verwendung einmal einige Wochen her gewesen sein sollte, stets problemlos die Aufgaben erledigen, die ich jeweils zu erledigen beabsichtige. Die Vollversion mit weiteren Features wie Visual Queryeditor et cetera kostet ab rund €100 bei nicht-kommerzieller Nutzung, sonst gut 60 Euro mehr. Schon die Freeware unterstützt MySQL bis zur Version 6.
- Nerocode MySQL Client Free Edition : Ein Freeware-Client, der nicht mehr über den Hersteller bezogen werden kann. Dort findet man lediglich das kommerzielle Produkt "SQLwave". Zum Glück gibt es Download.com. NMC ist eine Windows-Anwendung und unterstützt MySQL bis 5.04. Tabellennamen, die mit Großbuchstaben beginnen, werden von NMC nicht erkannt. Dies beiseite gelassen, lobt die Internetgemeinde vor allem die Einfachheit der Bedienung.
- DreamCoder for MySQL Free Edition: DC steht für die Windows-Plattform bereit. Im Vergleich zu anderen Tools kann DC funktional in der Free-Version nicht mithalten. So ist nicht einmal ein simpler Import vorhandener Tabellendaten möglich. In der kostenpflichtigen Variante ab $80 hingegen findet sich wieder ein zeitgemäßes Featureset.
- DBManager Freeware for MySQL: Dieses englischsprachige Tool für die Windows-Plattform unterstützt MySQL 3 bis 5 und darf in der Freeware-Version nur für nicht-kommerzielle Zwecke verwendet werden. DBManager wird seit langer Zeit entwickelt. Entsprechend ausgereift ist es. Kommerzielle Nutzer greifen zur rund 70 USD teuren Pro Enterprise Verson, die allerdings ebenfalls noch nicht MySQL 6 unterstützt. Dabei fällt mir auf, dass die Innovationsgeschwindigkeit bei DBTools etwas gelitten zu haben scheint (siehe latest news ).
- FreeMyCon: Auch dieses Windowstool hat eine lange Entwicklungsgeschichte. Bereits seit rund 10 Jahren schraubt der Hersteller "Scibit" an MySQL-Clientsoftware herum. Man rühmt sich damit, in FreeMyCon etliche Features zu bieten, die es so bei keinem anderen Produkt geben soll. Für mich ist FreeMyCon aus dem Raster gefallen, als ich der Feature-Matrix entnahm, dass schon das simple Create Table nicht unterstützt wird. Dafür ist es in der Lage, etliche Formate bereits in der Free-Version zu importieren, so zum Beispiel Excel. Da der Downloadlink reichlich versteckt ist: Klick hier, lädt FreeMyCon herunter.
- MyDB Studio: MyDB Studio (MDS) ist der Maulheld unter den freien MySQL-Tools. Momentan wird auf der Website eine AIR-Version der Software angekündigt. Die letzte Ankündigung indes datierte aus Ende 2006 und kündigte das baldige Erscheinen einer neuen Version an. Keine weiteren News seither. Angenommen, die AIR-Anwendung kommt tatsächlich, dürfte MDS in kürzester Zeit eine erkleckliche Anhängerschar aufbauen. Denn in der Tat bietet MDS ein nahezu vollständiges Featureset für Noppes. SSH-Tunneling, Database-Synchronization, PHP-Support und einige andere, bei anderen kostenpflichtige Funktionalitäten. Und mit AIR wäre auch der Schritt Cross-Plattform gegangen, während die aktuelle Version nur unter Windows läuft.
- Oracle SQL Developer: Eigentlich gebundelt mit Oracles eigener Datenbanklösung ist der SQL Developer auch einzeln und noch dazu kostenlos erhältlich. Durch die Unterstützung etlicher Datenbanksysteme eignet er sich besonders für Admins in heterogenen Umgebungen Er liegt in Versionen für Windows, Linux (RPM) und Mac OS vor.
- Sequel Pro (SP): SP ist die optisch eleganteste Lösung, wenn man Mac OS X-Anwender ist. Es kommt im Leopard-Look daher und bietet die Standardverwaltungsfunktionalitäten lückenlos und mängelfrei. Da es zudem völlig kostenfrei ist, spricht für den Mac-Anwender im Grunde nichts gegen diese Software. Für Verwender eines älteren Mac OS X steht nach wie vor der Vorgänger CocoaMySQL auf derselben Seite zum Download bereit.
- Toad for MySQL Freeware: Toad ist ein System, das ausschließlich für Windowsrechner verfügbar ist und für volle Funktionalität das .NET-Framework 3.0 benötigt. Damit ist es erst ab Windows XP und jünger lauffähig. Unter Verzicht auf Funktionsteile reicht .NET 2.0, welches es auch für Win2K gibt. Toad ist englischsprachig und erinnert optisch eher an eine Programmierumgebung wie das Visual Studio oder Eclipse, was Programmierern entgegenkommen, Gelegenheitsadmins die Sache aber nicht unbedingt erleichtern wird. Toad gibt es in verschiedenen Geschmacksrichtungen. Zur Zeit werden neben MySQL noch DB2, Oracle und MS SQL unterstützt.
Online-Tools
Auch, wenn jetzt der geneigte Leser sicherlich spontan an phpMyAdmin denkt und damit treffend den absoluten Platzhirschen unter den MySQL-Onlinetools identifiziert hat, sollte er nicht den Fehler machen und den Fall damit für erledigt erklären. Auch neben PMA gibt es bemerkenswerte Tools für verschiedene Aufgaben. Hier die Besten:
- phpMyAdmin (PMA): Natürlich darf in dieser Übersicht das populäre Datenbankverwaltungssystem PMA nicht fehlen. Da es von allen mir bekannten Hostingprovidern standardmäßig installiert und als Verwaltungslösung für MySQL-Datenbanken vorgehalten wird, dürfte es sich um das meist verwendete Tool überhaupt handeln. Nicht einmal die professionellen Offline-Tools werden über eine ähnlich große Nutzerbasis verfügen. PMA kann im Grunde alles, bis auf einige wenige Kleinigkeiten, die aber wiederum nur wenige Admins benötigen. Durch die Omnipotenz ergibt sich eine Funktionsvielfalt, die gerade für Einsteiger nur schwer zu beherrschen ist. Allerdings ist die Dokumentation äußerst umfassend und die Community sehr rege. PMA liegt in 55 Sprachen vor und unterstützt MySQL bis zur jeweils aktuellsten Version.
- phpMyIDE (PMI): PMI versteht sich als Ergänzung zu PMA und fokussiert sich aus diesem Grunde auf diejenigen Bereiche, in denen PMA nicht zu glänzen vermag. PMI will der Platzhirsch werden in Sachen Stored Procedures, Stored Functions und Triggers. Leider ist das Projekt nach einem ersten Kickstart im Mai/Juni dieses Jahres aktuell nicht mehr sehr rege. Dennoch ist PMI derzeit noch einen Blick wert, wenn man Bedarf an den genannten Funktionalitäten hat.
- SQL Buddy (SB): SB ist ein direkter Wettbewerber zu PMA und sieht auch so aus. Das relativ kleine Entwicklerteam macht einen ambitionierten Eindruck und hat das Projekt kürzlich zu Google Code umgezogen. Mittlerweile liegt SB in 12 Sprachen vor, unterstützt auch SQLite und sieht durch den Einsatz jeder Menge AJAX deutlich angenehmer aus als der Platzhirsch PMA. Funktional reicht SB noch nicht an den großen Bruder heran. Die Professionalität der Herangehensweise der Entwickler lässt jedoch hoffen.
- WWW SQL Designer (WSD): WSD muss man gesehen haben, um es verstehen zu können. WSD ist eine auf eigenem Webspace zu installierende Onlineanwendung auf der Basis von PHP und JS, die visuelles Datenbankdesign ermöglicht. Relationen werden grafisch dargestellt, Tabellen und Felder können angelegt, gelöscht und editiert werden. WSD kümmert sich um alle Tasks, die erforderlich sind, um ein relationales Datenbanksystem sinnvoll zu designen. Der Entwickler ist fleißig und hat soeben die Version 2.3 veröffentlicht. Dieser fügte er PostgreSQL-Support hinzu. SQLite und MySQL konnte WSD schon vorher.
- MySQL Sidu (MSS): Sidu steht für "Select Insert Delete Update" und beschreibt insofern ganz gut den Funktionsumfang des Tools. MSS soll in der Endausbaustufe Werkzeugen wie PMA und SQLyog den Rang ablaufen. Bislang leistet es das mindestens optisch. Der Funktionsumfang wird dem Standardadmin absolut ausreichen. MSS ist unbestreitbar optisch angenehm und entspricht im Look & Feel der Ubuntu-GUI. Derzeit liegt es in den Sprachversionen Englisch, Italienisch und Chinesisch vor, benötigt einen Webserver mit Apache und PHP und wird nur noch spärlich fort entwickelt. Nach Aussage des Entwicklers liegt das an der Reife des Produkts.
- phpMySQLConsole (PMC): Das ist das real thing! PMC ist eine Konsolen-Anwendung für den echten Puristen. Realisiert mit PHP und JS und installiert auf dem eigenen Webspace kann man aus einem Browser-Fenster heraus Konsolenbefehle auf seine Datenbanken abfeuern. Gut für GUI-Hasser, die keinen Shell-Zugang zu ihrem Datenbankserver haben.
- mysqldumper (MSD): MSD ist im Grunde ein Spezialwerkzeug zum Sichern großer Datenbanken unter Umgehung des Laufzeitlimits bei Scripts. MSD arbeitet in Tranchen. Es sichert Teile der DB, merkt sich wie weit es gekommen ist und startet sich an dieser Stelle neu. So spielt Scriptlaufzeit keine Rolle mehr. In gleicher Weise funktioniert das Zurücksichern. Nach eigenen Angaben ist selbst das Handling von mehreren GB großen Datebanken kein Problem. Um das Endsichern großer DBs zu erleichtern, kann MSD Multipart-Backups erstellen, die man leichter auf CD oder andere Medien verteilen kann. Und als die Programmierer ohnehin so am programmieren ware, haben sie auch noch eine Verwaltungslösung für kleinere Datenbankänderungen implementiert. MSD liegt in allen europäischen Sprachen vor, Hauptsprachen, auch auf der Website, sind deutsch und englisch, was dem weniger polyglotten Landsmann sicherlich den Einstieg erleichtern dürfte.
- BigDump (BD): BD erledigt nur eine einzige Aufgabe, nämlich den Import sehr großer SQL-Dumps in eine MySQL-Datenbank. Wer also lediglich Probleme hat, seine Riesenbackups wieder hoch zu laden, ansonsten aber mit seiner bisherigen Lösung völlig zufrieden ist, sollte sich BD einmal ansehen. Immerhin ist der Installationsaufwand äußerst gering, BD besteht aus einer einzigen PHP-Datei. (tm)









