Last und Lust mit Kalenderdaten
Der klassische Tischkalender hat in vielen Büros längst Platz machen müssen, Platz für PDAs und Smartphones, Blackberry und natürlich Rechner/Notebook. Doch so mancher Frust macht sich breit. Jedenfalls beim Verfasser dieses Artikels bei vielen Synchronisierungsabbrüchen und korrupten Datensätzen, und deshalb liegt nun auch wieder ein Querformat-Tischkalender hier - sicherheitshalber.
Doch was bietet das Internet für kostenfreie Alternativen, jenseits von Groupware- und Projektplanungstools à la Filemaker, MS Project und Konsorten? Gesucht wird der klassische Helfer für überall, ein einfacher, aber deshalb nicht zwingend schlichter Kalender für Termine, Feiertage, Urlaubsplanung und Notizen. Drei Protagonisten einmal etwas näher betrachtet:
Der Schicke: Spongecell - Vollbild-Screenshot
Ein Online-Kalender auf AJAX-Basis mit feinen Features: Freunde einladen mit gemeinsamen Kalenderbereichen, Erinnerung per E-Mail, Veröffentlichung zum Beispiel als RSS-Feed, Import und Abo-Funktion für iCal, iPod und auch Outlook, aber das ist als Developer API etwas versteckt.

Das Userinterface und die Funktionalitäten sind weitgehend selbsterklärend. Was bleibt ist die Frage, ob man seine Freunde dazu bewegen kann, die Vorteile zusammen zu nutzen und ob auch eine langfristige Nutzung Sinn macht. Aber diese Frage stellt sich immer bei offenen und vor allem kostenfreien Projekten.
Der Spartanische: Calendars.net - Vollbild-Screenshot
Aus der Website: »Kalender-Netz ist ein freier wechselwirkender Netzkalender-Bewirtung Service« . Die automatische Übersetzungen auf der Start-Website kann man sich also getrost sparen. Der erste Eindruck ist dort eigentlich zum Davonlaufen. So bunt und wild geht es hier zu. Wer sich davon aber nicht abschrecken lässt, findet einen kostenfreien Kalender, der sich durchaus praxistauglich zeigt.
Auch nach Anlage eines free calendar bleiben Optik, Funktionalitäten und Handhabung unübersichtlich und erinneren mehr an Web 0.9 als Web 2.0. Keine Ajax-Applikationen, kein Daten-Sharing (bis auf eine versteckte Export-Lösung), keine E-Mail-Notification. Einzig die Integration bestehender Module ist möglich, wenngleich diese bisweilen auch veraltet wirken. Zumindest die Feiertage und ein paar andere Zusatzinfos können dann doch noch integriert werden. Selbst das Anlegen eines Termins ist nicht Up2Date oder benutzerfreundlich. So muss man schon genau zielen, um den Tag genau anzuklicken oder um ein Event anzulegen. Zu Stoßzeiten gibt es immer wieder mal einen error404 (lässt sich aber durch reload beheben) und ein kleiner Bug lässt die Ansicht bisweilen unerwünscht zur Listenansicht wechseln.

Und dennoch: Die Einfachheit und die Fokussierung auf das Wesentliche machen diesen Kalender sympathisch und empfehlenswert. Einzeltermine, wiederkehrende Termine, mehrtägige Ereignisse - einfach und klar im Handling. Und im praktischen Gruppentest konnte der Kalender allen Beteiligten mit nur wenigen Worten erklärt und dann sofort eingeführt werden.
Die Kennzeichnung der einzelnen Events ist derart variabel möglich, dass auch komplexe Gruppenprozesse noch anschaulich abbildbar sind. Und die Rechtevergabe ist nahezu perfekt und trifft die wesentlichen Bedürfnisse auf den Punkt: Administrator, Bearbeiter, Betrachter - genau das braucht man eigentlich wirklich. Und wenn man sich einmal in die Admin-Oberfläche eingewühlt hat, gelingt es tatsächlich, dem Kalender noch ein ansprechendes Äußeres zu verpassen.
Der Alleskönner: Google Calendar (Beta) Vollbild-Screenshot
Macht Platz für den Super-Tanker! Google hat wieder einen Dienst ins Wasser gelassen - natürlich wieder erst als Dauer-Beta-Version und nur zugänglich mit Google-Account (den man entweder hat oder zu dem man sich von anderen Usern einladen lassen muss), der sich anstrebt alles Dagewesene zu verdrängen und sofort zur Standard-Lösung zu werden.

Zu euphorisch formuliert? Natürlich ist Google Calendar Ajax-basiert und nicht zuletzt deswegen mit einer schicken Optik. Natürlich gibt es diverse Schnittstellen, wie XML-Feeds und Notification-Möglichkeiten von E-Mail bis SMS. Und Synchonisierungsoptionen mit iCal oder Outlook sind obligatorisch. Kurzum: Google Calendars kann fast alles und mancher spricht schon vom ersten Element des Google Office im Netz.
Neben all der Möglichkeiten, die in der Beta auch fast schon alle (soweit getestet, Mobil-Notification beispielsweise nicht) funktionieren. Nur der Import von Outllook-CSVs klappte nicht auf anhieb, was aber auch an der speziellen Datei oder der regen Nutzung zu Beginn liegen mochte. Der Calendar bietet aber vor allem eine sehr sehr clevere Schnittstelle ganz im Geiste von Web 2.0. Kalender können nämlich nicht nur unter Freunden gemeinsam genutzt werden (sogar mit sehr komfortabler Rechtevergabe), man kann seinen Kalender ganz oder in Teilbereichen öffentlich machen oder - umgekehrt - öffentliche Kalenderdaten nutzen.

Beispiel Fussball-WM: Alle Spiel-Termine konnte man bequem per Knopfdruck einbinden und später jederzeit ein- und auch wieder ausblenden. Weitere öffentliche Daten sind auch in dieser frühen Beta-Phase schon vorhanden: Formel 1-Termine, regionale Feiertage, Veranstaltungskalender. Da die Daten sowohl von privaten wie auch kommerziellen und öffentlichen Stellen kommen können, wird über kurz oder lang ein Netzwerk an Daten und Kalendern entstehen, die dezentral durch verschiedenste Administratoren gepflegt werden. So lassen sich individuelle Online-Kalender konfigurieren, die einen hohen Informationswert für den einzelnen haben und individuell auf seine Bedürfnisse zugeschnitten sind.. Und durch die klare Trennung und die einfache Administration dieser Zusatz-Kalender macht die Nutzung auch für Experimentierfreudige Spaß ohne Reue. Was nicht überzeugt, wird wieder entfernt, ganz ohne Angst, seinen eigenen Datenstamm nach Fragmenten durchforsn zu müssen.
Einzig in Punkt Konfiguration kann Google Calendars nicht vollends überzeugen. Die Individualisierung von Oberfläche und Darstellung einzelner Termine/Events ist schlicht nicht vorgesehen. Einzig die Farbe einer kompletten Event-Gruppe kann ausgewählt werden. Das ist natürlich viel zu wenig.
Google wäre nicht Google, würde es seine Kernkompetenz nicht auch in die Waagschale werfen. Natürlich läßt sich innerhalb und außerhalb des Kalendars suchen - auch ein Plus gegenüber anderen Konkurrenten. Die Bindung zu den anderen Google-Diensten fehlt aber, bis auf einige Querverweise - wohl eine Option für die Zukunft. Und ganz aktuell: Wer will, kann jetzt seinen Kalendar auch in die Website einbinden.
Fazit
Wer nicht unbedingt eine Groupware braucht und wem es im Wesentlichen nur um Termin- und Kalenderdaten geht, dem werden die Online-Kalender nützliche Dienste erweisen und so manch lokalen Outlook-Kalender verschwinden lassen. Vor allem Google Calendar sollte hier wohl die Nase vorne haben, da man die Kapazitäten und das technische Know how dort einfach dauerhaft vermuten darf. Calendars.net wird aber trotzdem viele Nutzer aufgrund der Praxistauglichkeit für den Büroalltag an sich binden.
Die philosophische Frage am Schluß: Wem vertraue ich? Sensible Daten sollten natürlich sowieso nicht ins Netz gestellt werden, das ist im Business im Zweifel auch eine Haftungsfrage. Aber auch im Privaten bleibt die Grundsatzfrage, wem man seine Daten anvertraut. Es gibt Stimmen, die vor einer immer weiter wachsenden Allwissenheit von Google warnen. (Autor: Alexander Endl)









