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Last und Lust mit Kalenderdaten

25. Juni 2006
von

Der klassische Tischkalender hat in vielen Büros längst Platz machen müssen, Platz für PDAs und Smartphones, Blackberry und natürlich Rechner/Notebook. Doch so mancher Frust macht sich breit. Jedenfalls beim Verfasser dieses Artikels bei vielen Synchronisierungsabbrüchen und korrupten Datensätzen, und deshalb liegt nun auch wieder ein Querformat-Tischkalender hier – sicherheitshalber.

Doch was bietet das Internet für kostenfreie Alternativen, jenseits von Groupware- und Projektplanungstools à la Filemaker, MS Project und Konsorten? Gesucht wird der klassische Helfer für überall, ein einfacher, aber deshalb nicht zwingend schlichter Kalender für Termine, Feiertage, Urlaubsplanung und Notizen. Drei Protagonisten einmal etwas näher betrachtet:

Der Schicke: SpongecellVollbild-Screenshot

Ein Online-Kalender auf AJAX-Basis mit feinen Features: Freunde einladen mit gemeinsamen Kalenderbereichen, Erinnerung per E-Mail, Veröffentlichung zum Beispiel als RSS-Feed, Import und Abo-Funktion für iCal, iPod und auch Outlook, aber das ist als Developer API etwas versteckt.

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Das Userinterface und die Funktionalitäten sind weitgehend selbsterklärend. Was bleibt ist die Frage, ob man seine Freunde dazu bewegen kann, die Vorteile zusammen zu nutzen und ob auch eine langfristige Nutzung Sinn macht. Aber diese Frage stellt sich immer bei offenen und vor allem kostenfreien Projekten.

Der Spartanische: Calendars.netVollbild-Screenshot

Aus der Website: »Kalender-Netz ist ein freier wechselwirkender Netzkalender-Bewirtung Service« . Die automatische Übersetzungen auf der Start-Website kann man sich also getrost sparen. Der erste Eindruck ist dort eigentlich zum Davonlaufen. So bunt und wild geht es hier zu. Wer sich davon aber nicht abschrecken lässt, findet einen kostenfreien Kalender, der sich durchaus praxistauglich zeigt.

Auch nach Anlage eines free calendar bleiben Optik, Funktionalitäten und Handhabung unübersichtlich und erinneren mehr an Web 0.9 als Web 2.0. Keine Ajax-Applikationen, kein Daten-Sharing (bis auf eine versteckte Export-Lösung), keine E-Mail-Notification. Einzig die Integration bestehender Module ist möglich, wenngleich diese bisweilen auch veraltet wirken. Zumindest die Feiertage und ein paar andere Zusatzinfos können dann doch noch integriert werden. Selbst das Anlegen eines Termins ist nicht Up2Date oder benutzerfreundlich. So muss man schon genau zielen, um den Tag genau anzuklicken oder  um ein Event anzulegen. Zu Stoßzeiten gibt es immer wieder mal einen error404 (lässt sich aber durch reload beheben) und ein kleiner Bug lässt die Ansicht bisweilen unerwünscht zur Listenansicht wechseln.

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Und dennoch: Die Einfachheit und die Fokussierung auf das Wesentliche machen diesen Kalender sympathisch und empfehlenswert. Einzeltermine, wiederkehrende Termine, mehrtägige Ereignisse – einfach und klar im Handling. Und im praktischen Gruppentest konnte der Kalender allen Beteiligten mit nur wenigen Worten erklärt und dann sofort eingeführt werden.

Die Kennzeichnung der einzelnen Events ist derart variabel möglich, dass auch komplexe Gruppenprozesse noch anschaulich abbildbar sind. Und die Rechtevergabe ist nahezu perfekt und trifft die wesentlichen Bedürfnisse auf den Punkt: Administrator, Bearbeiter, Betrachter – genau das braucht man eigentlich wirklich. Und wenn man sich einmal in die Admin-Oberfläche eingewühlt hat, gelingt es tatsächlich, dem Kalender noch ein ansprechendes Äußeres zu verpassen.

Der Alleskönner: Google Calendar (Beta) Vollbild-Screenshot

Macht Platz für den Super-Tanker! Google hat wieder einen Dienst ins Wasser gelassen – natürlich wieder erst als Dauer-Beta-Version und nur zugänglich mit Google-Account (den man entweder hat oder zu dem man sich von anderen Usern einladen lassen muss), der sich anstrebt alles Dagewesene zu verdrängen und sofort zur Standard-Lösung zu werden.

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Zu euphorisch formuliert? Natürlich ist Google Calendar Ajax-basiert und nicht zuletzt deswegen mit einer schicken Optik. Natürlich gibt es diverse Schnittstellen, wie XML-Feeds und Notification-Möglichkeiten von E-Mail bis SMS. Und Synchonisierungsoptionen mit iCal oder Outlook sind obligatorisch. Kurzum: Google Calendars kann fast alles und mancher spricht schon vom ersten Element des Google Office im Netz.

Neben all der Möglichkeiten, die in der Beta auch fast schon alle (soweit getestet, Mobil-Notification beispielsweise nicht) funktionieren. Nur der Import von Outllook-CSVs klappte nicht auf anhieb, was aber auch an der speziellen Datei oder der regen Nutzung zu Beginn liegen mochte. Der Calendar bietet aber vor allem eine sehr sehr clevere Schnittstelle ganz im Geiste von Web 2.0. Kalender können nämlich nicht nur unter Freunden gemeinsam genutzt werden (sogar mit sehr komfortabler Rechtevergabe), man kann seinen Kalender ganz oder in Teilbereichen öffentlich machen oder – umgekehrt – öffentliche Kalenderdaten nutzen.

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Beispiel Fussball-WM: Alle Spiel-Termine konnte man bequem per Knopfdruck einbinden und später jederzeit ein- und auch wieder ausblenden. Weitere öffentliche Daten sind auch in dieser frühen Beta-Phase schon vorhanden: Formel 1-Termine, regionale Feiertage, Veranstaltungskalender. Da die Daten sowohl von privaten wie auch kommerziellen und öffentlichen Stellen kommen können, wird über kurz oder lang ein Netzwerk an Daten und Kalendern entstehen, die dezentral durch verschiedenste Administratoren gepflegt werden. So lassen sich individuelle Online-Kalender konfigurieren, die einen hohen Informationswert für den einzelnen haben und individuell auf seine Bedürfnisse zugeschnitten sind.. Und durch die klare Trennung und die einfache Administration dieser Zusatz-Kalender macht die Nutzung auch für Experimentierfreudige Spaß ohne Reue. Was nicht überzeugt, wird wieder entfernt, ganz ohne Angst, seinen eigenen Datenstamm nach Fragmenten durchforsn zu müssen.

Einzig in Punkt Konfiguration kann Google Calendars nicht vollends überzeugen. Die Individualisierung von Oberfläche und Darstellung einzelner Termine/Events ist schlicht nicht vorgesehen. Einzig die Farbe einer kompletten Event-Gruppe kann ausgewählt werden. Das ist natürlich viel zu wenig.

Google wäre nicht Google, würde es seine Kernkompetenz nicht auch in die Waagschale werfen. Natürlich läßt sich innerhalb und außerhalb des Kalendars suchen – auch ein Plus gegenüber anderen Konkurrenten. Die Bindung zu den anderen Google-Diensten fehlt aber, bis auf einige Querverweise – wohl eine Option für die Zukunft. Und ganz aktuell: Wer will, kann jetzt seinen Kalendar auch in die Website einbinden.

Fazit
Wer nicht unbedingt eine Groupware braucht und wem es im Wesentlichen nur um Termin- und Kalenderdaten geht, dem werden die Online-Kalender nützliche Dienste erweisen und so manch lokalen Outlook-Kalender verschwinden lassen. Vor allem Google Calendar sollte hier wohl die Nase vorne haben, da man die Kapazitäten und das technische Know how dort einfach dauerhaft vermuten darf. Calendars.net wird aber trotzdem viele Nutzer aufgrund der Praxistauglichkeit für den Büroalltag an sich binden.

Die philosophische Frage am Schluß: Wem vertraue ich? Sensible Daten sollten natürlich sowieso nicht ins Netz gestellt werden, das ist im Business im Zweifel auch eine Haftungsfrage. Aber auch im Privaten bleibt die Grundsatzfrage, wem man seine Daten anvertraut. Es gibt Stimmen, die vor einer immer weiter wachsenden Allwissenheit von Google warnen. (Autor: Alexander Endl)

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Sven Lennartz

Sven ist der Erfinder des Dr. Web Magazins, Autor und Herausgeber verschiedener Fachbücher. Als Webdesigner und Texter früher freiberuflich für verschiedene Unternehmen und Verlage tätig. Jetzt Geschäftsführer der Smashing Media GmbH.

16 Kommentare zu „Last und Lust mit Kalenderdaten

  1. patrick am 25. Juni 2006 um 21:26

    Besonders der letzte Absatz spricht mit aus der Seele: Kann man denn Google mittlerweile noch trauen? Fakt ist, dass Google tolle Produkte anbietet. Aber Google kann seine Benutzer richtig ausspähen – eMails, Bookmarks, Notizen, Termine, Blog, Chatroom, Telefon usw. und natürlich die Suchwörter nach denen man sucht, sowie der mittlerweile sehr beliebte Statistik-Service Google Analytics (dieser ermöglicht es Google einen sogar über viele Webseiten das Surfverhalten zu analysieren) machen manchen Nutzer bereits jetzt schon zum gläsernen Menschen.

    Nur damit man mich nicht ganz falsch versteht: Ich hab nichts gegen Google – im Gegenteil, ich nutze einige Dienste selbst. Aber man sollte doch vorsichtig sein, welche Daten man von sich preisgibt…

  2. [...] Alexander schreibt seinen ersten Artikel ins Dr.Web-Blog, fundiert, sachlich, gekonnt. Ich könnte mir zwar spannendere Themen vorstellen, als webbasierte Kalendersoftware, aber so what. Mit irgendwas muss man ja anfangen. [...]

  3. [...] »Last und Lust mit Kalenderdaten« lautete mein Thema für meinen ersten professionellen Blogbeitrag. Zu lesen ist dieser im Dr. Web Weblog, was mich besonders freut, denn Dr. Web und das Schaffen von Sven Lennartz verfolge ich mit viel Interesse seit meinen ersten Tagen im Internet. [...]

  4. Sören am 25. Juni 2006 um 23:41

    Ich stimme den Kommentar meines Vorgängers zu!

    Bedenkt die ‘Datenmacht’ von privaten Internetfirmen (z.B. besonders Google)

    Google sammelt nicht nur das ganz Web in einer gingantischen Suchabfrage-Datenbank, sondern kann/könnte durch die Desktop search Programme auch Inhalte sämtlicher Computer speichern. (Selbstverständlich werden die Daten für Desktop search nur Zwischengespeichert(? – !))
    “Bei einem Gerichtesverfahren im November wurde der Täter Robert Petrick schließlich auf spektakuläre Weise überführt – weil er vor den Mord an seiner Frau die Worte >Nackenbrechen

  5. daniel am 26. Juni 2006 um 08:06

    Das Problem ist aber ja nicht nur der Datenschutz bei Google, sondern ich hab immer mehr Bedenken, dass Google kleine Softwarefirmen/Entwickler einfach überrennt.
    Google hat ja mit all ihren Online-Tools (Maps, Mail, Orkut, …) eine so riesige Nutzergemeinde, dass Produkte die Google auf den Markt schmeisst eigentlich immer zum Standard werden.

    Auch wenn die Idee für die Software vielleicht gar nicht von google selbst stammt, sondern ein anderer zuvor gekommen ist, kann Google eigentlich immer durch die enorme Finanzkraft soviel Mann-Stunden in eine feine Kopie stecken, dass die andere Software später keine Chance mehr am Markt hat. Die könnten wenn sie wollten eigentlich jeden anderen Dienst (technorati, …) kopieren und vom Markt stossen.

  6. Morty am 26. Juni 2006 um 09:10

    Was den Datenschutz angeht kann man duch auch selber hosten. Es gibt einige Freeware-lösungen die an Google ran kommen.

  7. Alexander | Zielpublikum am 26. Juni 2006 um 11:28

    Das mit Google und dem Datensammeln war ja nur so ein Randaspekt dieses Artikels und ist für mich eigentlich sogar ein richtiges Thema. Es gab da ja diesen Film »Epic 2015« über den (möglichen) Ausgang dieser Entwicklung – und das Sammeln und Verwerten (wenn auch “nur” zur Schärfung des eigenen Profils) von Termindaten gehört hier zweifellos mit hin.
    Ich hatte hier ein paar Gedanken dazu mal veröffentlicht:
    http://www.endl.de/weblog/2006/02/28/mehr-als-epic-2015-gesellschaft-im-wandel/

  8. F!XMBR » Fundbüro am 26. Juni 2006 um 12:48

    [...] Dr. Web bringt einen netten Vergleich zwischen den großen online Kalender-Anbietern, sehr aufschlußreich, wenn man denn wirklich persönliche Termine einem Onlinedienst anvertrauen möchte. Der Schockwellenreiter hingegen berichtet über den französischen Vorstoß, der omnipotenten Präsenz US-amerikanischer Firmen im Netz Einhalt zu gebieten, indem man ein freies Gegenangebot startet (zu GoogleEarth). Deutschland indess wirft lieber den Rechenschieber an, um zünftig abzukassieren. [...]

  9. Oliver am 26. Juni 2006 um 13:27

    Lohnt sich auch mal anzuschaun: http://www.kiko.com

  10. Peter Giesecke am 26. Juni 2006 um 15:41

    @Morty: An welche hast du denn gedacht?

  11. Alpha-Hasi am 26. Juni 2006 um 16:46

    Man muss gar nicht allein Google misstrauen, egal welchem Anbieter ich meine höchst privaten und intimen Daten und Termine anvertraue, es ist immer möglich Informationen “während des Weges” zu lesen, zu analysieren und zu nutzen. Ggf. wird auch mal direkt auf die Server zugegriffen (nicht nur Google gewährt Personen mit dem richtigen Ausweis in der Hand den Zugang).

    Immer wieder kommt es zu einem Aufschrei, wenn Einzelheiten bekannt werden, wie z.B. letzte Woche die “Enthüllung”, dass die USA enen Großteil des internationalen Finanzswesens komplett eingesehen und “ausgewertet” hat (Daten, die “eigentlich” durch Gesetze geschützt werden). Man muss nun wirklich kein Verschwörungstheoretiker sein, um anzunehmen, dass da abseits der Öffentlichkeit wesentlich mehr läuft als offiziell zugegeben wird.

  12. nein am 26. Juni 2006 um 23:00

    jaja

  13. Sven am 27. Juni 2006 um 11:33

    Tja, wohin wird die Reise gehen?
    Ich denke, die Vorteile von Onlinetools wie Google-Calendar & Co sind so groß, dass sich diese Dienste über lang oder kurz etablieren werden. Ich bin viel unterwegs und habe daher sehr viele Daten (Adressen, Termine, Dokumente) auf verschiedenen Servern verteilt. Das möchte ich nicht missen.

    Also geht es in meinen Augen nicht darum, ob Google böse ist/wird oder nicht – sondern wie man Daten auf Servern hält ohne das diese missbraucht werden können. Das wäre auf der einen Seite einfach möglich durch Verschlüsselung – aber dann bietet natürlich niemand mehr solche Dienste an wenn er sein Geld mit dem Auswerten genau dieser Daten erwirtschaftet.

    Die große Gefahr besteht aus meiner Sicht in der Verknüpfung von Daten. Google kennt mich so gut, weil es meine Suchanfragen, meine Mails und meine Termine kennt. Ebenso verhält es sich mit vielen Bonusprogrammen a la Payback und Co. Eine Minimalforderung wäre daher für mich die Verpflichtung zur Trennung und ggf. Anonymisierung der einzelnen Accounts. Das würde mich persönlich schon ein wenig ruhiger schlafen lassen. Zweitens: Verschlüsseln wo möglich. Hier sind wir User gefragt.

  14. Markus Merz am 30. Juni 2006 um 21:52

    Wer einen leistungsfähigen Web-Kalender sucht, der darf bitte auf keinen Fall AirSet.com außen vor lassen. Auch für ‘social collaboration’ extrem gut geeignet. Setze ich für mich privat (synchronisiert z.B. Palm Kalender und Adressen), für Gruppen-Kalender und Letzteres auch auf meiner Webseite für einen per iframe eingebundenen lokalen Hamburg St. Georg Veranstaltungs-Kalender ein.

  15. » Ajax Quellensammlung - Dr. Web Weblog am 9. September 2006 um 17:03

    [...] Spongecell arrange meetings and events online – siehe auch hier [...]

  16. Andi am 14. August 2007 um 18:49

    Hallo Dr. Web Blog,

    bitte “erweitern” Sie ihren Artikel um eine Beurteilung von AIRSET.

    Dieser Kalender hat im CT Test sehr gut abgeschnitten und ist das beste Freeware Tool ein meinen Augen.

    Viele Grüße

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