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Habari: Leichtgewichtiges CMS, nicht nur für Blogger

28. Januar 2013
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Der Markt der Content Management Systeme ist über die Jahre etwas unübersichtlich geworden. Dabei haben wir bei Dr. Web und in jüngerer Zeit auch im Noupe Magazine stets versucht, den Überblick zu gewährleisten. Beitrag um Beitrag ist so entstanden. Habari, das schlanke Blog-System, um das es im folgenden Beitrag gehen soll, haben wir bei Dr. Web zuletzt im Jahre 2008 behandelt. Zeit für eine aktuelle Einschätzung…

Habari ist Suaheli und heißt zu deutsch: Was gibt es Neues? Schon die Namensgebung verdeutlicht den Fokus. Habari ist ein reines Bloggertool. Sicherlich kann man prinzipiell mit jedem CMS verschiedene Arten von Websites bauen, dennoch darf es durchaus als sinnvoll betrachtet werden, CMS als Werkzeuge zu betrachten und in diesem Sinne je nach Projekt qualifiziert auszuwählen. Um ein Loch für einen Dübel in die Wand zu bekommen, greift man schließlich auch vertrauensvoll zur Bohrmaschine und versucht nicht, den Erfolg mittels Schraubenzieher, Hammer und beherztem Zuschlagen zu erreichen.

Verwendet man den Begriff Blog im Zusammenhang mit einem CMS, drängt sich unmittelbar der Vergleich zu WordPress auf. Wir werden daher diesen Aspekt im Laufe des Artikels ebenfalls aufgreifen.


Bildquelle: Flickr

Im Rahmen des Beitrags werden wir uns nicht mit Fragen der Installation und Anpassung befassen. Diese Themen sind in der Habari Dokumentation nachvollziehbar beschrieben. Was wir versuchen wollen, zu erarbeiten, ist, inwieweit sich Habari als CMS eignet. Idealerweise sind Sie mit den Informationen aus diesem Beitrag in der Lage, qualifiziert zu entscheiden, ob Habari für das nächste Projekt in Frage kommen kann oder nicht.

Habari: Ein Blogger-CMS

Anhand verschiedener Hauptpunkte schauen wir nachfolgend auf das Featureset des schlanken Herausforderers.

1. Usability (Einfachheit der Verwendung)

Tipp: Wenn Sie sich einen schnellen Überblick zu Habaris Look and Feel verschaffen wollen, schauen Sie in diese Demo-Installation.

Sollte ich das Nutzer-Interface von Habari in einem Wort beschreiben, so würde ich wahrscheinlich das Wörtchen “benutzerfreundlich” verwenden. Tatsächlich ist Habari eines der benutzerfreundlichsten CM-Systeme, das ich bislang kennenlernen durfte. Dabei darf man natürlich nicht vergessen, dass das Wort “Benutzerfreundlichkeit” subjektiv ist und von der individuellen Einschätzung geprägt ist. Was ich benutzerfreundlich finde, können Sie eventuell beim besten Willen nicht leiden.

Deshalb will ich klar stellen, dass ich mit dieser Charakterisierung nicht die ganzen subjektiven Aspekte meine, die letztlich, mindestens teilweise, Geschmacksfragen sind. Schauen Sie sich ganz unvoreingenommen das Benutzer-Interface selber an, unabhängig von verfügbaren Themes, Plugins und so weiter. Ich bin sicher, Sie werden mir zustimmen: Das Interface ist extrem einfach zu bedienen.

Der Schlüssel zu Habaris Einfachheit liegt in seiner minimalistischen Grundausrichtung. Alles, was man nach dem Login vorfindet, ist ein simples Menü mit Tastatur-Shortcuts. Wer sich in Habari verläuft, der verläuft sich auch auf dem Fußballplatz.


Der Artikel-Editor in Habari

Wollen Sie zum Beispiel einen neuen Beitrag schreiben, was unstreitig zu den Hauptanwendungsfällen eines CMS gehören dürfte, stellt Habari Sie nicht vor Rätsel. Direkt vor Ihrer Nase findet sich eine Schaltfläche mit der Aufschrift Create a New Article. Damit kommt auch Oppa Horst, der mit 83 noch einen Ornithologen-Blog pflegen will, klar. Wo ich gerade von Oppa Horst spreche: Eine deutsche Übersetzung des Systems kann über Launchpad heruntergeladen werden. Weitere Übersetzungen stehen allerdings nicht bereit.

Auf der anderen Seite, einmal das komplexe Umfeld des TinyMCE aus WordPress gewohnt, wird einem der Artikel-Editor aus Habari geradezu ärmlich vorkommen. Mancher wird sich daran gewöhnen können, mancher nicht.

  • Pros: Sehr schlankes, schickes, minimalistisches Interface
  • Cons: Ungeeignet, wenn man Minimalismus für das falsche Konzept hält

2. Flexibilität und Anpassungsmöglichkeiten

Habari ist flexibel und kann relativ leicht an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden. Allerdings müssen die eigenen Bedürfnisse schon ein bisschen den Möglichkeiten angepasst werden. Sind Sie auf der Suche nach Anpassungsmöglichkeiten im Stile eines MODx, dann werden Sie Enttäuschung finden. Sind Sie allerdings bereit, tief einzusteigen und lieben es, die Grenzen von Systemen zu erweitern, wenn Sie daran stoßen, dann könnte Habari genau das sein, was Sie suchen.

So, wie ich die Sache sehe, hat es Habari bislang lediglich nicht vernünftig geschafft, die durchaus vorhandenen Anpassungsmöglichkeiten so zu kommunizieren, dass sie auch geglaubt werden. Systeme wie Drupal oder MODx können sich locker damit brüsten, extrem flexibel zu sein – man glaubt es unbesehen. Eine große Community bestätigt die Behauptung und schon werden Legenden zu Fakten. Da kann das kleine Habari mit seiner kleinen Community nicht ordentlich mithalten, ganz abgesehen davon, dass natürlich eine kleinere Community auch weniger Beispiele für großartige Anpassungen hervorbringt als eine große. Das ist im Grunde ein rein quantitatives Problem.


Dashboard in Habaris Admin Panel

Daraus ergibt sich auch ein rein tatsächlicher Nachteil. Natürlich ist Habari sehr flexibel und kann so angepasst werden, dass es nahezu wunschlos glücklich zu machen im Stande ist. Sie können Fotoblogs, Videoblogs, New-Magazine und sogar eCommerce-Websites damit erstellen. Theoretisch.

Praktisch werden Sie so vorgehen, dass Sie in Abhängigkeit der Anforderungen des Kunden-Projekts das spezialisiertere, besser vorkonfigurierte System wählen. Selbst wenn Sie wissen, dass Habari ebenfalls in der Lage wäre, den Anforderungen zu genügen, wenn man es nur hinreichend stark anpasste, werden Sie aus wirtschaftlichen Gründen doch eher auf andere Werkzeuge zurück greifen. Das ist völlig verständlich. Immerhin sparen Sie so Zeit, die Sie im anderen Falle vermutlich nicht einmal bezahlt bekommen hätten. Natürlich darf man dann auch nicht überrascht sein, dass es nur wenige Beispiele für Habari-Websites, die mehr als reine Blogs sind, gibt.

  • Pros: Flexibles CMS mit der theoretischen Fähigkeit, viele Arten von Websites anzutreiben
  • Cons: Beispiele dafür, was das CMS wirklich kann, sind rar gesät

3. Community und Dokumentation (Hilfe und Unterstützung)

Habari erfreut sich einer überaus aktiven, geradezu enthusiastischen Community. In welchem Punkt auch immer Sie Hilfe benötigen sollten, die Habari-Community wird mit an einhundert Prozent grenzender Wahrscheinlichkeit genau diejenige Unterstützung anbieten, die Ihnen weiterhilft. Ich persönlich habe zudem die Erfahrung gemacht, dass die Community kleiner CMS wesentlich freundlicher und hilfsbereiter zu Werke geht als man das von größeren Systemen gewohnt ist. Antworten wie “Nutz die Suchfunktion” oder “Wieso befasst du dich mit so einem System, wenn du zu blöd dafür bist?” sind mir in Habari-Foren bislang nicht untergekommen.

Wo ich gerade bei der Dokumentation ankomme, nun, die könnte wohl verbessert werden. Die Bedieneranleitung und das Wiki sind aktuell und bieten eine solide Unterstützung. Aber alles, was darüber hinausgeht, etwa Screencasts und andere moderne Support-Tools, könnte etwas Aufwand gebrauchen. Damit meine ich nicht die qualitative, sondern lediglich die quantitative Seite. Habari könnte vermutlich größere Verbreitung erfahren, gäbe es deutlich mehr Screencasts. Auch Zahlen zur Nutzung und Verbreitung, möglichst noch grafisch unterstützt sucht man vergebens. Das ist eine ungünstige Situation, bedenkt man, dass das Internet ein Ort extremer Reizüberflutung ist, in dem nur derjenige wahrgenommen wird, der am lautesten trommelt.

  • Pros: Aktive, hilfsbereite Community
  • Cons: Ausführliche Materialien sind extrem textlastig; mehr Screencasts wären sinnvoll

4. Verschiedenes

Habari unterstützt verschiedene Datenbank-Backends, unbegrenzt viele Nutzer, statische Inhalte, Tags und verfügt über automatische Importfunktionen für WordPress und Serendipity. Cool, oder? Gut, schon cool. Aber, da bedarf es weiterer Argumente, wenn man Menschen vom Systemwechsel überzeugen will. Immerhin sind die eben genannten Features keine große, neue, gar sensationelle Sache. Im Gegenteil bietet das jedes halbwegs aktuelle CMS heutzutage.

Was Habari unmittelbar helfen könnte, wäre eine größere Zahl verfügbarer Themes und möglichst sogar die Entwicklung eines Frameworks, wie beispielsweise Twitters Bootstrap oder Hybrid Core für WordPress. Responsive Child Themes wären ein Knüller. Und genau dieser Knüller wird mit der aktuellen Version eingeführt. Ein erstes responsives Theme mit Unterstützung für Child Themes steht bereits bereit.

Es stimmt schon. Die Habari Community ist von genügend Leidenschaft erfasst, den steinigen Weg zu gehen und ihre Plattform, auch bezogen auf den Look der damit erstellten Websites manuell anzupassen. Koste es, was es wolle. Aber, so gewinnt man keine Konvertiten. Und genau dieses Ziel muss Habari verfolgen. Ohne frisches Blut, ohne weitere Verbreitung wird Habari niemals ein wie auch immer gearteter Durchbruch gelingen. Verbreitung erreicht man am ehesten über die Ansprache der End-Nutzer, also der eigentlichen Blogger, der Verwender des Systems. End-Nutzer legen Wert auf vorkonfigurierte Box-Lösungen. Da braucht man sich nichts vorzumachen.

Habaris Plugin-Repository zum Beispiel ist bereits großartig. Nahezu alles, was man für einen Blog benötigen können würde, lässt sich dort finden, sei es Feedburner-Integration, Anti-Spam, Flickr- und Twitter-Integration, Kommentare via Disqus und mehr. Das beweist, dass es Habari nicht an Talent mangelt.

  • Pros: Gutes Plugin-Verzeichnis
  • Cons: Etliches Themes, aber insgesamt zu wenig und häufig mit altbackener Optik

5. Habari im Vergleich mit anderen CMS

Widmen wir uns nun dem direkten Vergleich zwischen Habari und Alternativen. Suchen wir nach einer vergleichbaren Lösung, so kommen natürlich Boliden, wie Concrete5 oder Drupal nicht in Betracht. Eine gewisse Ähnlichkeit lässt sich in Wolf CMS entdecken. Obwohl Wolf CMS sich nicht so sehr als Blogger-CMS positioniert, erinnert mich der schlanke Aufbau des Systems doch stark an Habari.

WordPress bewegt sich mit großen Schritten hin zu einem ausgewachsenen CMS und lässt die Vergangenheit als reines Blogging Tool schneller werdend hinter sich. Insofern ist es kaum sinnvoll, WordPress und Habari miteinander direkt zu vergleichen. Was man gefahrlos sagen kann, ist, dass Habari als reines Blogging Tool wesentlich nutzerfreundlicher als WordPress ist.

Obschon relativ betagt, befindet sich Habari noch im Kleinkind-Alter. Bis zu einer Version 1.0 hat es auch nach fünf Jahren noch nicht gereicht, aktuell ist Version 0.9. Natürlich hat das einerseits was mit der Namenskonvention zu tun, andererseits wird niemand ernsthaft behaupten wollen, dass sich Habari aktuell auch nur im Ansatz mit einem WordPress 3.5 messen könnte, selbst wenn man ihm eine ähnliche Versionsnummer aufgepfropft hätte. Dabei ist WordPress nicht einmal wesentlich älter.

Anfangs war WordPress dem jetzigen Habari nicht unähnlich – schlank und flink. Über die Jahre wurde WordPress dann immer größer, aufgeblasener. Nicht ohne Grund dürfte es gewesen sein, dass es ausgerechnet ehemalige WordPress-Entwickler waren, die Habari aus der Taufe hoben. Auch aktuell ist lang nicht jeder mit der Richtung einverstanden, in die WordPress steuert. Gerade das letzte Update stieß auf ein hohes Maß an Ablehnung. Vornehmlich der komplexer, aber auch komplizierter gewordene Media Manager und der Verzicht auf den von Beginn an etablierten Links Manager teilte die Community. Wenn das etwas zeigt, dann doch, dass es eine nicht unerhebliche Zahl von WordPress-Nutzern gibt, die nach Alternativen suchen. Dabei müsste die passende Alternative zurück zu den Wurzeln, schlank und flink sein.


Image Credit

Wenn Habari doch so toll ist, wieso ist WordPress weit populärer?

Wie ich bereits erwähnte, benötigt Habari deutlich mehr Unterstützung in vielerlei Hinsicht. Mehr und bessere Themes, bessere Marketing-Materialien, mehr Screencasts und so weiter. Ebenfalls nicht schaden könnte mehr Berichterstattung. Machen Sie sich mal den Spaß und googlen Habari. Google News wirft nichts, Google Web ganz wenig aus. Von all diesen Dingen scheinen die Entwickler unbeeindruckt. Anders kann ich mir den falschen Fokus nicht erklären. Anstatt auf die Steigerung der Bekanntheit zu setzen und alle Arbeit dort hinein zu investieren, stellt man Importer für Serendipity und WordPress bereit. Abgesehen davon, dass ein Importer für Serendipity eher in homöopathischen Dosen nachgefragt werden dürfte, stellt sich aber auch hinsichtlich des vom Ansatz her populäreren Importers aus WordPress die grundsätzliche Frage, warum den überhaupt jemand benutzen wollen sollte. Bevor ich auf Migration setze und diese unterstütze, sollte ich doch zunächst einmal Gründe für den Wunsch nach Migration schaffen. Davon gibt es momentan noch zu wenige…

Grundsätzlich sollte Habari sich auf die Gruppe der Nutzer fokussieren, denen Tumblr oder Blogger zu eng sind, WordPress aber zu groß ist. Habari eignet sich hervorragend für den Betrieb eines Tumblog und kann natürlich auch alles, was Googles Blogger kann. Bei letzterem kommt noch hinzu, dass Blogger-Nutzer in letzter Zeit eher mehr Vertrauen als weniger verlieren. Googles Umgang mit dem Blogging-Service ist hinsichtlich der Zukunftsperspektiven nicht sehr vertrauenerweckend.

Blogger und Tumblr sind gehostete Plattformen. Sollte Habari zum WordPress.com für Arme werden?

Auf keinen Fall! Habari sollte bleiben, was es ist: Ein CMS für Blogger, nicht ein gehosteter Blogger-Service. Allerdings sollte Habari durchaus versuchen, in die Lücke zwischen WordPress und anderen Blogger-Tools, gehostet oder lokal installiert, vorzustoßen. Wie ich die Dinge sehe, wird Habari niemals wirklich in das Unternehmensumfeld vorstoßen können. Es sollte sich daher auf die Zielgruppe derer konzentrieren, die derzeit bei Tumblr oder Blogger oder ähnlichen Diensten residieren, weil ihnen WordPress zu aufgeblasen ist. Das würde natürlich leichter fallen, hätte man eine schöne Stange schicker und moderner Themes am Start…

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Weitere Links zum Beitrag:

Der Artikel entstand als Kooperation zwischen Sufyan Bin Uzayr und Dieter Petereit.

(dpe)

Unter der Bezeichnung "Redaktion Dr. Web" finden Sie Beiträge, die von mehreren Autorinnen und Autoren kollaborativ erstellt wurden. Auch Beiträgen von Gastautoren sind hier zu finden. Beachten Sie dann bitte die zusätzliche Autorenangabe im Beitrag selbst.

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