E-Mail

Mailversender im Überblick: mailjet, sendgrid, mailgun & Co.

9. Juli 2013
von

Ob das Passwort vergessen, eine neue Antwort im Forum geschrieben oder eine Bestellung im Online-Shop abgeschickt wurde - fast immer schickt die verwendete Software auf der Internetseite eine kleine E-Mail. Transaktionsbasierte E-Mails nennt das der Fachmann. Bisher mussten die eigenen E-Mail-Server die Flut der ausgehenden Nachrichten verarbeiten. Seit geraumer Zeit drängen spezialisierte Anbieter in den Markt, die alles besser machen wollen.

mailbox-640

Sie heißen mailjet, sendgrid, mailgun, madrill oder postmark. Und oberflächlich betrachtet, sind sich alle Dienste sehr ähnlich. Einmal angemeldet können über das SMTP-Protokoll oder eine eigene API Mails aus Applikationen beliebig verschickt werden. Dazu bieten alle Anbieter eine Palette an vorgefertigten Paketen für diverse Programmiersprachen und Plugins für ausgewählte Softwareprodukte an. So homogen der Markt jedoch anfangs erscheint, desto genauer lohnt sich ein Blick hinter die diversen Dienste. Die Unterschiede stecken im Detail.

Mailversand: keine Raketenwissenschaft

Eigentlich braucht es für eine E-Mail nicht viel. Jeder noch so schlechte Webspace kann fast unendlich viele Nachrichten mit diversen Adressen über eingebaute Funktionen verschicken. Genau das hat dazu geführt, dass Mailprovider aufgerüstet haben. Moderne Spamfilter schlucken neben den schlechten Nachrichten jedoch auch gerne einmal Transaktions-Mails. Ärgerlich, wenn das Passwort oder die Bestellbestätigung im Filter landet. Nicht weniger schlimm ist es indes, als Anbieter vom Nutzeraufkommen überrollt zu werden und durch einen wild gewordenen E-Mail-Server den Versand zu gefährden. Externe Transaktions-Mailer nehmen einem die Arbeit von den notwendigen Ressourcen bis hin zu umfangreichen Sicherheitsstandards wie SPF oder DKIM ab. So kommt für einen Bruchteil eines Cents die Nachricht auch wirklich beim Empfänger an.

mailjet

Dienste im Überblick

Im laufenden Boom der Spezialisierung im Web haben sich einige Anbieter gegründet, die ausschließlich den Versand von E-Mails übernehmen. Der Markt ist nicht unendlich groß, aber für solch eine augenscheinlich einfache Aufgabe immens.

sendgrid – der amerikanische Platzhirsch

Wenn von Transaktions-Mails gesprochen wird, darf sendgrid nicht fehlen, ist vielfach sogar die erste Assoziation. Der amerikanische Dienst ist der Marktführer und selbst mit einem Büro in Frankfurt vertreten. Über sendgrid versenden auch die ganz großen Akteure im Markt eine große Anzahl von Nachrichten. 

sendgrid-640

Vorteil: Hier kümmern sich viele Menschen den ganzen Tag nur um Transaktions-Nachrichten. Mehr Kompetenz ist kaum möglich.

mailjet – der europäische Mitbewerber

Innovative StartUPs müssen nicht aus Amerika kommen. Mitten in Frankreich wurde mailjet gegründet und bietet gerade auf dem europäischen Markt dem Platzhirschen sendgrid zunehmend Konkurrenz.

mailjet-640

Vorteil: Hier kommen die Nachrichten aus Europa, was gerade hinsichtlich des Datenschutzes einige Probleme beseitigt.

mandrill – der Newsletter-Ableger

Irgendetwas mit Affen – da gibt es nicht viel in der Web-Branche. Mit mandrill hat der Branchenriese bei den Newsletter, MailChimp, den Markt der Transaktions-Mailer angegriffen.

mandrill-640

Vorteil: Mit der gleichen Technik werden Abermillionen Newsletter pro Tag verschickt.

mailgun – die Lösung vom großen Anbieter

E-Mails können wir auch, dachten sich die Macher von Rackspace und gründeten mailgun.

mailgun-640

Vorteil: Hier steckt eine Firma dahinter, die im Markt sehr bekannt ist und sich im Bereich Hosting guter Reputation erfreut.

postmark – der kleine Akteur

Etwas familiärer geht es beim amerikanischen Startup postmark zu. Der Dienst wird eher von kleineren Akteuren im Markt verwendet. 

postmark-640

Vorteil: Die Administrationsoberfläche ist auch für unerfahrene Anwender gut geeignet.

Mehrwert für Verwender: Marketingunterstützung durch Trackingfunktionen

Auch wenn der zuverlässige Versand von E-Mail zweifelsfrei das Hauptaugenmerk aller Dienste bildet, ist dort noch lange kein Ende erreicht. Allein ein zuverlässiges Bounce-Handling erweist sich als echter Mehrwert, um herauszufinden, von welchem Empfänger die E-Mail als unzustellbar zurück kam. 

Auf Wunsch versehen die meisten Anbieter jede ausgehende E-Mail außerdem mit einer kleinen Funktion, die viel über die Nutzer preisgeben kann. Wer hat wann und wo mit welchem Betriebssystem und welchem Browser welche E-Mail geöffnet – in interaktiven Grafiken wird dargestellt, was lange verborgen war. Zumindest, wenn das E-Mail-Programm keine externen Grafiken blockiert. Das sind wichtige Daten für das Marketing, begründen aber auch ein potentielles Datenschutzproblem.

shadows-of-byod

Einige Anbieter gehen noch einen Schritt weiter und verarbeiten eingehende E-Mails. Einmal im Nameserver eingetragen, werden E-Mails nach definierbaren Kriterien aufbereitet und per Push an den eigenen Server gesendet. Wirklich praktisch und mit Möglichkeiten, die es früher einfach nicht gab.

mailjet-stats

Maildienstleister: Welchen soll ich nehmen?

Es gibt nicht DEN richtigen Anbieter. Alle Akteure im Markt versenden zuverlässig E-Mails – zu durchaus vergleichbaren Preisen und mit ganz ähnlichen Programmierschnittstellen. SMTP als universelle Schnittstelle funktioniert ohnehin bei jedem Anbieter. 

Unterschiede existieren in den Oberflächen und den Zusatzangeboten. Mein Favorit nach einigen Tests ist der französische Anbieter mailjet. Als einziger europäischer Anbieter in unserer Übersicht sind Datenschutzprobleme schon einmal ausgeräumt. Außerdem verfügt mailjet über eine sehr übersichtliche Weboberfläche mit zahlreichen Zusatzfunktionen rund um die Zustellsicherheit – ein stimmiges Gesamtpaket.

Wer darüber hinaus eingehende E-Mails verarbeiten möchte, ist beim größten Anbieter sendgrid richtig aufgehoben. Insgesamt ist der Markt momentan sehr breit besetzt – ein Trend, der sich zum Vorteil der großen Anbieter wohl nicht mehr lange fortsetzen wird. So lohnt es sich schon heute, nicht unbedingt auf den kleinsten Anbieter zu setzen.

(dpe)

arbeitet als Kommunikationsberater für IT-Unternehmen und bloggt gerne über Webtechnologien.

Tags: , , , ,

5 Kommentare zu „Mailversender im Überblick: mailjet, sendgrid, mailgun & Co.
  1. Marvin am 9. Juli 2013 um 13:45

    Meine Kundendaten möchte ich nicht an “Mailversender” weitergeben, egal wie seriös die aussehen möchten. Der Mehrwert wäre also wirklich nur Bounce-Handling und Tracking?

  2. Mütercim am 9. Juli 2013 um 21:16

    Mir war nich bewusst, dass externe Mailserver von Nöten wären, da die bisherigen Dienst vollkommen ausreichten. Mich würde interessieren, für welche Zielgruppen solche Dienste interessant sind…

  3. Elie am 10. Juli 2013 um 11:05

    Thanks for this article :)

    2 Genauigkeiten:

    - Mailjet is a real all in one solution: same prices for transactional or marketing emails

    - We don’t have any server in the US! http://blog.mailjet.com/post/52791848963/why-mailjets-email-delivery-service-is-not-concerned

  4. Oliver am 15. Juli 2013 um 13:46

    Ich habe mir mailjet auch mal näher angeschaut und bin alles andere als begeistert.

    Zunächst einmal fing es damit an, dass die Bestätigungsmail von denen bei mir im Spam-Ordner gelandet ist. Dann erhalte ich nach der Registrierung die Meldung “Es scheint als liegt ein Provisioning-Problem mit Ihrem Konto vor!” und ich soll mich doch an den Support wenden. Dann habe ich keine Möglichkeit meinen Account zu löschen oder darauf zuzugreifen. Nach dem Logout hat mich dann ein 500er angelächelt.

    Und bei denen soll ich jetzt meine ganzen Mailadressen hinterlegen?! Nein, danke!

  5. mauritius am 24. Juni 2014 um 17:41

    Gibt es denn keinen einzigen deutschen Anbieter? Oder nur keinen großen? Es ist wichtig, vor allem keine US Server einzusetzen, und hosted in Germany spielt eine große Rolle bei unseren Kunden.. Aber wir finden keinen deutschen ESP…

Ein Kommentar? Schön!

Wir freuen uns immer über Leser, die durch nützliche und konstruktive Beiträge zum Thema eine Diskussion anstoßen oder den Artikel mit weiteren Informationen anreichern. Alle Kommentare werden in diesem Sinne moderiert. Zum Kommentar-Fairplay gehört für uns auch der Einsatz von rel="nofollow". Bitte verwenden Sie zudem als Namen weder eine Domain noch ein spamverdächtiges Wort. Vielen Dank!