Linux

Linux Mint 13 RC1: Der Ubuntu-Herausforderer geht in die nächste Runde

18. Mai 2012
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Dieser Tage gab das Mint-Team den RC1 des kommenden Linux Mint 13, Codename Maya, zum Download frei. Linux Mint ist der aufgehende Stern am Himmel der Linux-Desktops und führt seit einigen Monaten das Page-Hit-Ranking auf DistroWatch mit größer werdendem Abstand zu Ubuntu klar an. Dabei basiert Mint auf der jeweils aktuellen Ubuntu-Version. Das Mint-Team verfolgt jedoch einen etwas anderen Ansatz als Canonical mit seinem Ubuntu-OS.

Linux Mint 13: Der Kampf um den perfekten Desktop

Canonical versucht, Ubuntu zum Linux-System für jedermann zu machen und geht dabei den Weg strikter Vereinfachungen und Standardisierungen. So wurde zuletzt die Einführung der Eigenentwicklung Unity als Standard-UI in Abkehr vom bislang präferierten Gnome-Desktop von Powerusern als so radikal empfunden, dass es zu einer immerhin wahrnehmbaren Abwanderungswelle innerhalb dieser Zielgruppe hin zu Mint gekommen war.

Linux Mint greift diese und andere Entwicklungen auf und setzt ihnen Varianten entgegen. So blieb Mint beispielsweise bis zur Version 12, Codename Lisa, bei Gnome als Standarddesktop. In der Version Mint 12 versuchte das Team den Spagat, ein Gnome 3 mit MGSE und via MATE gemeinsam mit Elementen aus Gnome 2 zu verwenden. So wollte Mint Nutzern die Wahl lassen und das nicht nur einmalig während der Installation, sondern auf Dauer während des alltäglichen Gebrauchs des Systems.

Mint konnte und kann weiterhin mit purem Gnome 3.2 als Desktop betrieben werden. Diese Variante dürfte den größten Aufwand an Eingewöhnung für eingefleischte Mint-User sein. Die MGSE (Mint Gnome Shell Extensions) der Version 12 erlaubten es, Gnome 3 so anzupassen, dass es aussah, wie ein Mint-Desktop bislang ausgesehen hat. Insbesondere wurde auf diese Weise wieder eine Taskleiste, sowie ein Startmenü verfügbar gemacht. Dabei musste keine radikale Wahl getroffen werden, vielmehr erlaubten die MGSE eine fast stufenlose Anpassung der Optik zwischen Gnome 3 pur und Mint-Desktop konventionell.

Mit dem zur Version 12 neuen, noch instabilen Produkt MATE sollte es möglich sein, zusätzlich zum Gnome 3 ein Gnome 2 auf demselben Rechner zu betreiben. MATE ist ein Fork des Gnome 2 und soll in der Endausbaustufe die identische Funktionalität bieten. Das Mint-Team sieht in MATE die Zukunft traditioneller Linux-Desktops.

Das Konglomerat aus Gnome 3, MGSE und MATE repräsentierte die größten Änderungen an der 12er Version des Mint Linux. Gleichzeitig handelte es sich um die größten Unterschiede zum zugrundeliegenden Linux Ubuntu.

In der Version 13, Codename Maya, gehen die Mint-Entwickler den eingeschlagenen Weg weiter, entfernen sich dabei aber stärker von Gnome als man das bislang hätte annehmen dürfen. Die Fortführung der Unterstützung der 2er Linie des Gnome übernimmt nun vollständig MATE, dass die Entwickler wenige Monate nach Einführung als stabil und ausgereift sehen. Entsprechend legen sie eine 32bit-, wie auch eine 64bit-Version von Linux Mint 13 MATE vor.

Die Fortführung der Unterstützung der 3er Linie des Gnome-Desktops, die mit dem MGSE-Plugin in Version 12 begonnen hatte, erfolgt jetzt mit einem eigenen Gnome-Fork namens Cinnamon. Zur Begründung heißt es, dass die Architektur des MGSE als Plugin in der Fortentwicklung schnell Grenzen aufgezeigt habe.

Man arbeitet also, Canonical nicht unähnlich, an alternativen Desktop-Lösungen. Ich bin gespannt, ob die Linux-Community, insbesondere deren Kernuser, diesen Weg so mitgehen wollen. Auch Linux Mint 13 Cinnamon kann in einer 32bit-, wie in einer 64bit-Version bezogen werden.

Umsteiger von der Version 12 müssen sich also entscheiden, ob sie künftig auf MATE oder Cinnamon setzen wollen. Natürlich sollte man sich stets vor Augen führen, dass unter Linux die Installation eines alternativen Desktop nur eine Frage der Nutzung entsprechender Repositories ist…

Seit Version 12 verwendet Mint als Standardsuchmaschine Duck Duck Go. Diese Suchmaschine auf Open Source Basis hält sich strikt an das “No Tracking”-Versprechen und dürfte Nutzern aus dem Tor-Umfeld bekannt vorkommen. Mit Version 13 wird zusätzlich Yahoo! vorinstalliert. Auch hier gilt: Die Wahl der Suchmaschine ist im Wesentlichen von der Eingabe einer URL im Browser zu beeinflussen…

Mit dem fertigen Release der zwei Versionen von Mint 13 Maya ist Ende Mai zu rechnen. Maya wird eine LTS-Version sein, der der Support bis April 2017 sicher ist. Die wesentlichen Änderungen stehen bereits via RC1 zur Verfügung. Wer auf Mint 13 umsteigen will, kann das im Prinzip jetzt tun. Änderungen zur Releaseversion werden sich in engen Grenzen halten.

Zum Schluß ein Wort zum DistroWatch-Ranking

DistroWatch, immer wieder gern als Referenz zum Popularitäts-Ranking im Linux-Umfeld verwendet, bietet keine zuverlässige Statistik über die Nutzungsanteile der einzelnen Linux-Distributionen. Vielmehr zählt der Dienst lediglich die Zugriffe auf die bei DistroWatch geführten Informationsseiten zur jeweiligen Distribution. Steigt eine Distribution in diesem Ranking, so heißt das, dass mehr Besucher die Informationsseite auf DistroWatch (!) aufgerufen haben. Nicht mehr und nicht weniger kann man aus diesen Daten lesen.

Bedeutsam indes ist die Entwicklung isoliert betrachtet nicht, denn sie enthält weder Informationen zu den tatsächlichen Marktanteilen, noch zu den Downloadzahlen, noch zur Nutzerbasis. Sie sagt einfach gar nichts brauchbares aus.

Man könnte gewagt interpretieren, dass die Zunahme der Besucher auf der Infoseite zu Linux Mint den Schluss zulässt, dass das OS auf dem aufsteigenden Ast ist. Mit gleicher Berechtigung könnte man jedoch sagen, das gesteigerte Interesse an der Mint-Infoseite liegt an der verstärkten Berichterstattung zum Thema in den letzten Wochen und Monaten und sagt dementsprechend nicht einmal etwas über die Popularität aus.

Zudem ist diese Art der Rudimentärstatistik anfällig für jedwede Art der Manipulation und wenn es nur die einfache Form ist, die darin besteht, Fans zu gewinnen, die regelmäßig die DistroWatch-Infosite aufzurufen bereit sind. Canonical hat bislang nicht versucht, Befürworter auf diese Weise zu erlangen. Canonical ist insgesamt sehr eisern, was den Marktauftritt betrifft. Credo des Gründers und Mäzens Shuttleworth: “If you don’t like it, then don’t use it.”

Schauen wir kurz in eine andere Ecke des Web, rüber zu Facebook. Hier kann die Ubuntu-Fanpage aktuell über 602.000 Fans aufweisen, die Fanpage zu Linux Mint lediglich knappe 22.000, die Fanpage zu Linux Mint als Organisation keine 15.000.

Aber auch diese Zahlen sind für die Beurteilung der Einsortierung in eine Top 5 der Desktop-Linux-Distributionen ähnlich untauglich wie die DistroWatch-Werte…

Am Ende ist das alles egal: If you like Mint, then use it! If you don´t, don´t…

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit fast 30 Jahren in der IT daheim. Seit 2008 schreibt er für Dr. Web, seit 2012 ist er Chefredakteur des Magazins. Man findet ihn auch auf Twitter und Facebook, aktiver ist er allerdings auf Google+.

7 Kommentare zu „Linux Mint 13 RC1: Der Ubuntu-Herausforderer geht in die nächste Runde
  1. Martin Fieber am 18. Mai 2012 um 12:43

    Interessant mal etwas über Mint zu lesen, dies wäre allerdings für mich keine Option da es mich nicht weiter überzeugt. Die “Abwanderungswelle” von Ubuntu wegen der Unity-Oberfläsche ist für mich nicht verständlich, an Neues muss man sich immer wieder gewöhnen. Für mich zählt eher dass das System stabil und sicher läuft, was ich so mit Ubuntu gefunden habe.

    Was nicht heißen soll das andere Distributionen schlechter sind, war nur eine persönliche Meinung :)

    • Stephan am 19. Mai 2012 um 09:45

      Ich weiß auch nicht warum so viele von Ubuntu enttäuscht sind, die Oberfläche Unity ist modern, schnell und aufgeräumt. Inovativ ist sie ebenfalls, was von den alten Schachtelmenüs nicht zu sagen ist. Ubuntu ist das bekannteste und häufigste Linux-BS, das kann keiner leugnen.

    • gnome2fan am 21. Mai 2012 um 13:06

      “… an Neues muss man sich immer wieder gewöhnen.”
      Nein, muss man nicht, schon gar nicht, wenn das Neue die Produktivität behindert. Ich bin offen für Neuerungen und Innovationen – sonst würde ich nicht mit Linux arbeiten. Unity mag für viele Anfänger mit Laptop oder einfachem PC ganz nett sein, spätestens im Mehrmonitor-Betrieb wird die Sache lästig.

  2. Mintkatze am 25. Mai 2012 um 17:29

    @ Dieter Petereit,

    ein wirklich gelungener Artikel übre LinuxMint. Ich persönlich bin schon seit LinuxMint 9 Codename ISadora bei LinuxMint. In Ihrem Artikel stellen Sie die Frage, was denn so viel besser ist an LinuxMint als an Ubuntu?

    Die Antworten sind wirklich einfach:
    Zum Einen ist es wirklich die Stabilität (bei Ubuntu erlebt man immer noch viel zu oft Abstürze und Ikonsistenzen der DE Unity. Zum Zweiten sieht die Gnome-Shell oder auch Unity auf größeren Desktop-Bildschirmen deutlich besser aus (in Bezug auf Darstellung) als die Unity-Oberfläche, die dann einfach unhübsch aussieht.
    Wie gesagt: Unity ist eher war für kleinere Bildschirme (wie z.B. Tablets oder Smartphones), aber eben nicht gut aussehend für Desktop-Bildschirme mit 20 Zoll und mehr und ganz besonders nicht bei den modernen Breitbild-Bildschirmen. Hier sehen die Gnome-Shell und Unity einfach wirklich eleganter aus und laufen hier auch deutlich besser.
    Das zeigt, dass Ubuntu sich eben nicht mehr so sehr für Desktop-Lösungen interessiert sondern mehr für Smartphones und Tablets.

    Aber die Frage ist eben: werden sich Tablets und Smartphones gegen die Notebooks und Desktop-PCs durchsetzen?? Ich meine: Nein, es wird eher zu einer (hoffentlich) friedlichen Ko-Existenz dieser Maschinen Seite an Seite kommen. Denn man sollte sich als User schon fragen: brauche ich so ein Tablet überhaupt und muss ich jeden Modehype (Tablets, Facebook, etc) mitmachen?? Denn diese Tablets haben leider auch ihre Kritikpunkte: sie haben kein CD- oder DVD-ROM-Laufwerk oder auch kein Brennlaufwerk, zum Teil fehlen usb-Anschlüsse und auch die WLAN-Leistung dieser Tablets und deren Akkus lassen deutlich zu wünschen übrig!! Hier hat man mit einem Notebook (die es heute eben auch schon mit sehr guten Breitbild-Bildschirmen gibt) deutlich mehr Vorteile!! Und bei solchen Geräten kommen eben diese Oberflächen Gnome-Shell und Cinnamon deutlich besser raus als Unity im Gegensatz.

    Zum Dritten sieht die mintige Oberfläche von LinuxMint einfach deutlich frischer aus, als die gewählten Farben bei Ubuntu (auch wenn man dass nach den eigenen Wünschen gestalten kann).

    Aber nun nochmal zurück zum Punkt Stabilität:
    bei Ubuntu kommt es in der letzten Zeit immer häufiger vor, dass Pakete in die Repositories aufgenommen werden, die noch absolut instabil sind, häufig abstürzen und irgendwann gar nicht mehr gepflegt werden (mein Beispiel: Balsamail. Hier gibt es zwei ein in Ansätzen gutes Emailprogramm, dass aber leider so häufig abstürzt und so wenig User hat, dass es derzeit ein eher eingeschlafenes Projekt ist, dass sich so gut wie gar nicht mehr entwickelt. Denn die Konkurrenz schläft nicht und so haben die Emailprogramme Evolution, die Emaillösung der Seamonkey-Suit und Opera-Mail diesem Programm Balsamail schon lange den Rang abgelaufen)

    Außerdem bietet LinuxMint auf Launchpad, im eigenen Blog und in diversen Foren (ich betreibe selbst eines) einen sehr guten Service im Punkto Bughelping. Hier achten die Entwickler im Gegensatz zu Ubuntu viel mehr auf die Systemstabilität, es findet ein sehr gutes Prüfen von Programmen statt, die neu in die Distro kommen und auch die Entwickler geben sich hier viel mehr Mühe und sind durch diese ganzen Blogs, Foren und durch Launchpad eben deutlich näher am User, hören mehr auf die User und nehmen Userwünsche ernster ohne aber eben die Systemstabilität zu gefährden.

    Und dass alles spricht eben ganz klar für LinuxMint und daher wird LinuxMint auch zu Recht als dass eigentliche Ubuntu und auch zu Recht oft als das “bessere Ubuntu” betitelt.

    Fazit: die Zukunft im Bereich Desktop-PCs und Notebooks heißt ganz klar LinuxMint. Hier wird sich LinuxMint durchsetzen.
    Was dann aber den Bereich Smartphones angeht, wird sich hier Ubuntu klar durchsetzen. Denn mit Ubuntu 14 soll ein erstes System von Ubuntu für Smartphones rauskommen. Und das könnte dann zu einer echten Konkurrenz für Android, Apple oder auch diese anderen Smartphone-Systeme werden.

    Schlussfazit: beide Distributionen haben ihre Berechtigungen und beide werden in Zukunft friedlich nebeneinander existieren.
    Denn mit diesen beiden Systemen werden auf den Märkten Desktop-PCs, Notebooks auf der einen und Smartphones und Tablets auf der anderen Seite die Karten neu gemischt und für die Hersteller von Android, den Apple-Systemen und den Systemen von Samsung wird mit diesem neuen geplanten Smartphone-System und dem Ubuntu für Tablets schon bald eine große Konkurrenz erwachsen.
    Dagegen wird LinuxMint das Feld der Desktop-PCs und Notebooks ganz klar behaupten. Denn auch bei Microsoft wird eine immer deutlichere Wanderbewegung hin zu offenen Systemen beobachtbar!! Das bedeutet: auch solche closed-Source-Hersteller wie Microsoft werden es dann deutlich schwerer haben. Denn die Frage ist: warum soll man fast 200 Euronen und mehr ausgeben, wenn man ein offenes System für Nullo bekommen kann, dass genauso das gleiche kann wie Windows????

    Gruß
    Minktkatze

  3. Mintkatze am 25. Mai 2012 um 17:35

    Was ich noch hinzufügen wollte:
    neben LinuxMint und seinen Derivaten gibt es noch eine andere Alternative für Desktop-PCs und Notebooks, die ebenfalls eine Doppelbasis hat: Fedora!!

    Fedora beherrscht nämlich nicht nur das Updaten des Systems mittels dem Paktmanager Yum, sondern auch noch mit apt-get!! Und hier wird die Debian-Basis von Fedora sichtbar. Und das bedeutet: Fedora hat eine Doppelbasis: einmal RedHat und einmal Debian!! Und das bedeutet: neben LinuxMint könnte sich auf dem Feld der Desktop-PCs und Notebooks auch noch Fedora durchsetzen.

    Denn auch Fedora ist eine schnelle Distribution mit aktuellen Paketen, einem hübschen Look und Gnome-Shell 3.4 (in Fedora 17) als Desktop-Umgebung. Von daher könnte man sich als User auch sehr schnell mit Fedora anfreunden.

    Gruß
    Mintkatze

  4. Sven am 27. Mai 2012 um 15:11

    Ich bin auch schon seit Mint 7 dabei. Mit Mint 11 hatte ich viele Probleme.
    Mint 12 fand ich auch noch nicht so optimal. Zwischendurch bin ich dann
    zu Xubuntu mit XFCE gewechselt was mir auch sehr gefallen hat und ich
    auch noch heute nutze. Natürlich habe ich auch Unity und Gnome3 zeitweise
    benutzt. Nach viel Bastelei konnte ich auch damit einigermaßen arbeiten,
    im Gegensatz zu Gnome2 empfand ich es aber eher als Rückschritt.
    Nun aber mit Mint 13 ist meine alte Mint-Begeisterung zurückgekehrt.
    Es ist einfach nur genial! So stelle ich mir ein Betriebssystem vor.
    Hab es auf meinem Arbeitsrechner und auf dem 13-Zöller-Laptop
    installiert. Vollkommen problemlos, einfach super, alles funktioniert,
    kein Gebastele. Nur das Theme meinen eigenen Vorstellungen angepasst.
    Herzlichen Glückwunsch und Dank an das Entwicklerteam.

  5. Peter am 15. Juni 2013 um 10:59

    ich bin umsteiger von windows auf linux mint 13 und kann nur sagen nie wieder windows, ich hatte beim umstig auf linux vom ersten moment an keine probleme
    vielen dank an die entwickler

    peter

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