LightZone: Kostenloses Fotolabor ersetzt Adobe Lightroom perfekt

Wenn Sie eine Reihe von Allerwelts-Manipulationen an einem ganzen Rutsch von Fotos auf einen Schlag vornehmen wollen, dann werden Sie in der Regel nicht Photoshop dafür anwerfen. Für diesen Anwendungsbereich werden Ihnen die Leute, die im Adobe-Universum beheimatet sind, Lightroom empfehlen. Schon vor einer ganzen Weile stellten wir Ihnen hier das kostenlose und durchaus sehr gute Konkurrenzprodukt Darktable vor. Heute möchten wir Ihnen indes eine noch bessere Lösung vorstellen. Das vormals kommerzielle, nun unter BSD-Lizenz kostenlose LightZone wird Sie begeistern und ist dabei anders als jedes andere Werkzeug seiner Art.

lightzone_browsewindow

LightZone: Nicht destruktive, zonen-basierende Manipulationen

Wer schon mal mit Fotoeditoren gearbeitet hat, der trifft auf immer die gleichen Bedienschritte und Featuresets. Bei den besseren Lösungen arbeitet man mit Ebenen, Reglern für Kontrast und Helligkeit, sowie vielen weiteren Reglern, Masken können gemalt werden, Farbräder stehen zur Verfügung, Gradationskurven passen das Bildspektrum an – Standards halt.

Die Manipulation eines Bildes zerstört dabei im Regelfall das Original. Will man das verhindern, arbeitet man entweder mit einem Duplikat oder erstellt Ebenenkopien, auf die man hernach die Werkzeuge anwendet. Letzteres dürfte zum häufigsten Vorgehen zählen, ich jedenfalls mache es immer so.

In Photoshop gibt es mit den Einstellungsebenen ein relativ neues Konzept, das es ebenfalls ermöglicht, Filter, Effekte, Anpassungen direkt auf diese eine Einstellungsebene anzuwenden und mehrere davon quasi folienartig zu stapeln. Adobe Lightroom hat dieses Konzept leider nicht geerbt. Hier geht es etwas erdiger zu.

LightZone bietet eine radikal andere Herangehensweise. Gradationskurven kennt das Tool nicht, auch keine Knöpfe oder Schieberegler für Kontrast, Helligkeit oder andere Parameter. Stattdessen lebt LightZone vom Konzept der sogenannten Zonen. Jedes Foto wird in 16 Zonen unterteilt. Eine Zone repräsentiert stets einen Bereich, dessen Helligkeit um 50% vom Vorgänger und Nachfolger abweicht. So können Manipulationen passgenauer auf homogene Bereiche angewendet werden.

Unterhalb des sogenannten Zone Finder, der eine grafische Übersicht der Unterteilung zeigt, befindet sich der “Zone Mapper”. Durch Schieben und Ziehen an den einzelnen Zonen im Mapper, hellt man das Bild auf oder dunkelt es ab. Man kann auch mehrere Zone Mapper übereinander stapeln und so etwa Helligkeit und Kontrast separat verändern.

lightzone_zonemapper

Apropos stapeln, LightZone stapelt generell alls Bearbeitungsschritte übereinander. Dabei geht es chronologisch vor. Alle Manipulationen erfolgen komplett non-destruktiv und können sogar durch Umsortieren zu anderen Gesamteindrücken führen. Das Schließen eines gestapelten Schritts macht dessen Effekt rückgängig. Das ist schon eine ziemlich einzigartige Herangehensweise, die jedenfalls eine gewisse Einarbeitungszeit benötigt, weil man eben diese Leichtigkeit gar nicht gewöhnt ist.

Ebenfalls erstaunlich ist LightZones Relighting-Feature. Hiermit lässt sich die Ausleuchtung eines Bildes so verändern, als hätten zum Aufnahmezeitpunkt andere Lichtverhältnisse geherrscht. Relighting kann man auf das gesamte Bild oder Teile desselben anwenden.

Grundsätzlich lassen sich alle Tools von LightZone auf bestimmte Bereiche eines Bildes begrenzen. Hierzu steht das Konzept der vektor-basierenden Regionen und Masken zur Verfügung. Dieses besagt, dass man Vektor-Formen aufzieht und in das Foto zeichnet, etwa entlang der Kontur eines Objekts, dem man nachfolgend einen besonderen Effekt angedeihen lassen will. Sobald Sie eine Vektorform aufgezogen haben, wirken sich alle nachfolgenden Bearbeitungsschritte nur noch auf den Bereich innerhalb der Form aus. Um zu harte Linien und sichtbare Änderungen zwischen dem manipulierten und dem hiervon ausgenommenen Bereich zu vermeiden, ist jede Vektorform von einem kleinen Randbereich umschlossen, innerhalb dessen der sanfte Übergang zwischen innen und außen abgebildet wird.

lightzone_styles

Mich persönlich begeistert an LightZone besonders die große Zahl fertiger Styles. Styles erlauben das Anwenden von komplexen Effekten mittels eines einzelnen Klicks. So lässt sich etwa sehr einfach einer der verschiedenen HDR-Effekte auf das Bild legen. Auch Instagram-Freunde werden hier etliche ihrer lieb gewonnenen Effektfilter wiederfinden. Dabei gibt es aber einen großen Unterschied: LightZone zerstört das Original nicht, Instagram schon.

lightzone_before
Vor LightZone

lightzone_after
Nach LightZone

Wo ich gerade von Originalen spreche, LightZone kann RAW-Dateien einer ganzen Reihe populärer Kameras direkt lesen und benötigt in den meisten Fällen keinen separaten Konverter. Zusätzlich ist LightZone in der Lage, JPEG und TIFF zu öffnen, wobei JPEG auch LightZones Arbeitsformat ist. In den Arbeitsdateien legt das Programm den kompletten Tool-Stack ab, also alle Manipulationen, ähnlich Photoshops PSD-Format, bloß eben nicht proprietär. Nachdem man alle Veränderungen nach Wunsch durchgeführt hat, sollte man entsprechend eine reine JPEG oder ein TIFF aus dem Arbeitsformat exportieren, um den Overhead los zu werden.

Ähnlich Lightroom und Darktable gliedert sich auch LightZone in zwei wesentliche Arbeitsbereiche. Innerhalb des Programmteils “Browse” blättert man schnell durch seine Fotobibliotheken, kann die Metadaten einsehen. Der “Edit”-Bereich bietet die Fülle der Manipulations-Tools, von denen ich bereits berichtete. Wenn man einen bereits vorhandenen Tool-Stack von einem fertig bearbeiteten Bild kopieren und auf eine beliebige Zahl weiterer Bilder anwenden will, kann man das indes auch einfach aus dem Bereich “Browse” heraus tun. Hierzu wählt man das Bild aus, das den Tool-Stack enthält, klickt das Icon “Stack”, wählt die Bilder aus, auf die der Stack angewendet werden soll und klickt dann “Tool”. Sofort beginnt LightZone damit, den Befehl umzusetzen.

lightzone_editwindow

Zusätzlich zu den bereits genannten größeren Manipulationswerkzeugen finden Sie im “Edit”-Bereich auch einfache Retusche-Möglichkeiten. So können Sie etwa einfache Bildstörungen wegstempeln oder automatisch rote Augen entfernen lassen. Alles in allem ist LightZone weit flexibler als Lightroom und übertrifft sogar Photoshop in einigen Bereichen. Dennoch muss man fairerweise einräumen, dass Adobes Lösung einfacher zu erlernen ist und mehr Automatismen bietet.

LightZone kommt mit einer Lernkurve, die zwar nicht allzu hohe Hürden baut, aber dennoch eine gewisse Einarbeitungszeit erfordert. Wenn Sie jedoch das KOnzept einmal verinnerlicht haben, werden Sie kaum noch Wechselwillen verspüren. Wenigstens ging es mir so…

LightZone: Einst kommerziell, jetzt frei

LightZone wurde bis 2011 als kommerzielles Produkt verkauft. Im gleichen Jahr wechselte dann jedoch Entwickler und Inhaber Fabio Riccardi zu Apple und schloss dafür kurzerhand sein Unternehmen Light Craft. Vor einigen Monaten erbarmte sich Riccardi und gab den Quellcode als Open Source frei. Eine enthusiastische Gruppe fähiger Entwickler griff den Faden umgehend auf und rief The LightZone Project ins Leben.

Aktuell gibt es LightZone für Windows, Mac OS X und Linux, wobei alle drei Versionen unter einer BSD-Lizenz frei verwendet werden dürfen. Die Versionsnummer wurde auf die 4 gehoben. In meinen Tests, die ich allerdings ausschließlich unter Windows tätigte, kam es zu keinerlei Problemen, BUgs oder was auch immer. LightZone lief stabil und schnell.

Es mag Sie wundern, dass Sie sich für den Download einer Open Source-Lösung zunächst registrieren müssen. Ich gehe davon aus, dass es sich um einen Spam-Schutz handelt. Da alle Registrierungen zunächst manuell von einem Admin freigeschaltet werden müssen, bedarf es einer gewissen Geduld, bevor Sie letztlich das Programm lokal installieren werden können. In meinem Fall dauerte dieser Prozess weniger als eine Stunde und barg auch keinerlei Fallstricke, versteckte Newsletter-Abos oder sonstige Unbill. LightZone wird sehr aktiv fortentwickelt, der Betatest der Version 4.1 startete gerade am 1. Oktober.

Wenn Sie also auf der Suche nach einer mächtigen, kostenlosen, dabei verständlich arbeitenden Lösung für die Bearbeitung Ihrer nächsten Fotoserien sind, schauen Sie auf jeden Fall LightZone an. Sie werden es sicherlich nicht bereuen, schon gar nicht unter dem Aspekt, dass es völlig kostenlos zu haben ist…

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ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design. Man findet ihn auch auf Twitter und Google+.

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[…] LightZone: Kostenloses Fotolabor ersetzt Adobe Lightroom perfekt Wem Lightroom zu teuer ist, kann gerne zu LightZone greife. Dr. Web stellt die kostenlose Alternative zum Photolabor von Adobe ausführlich mit viel Bildmaterial, Beispielen und Screenshots vor. Für Fotografen lesenswert. […]

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[…] ausführliche Beschreibung finden Sie in diesem Artikel von Dr. Web, der Ihnen auch anschaulich das sogenannte “Zonenkonzept” erklärt, das sich in seiner […]

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