Knapp ein Jahr nach dem letzten Flash-Release erscheint schon die nächste Version. Bietet sie genug Neues, um ein Update zu rechtfertigen?
Beim ersten Start der neuen Flash-Version fällt zunächst auf, dass dieser erstaunlich schnell vonstatten geht. Schon mit Flash 8 hatte Macromedia die Performance seiner Web-Authoring-Software deutlich verbessert. Die aktuelle Version CS3 scheint subjektiv noch etwas schneller zu laden.

Gut ein Jahr nach Flash 8 liegt nun schon die nächste Version in den Regalen
Das Interface zeigt keine gravierenden Veränderungen. Es wurde ein wenig hübscher gestaltet. Ein dunkler Fonds, ähnlich wie man ihn bereits bei Acrobat 8 gesehen hat, gibt dem Werkzeug einen professionellen Touch. Die Werkzeugleiste erscheint plötzlich einspaltig, ist aber per Mausklick zur gewohnten Optik zurück zu setzen. Bemerkenswert sind vielleicht die kleinen Schnellstart-Buttons für die Paletten zur Rechten. Sie sind allemal angenehmer zu bedienen als die gewohnten Karteikartenreiter. Und noch ein nettes Detail: Verschobene Fenster erscheinen halbtransparent und lassen sich somit etwas genauer positionieren. Erst nach dem Loslassen liegen sie wieder deckend auf der Arbeitsfläche.
Gehen wir die neuen Funktionen in Flash CS3 in der Reihenfolge der Auflistung in der Online-Produktbeschreibung durch.
Photoshop- und Illustrator-Import
Im Workflow wird diese Funktion natürlich einen sehr hohen Stellenwert einnehmen. Flash erkennt und liest Photoshop-Dateien samt Ebenen. Einige der Ebenen-Effekte bleiben sogar editierbar, wenn Flash diese unterstützt.
Das erste sehenswerte Detail wartet bereits im Import-Dialog. Flash CS3 bietet dem geneigten Benutzer die Option, die Flash-Bühne auf die Größe des importierten PSD-Dokuments zu beschneiden. Außerdem erlaubt der Dialog die Auswahl bestimmter Ebenen aus dem Dokument. Und dritten können die Ebenen natürlich auch in Schlüsselbilder aufgelöst werden. Auch das ein bekannter Arbeitsvorgang für grafische Animateure.
Nach dem ersten Import unserer Testdatei gab es lange Gesichter: Alle Photoshop-Elemente erschienen als gerasterte Bitmaps. Zwar erhielt Flash die Ebenen, mehr aber auch nicht. Erst beim zweiten Import der gleichen Datei entdeckten wir die Killerfunktion. Beim Klick auf jede einzelne Ebene lassen sich individuelle Import-Parameter festlegen. So wurde der Text editierbar gehalten, der halbtransparente Kasten erschien mit einem Alphawert von 46 und als Vektorgrafik. Leider ging der Schlagschatten des Texts verloren und der Glow beim Kasten wurde zu einer zweiten Vektorform aufgelöst.

Im Importdialog bestimmt der Flasher, wie Photoshop-Ebenen aufgelöst werden sollen
Auch in weiteren Tests wurden Schatten und Glows ignoriert bzw. zu Vektoren umgerechnet. Dafür erschien beim Test mit unterschiedlichen Überblendungsmodi zwischen den Ebenen plötzlich ein kleines neues Drop-Down-Menü im Eigenschaftsinspektor, mit den bekannten Überlagerungsmöglichkeiten aus Photoshop. Die funktionieren auch bei in Flash erzeugten Vektorgrafiken. Nur Tweenen kann man damit nicht.

Flash erhält die Kopiermodi aus den Photoshop-Ebenen und kann diese auch bearbeiten
Neue Zeitleistenfunktionen
Auf der Adobe-Website heißt es: „Die präzise steuerbare, Frame-basierte Zeitleiste unterstützt Sie bei der raschen Erstellung von Grafikanimationen mithilfe traditioneller Techniken wie Keyframing und Tweening.“ Wow. Welche geballte Flash-Kompetenz zeichnet den Redakteur der deutschen Website aus. Was hier beschrieben wird, kann Flash seit der Version 3.
Neu hingegen ist ein wesentlich verbessertes Kontextmenü unter der rechten Maustaste. Zunächst wurde endlich auch die Formanimation per Rechtsklick installiert. Sind Symbole in den Schlüsselbildern angelegt, verweigert die Option folgerichtig den Dienst.
Im unteren Teil des Kontextmenüs befinden sich vier Möglichkeiten ganze Animationen zu kopieren und einzufügen. Besonders interessant scheint die Option des „speziellen Einfügens“. Hier kann der Benutzer selektieren, welche Animationsparameter erhalten bleiben sollen und welche nicht. Sicher ein Feature für Spezialfälle, aber zumindest beachtenswert. Die Königsfunktion verbirgt sich aber zweifellos unter dem Menüpunkt „Animation kopieren zu ActionScript 3“, aber dazu gleich mehr.
Grafische Grundformen
Ein eher kleineres, aber doch nützliches Feature stellen die grafischen Grundformen dar. Dabei handelt es sich um Vektorobjekte, die auf Kreisen und Rechtecken basieren und diese modifizieren. Beim Rechteck geht es im Wesentlichen um abgerundete Ecken, die sich allerdings auch negativ, also nach innen gekehrt anwenden lassen. Beim Kreis lassen sich Tortenstücke definieren, die vor allem für Businessgrafiken interessant sind. Das witzige an dieser Funktion ist, dass es sich beim nächsten Einsatz die Einstellungen gemerkt hat. So zeichnet man mit dem voreingestellten Grafikobjekt.
Da es sich um ein Vektorobjekt handelt, lässt es sich auch problemlos per Skript erzeugen und modifizieren. Das erweitert die Möglichkeiten für dynamische Grafiksysteme, etwa bei der automatischen Herstellung grafischer Wetterkarten.

Die Darstellung fertiger Bedienelemente lässt sich nun mit wenigen Mausklicks ändern
Und noch eine weitere grafische Verbesserung zeigt Flash und die hat es in sich. Die Skins von vorgefertigten Bedienelementen, zum Beispiel den Kontrollknöpfen für ein Video, lassen sich jetzt wesentlich leichter editieren. Flash zeigt alle grafischen Einheiten auf einen Blick. Wer einmal versucht hat, die Skins in früheren Flash-Versionen zu ändern und daran kläglich gescheitert ist, wird sich über die neue Funktion freuen.
Video und Sound
Es mag an der Popularität von YouTube liegen, dass sich die Projektmanager von Flash dazu hinreißen ließen, die „ausgereiften Funktionen zur Videobearbeitung“ und die „MP3-Unterstützung“ auch in der neuen Version als wichtiges Feature hervorzuheben. Wichtig ja, neu keineswegs. Bereits in Flash 8 gab es den praktisch identischen Video-Import inklusive On2-Codec. Und auch die Player-Skins stellen keine Neuheit dar.
Die Tatsache, dass Soundbooth nun ein Schwesterprodukt von Flash ist und in der Suite zum Bearbeiten von MP3-Dateien herangezogen werden kann, rechtfertigt keineswegs, MP3 zu den neuen Talenten von Flash zu zählen. Im Klartext: Dieser Ansatz hat peinliche Züge.
Neuer Zeichenstift
Für den unbedarften Vektorzeichner ändert sich auf den ersten Blick wenig. Für den Illustrator-Artisten bringt das neue Werkzeug Flash endlich auf den aktuellen Stand. Der neue Zeichenstift reagiert auf die gleichen Tastatur-Befehle wie in Adobes Grafik-Werkzeug. Einmal gelernte Techniken lasen sich nun auch in Flash nahtlos einsetzen. Zeichnungen, die in Illustrator erstellt wurden, lassen sich nun direkt nach Flash kopieren, ohne Umweg über ein passendes Speicherformat.
Verbesserte Actionscript-Konsole
Die professionellen Coder werden wenig Nutzen in dieser Verbesserung finden. Sie schreiben ihre Programmierungen meist ohnehin in einem externen Editor. Flasher, die in der Flash-Umgebung bleiben, finden hier allerdings eine Reihe hilfreicher Erleichterungen:
- markierte Codezeilen lassen sich „zusammenklappen“ und schaffen somit mehr Übersicht
- es gibt neue Werkzeuge um ganze Segmente im Skriptfenster zu kommentieren
- eine Autoformat-Option redigiert die Syntax für ActionScript 3
- ActionScript 3 führt eine neue Klasse für die Haupt-Timeline ein, die beim starten des Films initialisiert wird
- Bibliotheks-Symbole können mit Klassen ausgerüstet werden um sie direkt durch AS ansprechen zu lassen
- Im Compiler angezeigte Fehler öffnen bei Doppelklick die entsprechenden Zeilen im AS-Fenster

Der neue Debugger analysiert die laufende SWF-Datei und verlinkt direkt auch den zu ändernden Code
Neben diesen Einzelheiten sticht vor allem der neue Debugger heraus. Es ist gar nicht „ein“ Debugger sondern ein Debugging-Modus.
Copy Animation to ActionScript
Das wohl wichtigste neue Feature neben dem PSD-Import haben wir uns bis zum Schluss aufgespart. Die Rede ist von grafisch aufgebauten Animationen in Form von Tweenings, die sich von Flash CS3 in ActionScript übersetzen lassen. Das Prinzip ist denkbar einfach: Animation anlegen, Frames in der Timeline auswählen und mit dem Befehl „Copy animation to ActionScript“ in die Zwischenablage übernehmen. Flash erwartet Instanznamen für die Symbole. Die lassen sich aber auch nachträglich noch vergeben.
Mit diesem Hilfsmittel können selbst komplexe Bewegungsabläufe in einem einzigen Frame als Script abgelegt werden. Das macht die Filme deutlich schlanker und erlaubt die spätere Modifikation durch Veränderung einzelner Parameter. Das kann entweder durch den Autor des Films oder auch durch den User geschehen, wenn man die Animationsparameter mit Eingabevariablen verbindet.

Mit drei Mausklicks wird ein komplettes Tweening als Programmierung aufgelöst
Natürlich ist diese Funktion brandneu und verlangt einen aktuellen FlashPlayer, der ActionScript 3 versteht, also den FlashPlayer 8, der seit November verfügbar ist. Bis eine nennenswerte Verbreitung dieses Players erreicht wird, haben Flasher noch jede Menge Zeit, sich an die Möglichkeiten dieses Befehls zu gewöhnen.
Fazit
Wer sich vor kurzem erste die Version 8 von Flash besorgt hat, sollte sich CS3 nur gönnen, wenn er in den neuen Funktionen einen konkreten Bedarf sieht. Im Wesentlichen erleichtern die Neuheiten Arbeitsabläufe die aber für die meisten Flasher zur Alltagsroutine gehören und daher nicht wirklich negativ ins Gewicht fallen. Photoshopper, die viel mit Flash arbeiten, werden die Importmöglichkeiten genießen und sie werden die neue Version von Flash ohnehin im WebDesign-Paket von CS3 vorfinden.
Flasher, die sich die Version 8 gespart haben, sollten jetzt allerdings zuschlagen. Gerade im Bereich der ActionScript-Entwicklung macht Flash CS3 weiter Fortschritte und stellt die Weichen für die Zukunft.
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