Freibeuter der Netze
von Sven Lennartz
Das ist vielleicht jedem schon einmal passiert, mühsam erstellte Grafiken finden sich plötzlich auf ganz anderen Seiten wieder. Gerade kleinere Elemente wie Buttons, Linien, Symbole, Animationen und Typozeichen gelten als beliebte Sammelobjekte.
Wenn eine Site kostenlos Informationen anbietet, bedeutet das nicht, daß man sich gratis zu eigenen Zwecken bedienen darf. Selbst bekannte Werke sind von zahlreichen Dumpfhirnen schon als eigenes Opus ausgegeben worden. Sich mit fremden Federn und auf Kosten anderer schmücken zu wollen, zeugt von peinlicher Dummheit, blauäugiger Unbedarftheit oder in schlimmen Fällen von aufkeimender krimineller Energie.
Textklau springt weniger ins Auge, kommt aber ebenso häufig vor. Da passiert es, daß sich ein Kollege unserem Vorstellungstext einverleibt und dann auf seiner Startseite präsentiert. Auch der Ideenreich Slogan wird bedenkenlos kopiert. Wie muß es da um die Kreativität und Formulierungskünste solcher Agenturen bestellt sein? Gar nicht zu reden von damit einhergehender Unfairnis. Rechtlich in Ordnung ist das ebenfalls nicht.Versuchen Sie das mal im richtigen Leben. Heerscharen gieriger Anwälte sorgen für blutige Nasen.
Auch das Webportal ist ein beliebtes Objekt der Begierde. Eine Linkliste zu kopieren mag ja noch hingehen, so sie eh allgemein bekannte Verweise anbietet. Eine spezielle Zusammenstellung oder Kommentare zählen nicht in die Rubrik Freiwild.
Javascripts aus Fremdseiten zu klauben ist längst zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Das Auslagern in separate Dateien hilft, schützt aber nicht.
Wer sich anregen läßt, wer lernt oder die Ideen anderer aufgreift und weiterentwickelt, muß sich dafür nicht schämen. Das tun wir alle. Wer sich am Eigentum anderer vergreift, muß mit Konsequenzen rechnen.
Wenn Sie sich als Opfer eines Freibeuters wiederfinden, genügt oft eine freundliche aber bestimmte Email. Mancher bekommt einen Schrecken und das war's dann. Wer hier klaut, wird zukünftig eine Rechnung über "Lizenzgebühren" bekommen. Wenn das nicht reicht, bleibt noch die Möglichkeit, die Sache öffentlich anzuprangern.









