CMS werden in aller Welt benötigt, entsprechend werden sie auch in aller Welt entwickelt. Das System, welches wir uns heute anschauen wollen, stammt vom Franzosen Philippe Archambault. Archambault gehört zu den Entwicklern, die über sich selbst nahezu nichts und über ihre Projekte nur das nötigste kommunizieren. So ist auch das “Frog CMS” ein System, dass sich nicht unbedingt einer großen Informationsbasis erfreut. Ein Grund mehr, es allen Interessierten bei Dr. Web ein wenig näher zu bringen.
Basics
Ursprünglich hieß Frog CMS radiantPHP. Radiant ist ein bekanntes CMS auf der Basis von Ruby On Rails und radiantPHP sollte ein Klon des Systems auf Basis von PHP werden. Nachdem das PHP-Team nicht so rechte Freude daran entwickeln konnte, dass sein Markenzeichen im Namen des CMS Verwendung finden sollte, gab Archambault nach einigen Diskussionen klein bei und benannte sein System bereits Anfang 2007, kurz nach dem Start, in “Frog CMS” um.
Mittlerweile sind aufgrund der unabhängig vom Ursprungsprodukt verlaufenden Entwicklungen zwar immer noch Ähnlichkeiten zwischen Radiant und Frog zu erkennen, jedoch sind beide Produkte auf dem Weg in unterschiedliche Richtungen. Ohne Archambault zu nahe treten zu wollen, muss man doch unumwunden zugeben, dass hinter Radiant schlicht die potentere Entwicklergemeinschaft steht und sei es auch nur durch eine zahlenmäßige Überlegenheit.
Von den Systemvoraussetzungen her gibt sich Frog bescheiden. PHP 5 oder höher, sowie MySQL 4.1 oder höher oder SQLite 3 mit PDO, sowie einen Webserver sollten selbst Kunden von Shared Space locker aufbieten können. Die empfohlene Datenbanklösung stellt natürlich MySQL 5 dar. Damit sind bislang keine Probleme aufgetreten. In Sachen Webserver behauptet das Team, auch zum IIS kompatibel zu sein, was Windows-Nutzer freuen wird. Auch hier gibt es jedoch eine klare Empfehlung und die lautet Apache mit Mod_Rewrite.
Mit 1,8 MB Gesamtgewicht und wenigen hundert Einzeldateien gehört Frog zu den schlankeren Vertretern seiner Art. Nicht unwichtig für den Einsteiger ist auch die Aktivität des angegliederten Forums, mit dessen Hilfe es mir gelang, etwaige Hürden in der Installation und den ersten Schritten der Umsetzung bereits im Vorfeld zu überspringen. Frog CMS liegt derzeit in der Version 0.9.5 vor, eine Roadmap für das Erreichen der 1.0 liegt zwar hinsichtlich der angestrebten Funktionalität vor, Termine werden jedoch nicht genannt.
Installation
Nachdem das CMS mittels des Lieblings-FTP-Clients, in meinem Falle derzeit Transmit, hochgeladen wurde, sollten noch Schreibrechte auf die config.php und den Ordner public erteilt werden. Der erstmalige Aufruf der (Sub-)Domain startet den Installationsprozess, der lediglich noch darin besteht, die Datenbankverbindung zu konfigurieren und optional ein Datei-Suffix zu vergeben für die Simulation statischer HTML-Seiten.

Sind die Angaben gemacht, präsentiert Frog nach kurzer Bedenkzeit den zweiten und letzten Installationsscreen, der das Initialpasswort enthält sowie darüber informiert, was dem Installateur noch zu tun verbleibt. Hierzu gehört vor allem das Löschen des Install-Verzeichnisses sowie das Aufheben der Schreibrechte auf die config.php. Zur weiteren Erhöhung der Sicherheit empfiehlt Frog, auch Dateien mit .txt-Endung zu entfernen, um interessierten Dritten nicht zuviele Informationen über das System zu überlassen. Alles in allem ist der gesamte Prozess nahe an der legendären WordPress-Installation dran.

Nach dem Entfernen der empfohlenen Dateien sollte Ihr Installationsverzeichnisses dem folgenden Bild entsprechen:

Halten Sie sich übrigens nicht an die Empfehlungen, deaktiviert sich Frog selbst:

Erste Eindrücke
Login und Übersichtsscreen werden bei CMS-erfahrenen Seitenbetreibern keine Überaschung auslösen. Im Gegenteil ist Frog-CMS so simpel strukturiert, dass selbst Personen mit weniger CMS-Erfahrung schnell zu ersten Ergebnissen kommen werden, soweit es um die Erstellung und strukturierte Anzeige von Content geht. Die erste Seite ist schnell geschrieben, formatiert wird per Textile oder Markdown.



Unter “Metadata” können weitere Angaben zur Seite geschrieben werden. Hier in erster Linie die Definition des Permalinks, des Breadcrumb und etwaiger Tags. An dieser Stelle lässt sich auch steuern, wann die Seite erscheinen soll. Als Seite gilt übrigens jede Art schriftlichen Contents, also auch die Homepage, aber auch einzelne Blog-Beiträge. Eine weitere Unterscheidung, wie sie etwa bei WordPress üblich ist, kennt Frog nicht.

Nicht überall üblich ist auch die eingebaute Zugangsbeschränkung. Vergibt man einer Seite das Attribut “Login required”, können diese nur eingeloggte User sehen. Schön ist, dass alle steuerbaren Attribute einfach im Wege des “inherit” vom nächsthöheren Element vererbt werden und so nicht in jedem Falle Einstellungen vorgenommen werden müssen.
Nach dem Login sollte allerdings der erste Weg in die User-Administration führen, um das vom System vergebene Initialpasswort zu ändern. Die User-Verwaltung unterstützt den Dienst Gravatar und kennt drei Rollen. Der Admin legt so fest, ob ein User Administrator, Entwickler oder Editor ist. Etwas grob, aber immerhin.
Bei dieser Gelegenheit stellen Sie in der Administration auch gleich die Backendsprache auf “German” um und erfreuen sich fortan einer deutschsprachigen Administrationsoberfläche. An dieser Stelle lassen sich einige weitere praktische Voreinstellungen treffen, etwa ob standardmäßig Textile, Markdown oder nichts zum Einsatz kommen soll oder ob Seiten standardmäßig als Entwurf gespeichert oder direkt veröffentlicht werden sollen.

Ebenfalls in der Administration findet sich die Verwaltung der Plugins. Ähnlich wie in WordPress versuchen die Entwickler, den Core so schlank wie möglich zu halten und stattdessen Zusatzfunktionalitäten im Wege des Plugin bereit zu stellen. Einige Plugins werden im Paket direkt mitgeliefert. Manche, wie der Filemanager oder die bereits genannten Formatierungsfilter sind bereits aktiviert, andere wie das recht elegante Kommentarplugin nicht.

Das Kommentar-Plugin bietet eine vollständige Kommentarverwaltung, inklusive Moderation, Captcha und anderem und erlaubt damit den sofortigen Einsatz von Frog als Blogging-Plattform. Ob Kommentare zugelassen sind oder nicht, entscheidet der Autor der jeweiligen Seite für die jeweilige Seite.

Im Dateimanager, der das Verzeichnis “Public” verwaltet, werden nicht nur alle Arten von Medien der Website angezeigt, auch für die Optik des Frontend spielt der Dateimanager ein große Rolle. Im Verzeichnis “Public” findet nämlich auch die Theme-Verwaltung statt. Die hingegen ist weniger intuitiv.
Schnipsel und Layouts – das Themingkonzept
Als großen Wurf verkauft Archambault das optische Konzept des “Frog CMS2. Nach seiner Auffassung ist es nachgerade ein Knüller, dass Frog PHP auch für das Templating nutzt und so auf eine spezialisiertere Vorgehensweise, etwa via Smarty verzichtet werden kann. So sei es insbesondere für den erfahrenen PHP-Entwickler ein Klacks, in der ihm vertrauten Sprache ansprechende Layouts zu realisieren. Archambault hält offenbar nicht viel von Arbeitsteilung im Entwicklungsprozess. Nur wenige Designer, die ich kenne, würden sich auch als erfahrene PHP-Entwickler bezeichnen. Bei Frog gilt: Designed wird in PHP/CSS.

Schnipsel erleichtern dem Entwickler insofern die Arbeit, als er wiederkehrende Layout-Elemente wie Header, Footer oder Sidebars eben als solche Schnipsel anlegen und dann im Layout immer wieder verwenden kann. Insgesamt stellt das Konzept zwar einen klaren Ansatz dar, jedoch einen, den man mögen, der der eigenen Arbeitsweise liegen muss. Mein Ansatz ist das nicht.
Sinnvoll in diesem Zusammenhang ist immerhin, dass sowohl Layouts, wie auch Schnipsel über das CMS verwaltet und bearbeitet werden können. So ist prinzipiell für die Entwicklung von Layouts in Frog kein externes Entwicklungstool notwendig, was der Übersichtlichkeit im Arbeitsablauf dienen kann.
Obschon gewöhnungsbedürftig, lässt sich der Grundgedanke der Layout-Entwicklung zügig erfassen. Wer also muss oder will, kann sich in akzeptabler Zeit einarbeiten. Dabei sollte Startpunkt ein bereits fertiges Theme sein, von denen es eine erkleckliche Zahl in ansprechender Qualität bei Frog zum Download gibt.
Fazit: “Frog CMS” ist ein System für den eingefleischten PHPler und so betrachtet eher eine Art CMS-Framework. Archambault legt Wert auf die Feststellung, dass die API so gestaltet ist, dass man eigene Erweiterungen “very easily” einbinden kann. Das scheint zu stimmen, denn die Seite Contributed Plugins beherbergt bereits jetzt eine Vielzahl nützlicher, wie moderner Zusatzfunktionalitäten. Wer für seinen Kunden den Einsatz von WordPress als CMS in Erwägung zieht, sollte auf jeden Fall auch einen Blick auf Frog werfen. Der reine Blogger fährt derzeit mit Systemen wie WP, Movable Type und Textpattern wesentlich besser. ™
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