Kolumne - Legalisierung von Diebstahl oder die Abschaffung des Urheberrechts fällt aus
Das illegale Herunterladen von Musik und Filmen aus dem Internet ist - trotz aller Abschreckungsversuche der Musik- und Filmindustrie - ein beliebter Freizeitsport. Die wenigsten Diebe sind sich dabei einer Schuld bewusst.
Und tatsächlich frage ich mich ja selbst, warum noch teures Geld für Musik ausgeben, wenn ich als Verbraucher, die CD mit Kopierschutz plötzlich nicht auf dem Computerlaufwerk abspielen kann oder legal erworbene MP3-Files an den persönlichen Rechner gebunden sind und ich sie nicht einfach beliebig auf meinen MP3-Player, mein Mobiltelefon und auf CD für mein Autoradio übertragen kann. Ich persönlich höre inzwischen wieder meine alten Schallplatten.

In deutschen Großstädten und Ballungszentren entstehen bereits Communities von Musikern, die Ihre Eigenkompositionen bewusst nicht bei der GEMA anmelden und GEMA-freie Konzerte und Festivals veranstalten. Das Café breitpott in Berlin beispielsweise spielt nur noch GEMA-freie Musik von talentierten Newcomern. Die kann jeder sogar kostenlos auf mp3-Player, Handy oder Stick downloaden. Wie die jungen Talente damit allerdings Geld verdienen wollen, ist mir nicht bekannt.
Seine Leistungen zu verschenken gehört ja nicht unbedingt zu den erfolgreichen Geschäftskonzepten. Aber vielleicht spekuliert die nachwachsende Musikerelite darauf, dass es bald das Bürgergeld gibt und arbeiten sowieso nur noch eine Lust- keine Frustangelegenheit mehr sein wird.
Andererseit, wie angenehm und schön es in der Open Source-Welt zugehen kann, erleben wir Webworker täglich mit unter GNU programmierter Software. Viele von uns arbeiten doch bereits lieber mit OpenOffice, Spicebird, Joomla und so weiter und so fort. So wundert es nicht, das ausgerechnet die Piraten-Partei zur letzten Bundestagswahl die Aufweichung des Urheberrechts ins Wahlprogramm schrieb. In der Ultrakurzfassung an den Stammtischen der Nation hieß das natürlich „Piraten wollen das Urheberrecht kippen“.
Die Einführung des Urheberrecht 1907 trug meiner Ansicht nach zur Demokratisierung der Kunst und zur Freiheit von Künstlern bei. Davor war es üblich, dass vor allem der künstlerisch tätig sein konnte, der entweder von Hause aus wohlhabend, Pensionär oder von Staat, Kirche, reichen Bürgern, so genannten Mäzenen unterhalten wurde. Die heutige Fassung des Urheberrechts stammt übrigens von 1965.

Ich gebe es zu, die Marktmacht der großen Musikkonzerne, Moviefabriken und Softwareschmieden scheint heutzutage so manches Pflänzchen der freien Kunst zu unterdrücken. Es könnte aber auch sein, dass einige selbst ernannte Genies einfach nicht den Geschmack der Massen oder wenigstens den einer ausreichend großen Fangemeinde treffen. Das ist weder dem Urheberrecht noch den Konzernen anzulasten.
Oder kann man einem Wirtschaftsunternehmen vorwerfen, wenn es auf die Zusammenarbeit mit potenziell unverkäuflichen Künstlern verzichtet? Das mag ungerecht erscheinen, aber ist wohl eher eine Folge der Marktwirtschaft anstatt böser Zensurwille einer geheimen Weltverschwörung wie es in manchen Webzeitungen kolportiert wurde.
Ich weiß von vielen Songschreibern in regionalen Bands, dass sie lediglich mit dem Verteilungsschlüssel der GEMA unglücklich sind, nicht mit dem Urheberrecht an sich. Denn welcher Künstler möchte nicht als Urheber seiner Werke genannt und gewürdigt sein - auch finanziell?
Das Urheberrecht ist prinzipiell eine gute Idee, weil es geistige Urheberschaft anerkennt und schützt. Ich persönlich bin da ganz und gar gegen den „chinese way of copyright“.
(sl)









