von Thomas Kübek
Metamorphose am Bildschirm: Eine Animation erweckt den Eindruck, dass sich ein Mensch in ein Raubtier verwandelt. Das Unternehmen Abrosoft verspricht mit Fantamorph einfach und schnell zu erstellende Bild-Morphs und Filme.
Wie bei anderen Animationen auch werden beim Morphen zumindest zwei Ausgangsbilder benötigt. Der Morph beginnt mit dem Ausgangsbild (links) und wird in das Schlußbild (rechts) übertragen. Die Aufgabe des Programms besteht darin, die Einzelbilder der Animation zu erstellen und im Vorschaufenster (unten) anzuzeigen.

Das Interface von FantaMorph
Schlüsselpunkte, die heimlichen Helfer des Morphers
So genannte Schlüsselpunkte führen zusammen, was zusammen gehört. Jeder Punkt, den man im Ausgangsbild oder im Zielbild hinzufügt, taucht im anderen Bild automatisch als korrespondierender Partnerpunkt auf. Beide zusammengehörende Punkte können unabhängig voneinander verschoben werden.
So ist es auf einfache Art und Weise möglich, dem Programm zu erklären, wo beispielsweise die Nasenspitze im Ausgangsbild ist und wo sie im Zielbild erscheinen soll. Dem Programm ist es dabei egal, ob es sich um Nasenspitze, Ohrläppchen, Grashalm oder Hemdknopf handelt. Es ist in der Lage den Ausgangspunkt im Quellbild mit dem Endpunkt im Zielbild zu verbinden. Je mehr solcher Schlüsselpunkte gesetzt werden, desto besser wird das Programm den Morphingeffekt umsetzen.
Schlüsselpunkte können durch einen Klick auf die rechte Maustaste gelöscht und per Drag&Drop nachträglich verschoben werden. Die Bearbeitung von mehreren Punkten ist ebenso möglich.
Das Endergebnis wirkt meist professioneller, wenn die Punkte im Zielbild nicht allzuweit verschoben werden müssen. Um das zu erreichen, sollten Quelle und Ziel ähnliche Proportionen aufweisen.
Das zeitaufwändige Rendern und anschließende Exportieren des Ergebnisses entfällt. Versteht die Grafikkarte den industriellen Grafikstandard OpenGL, sind Renderzeiten in Echtzeit keine Hexerei. Die drei Jahre alte Grafikkarte des Testgeräts bringt es auf 180 Frames pro Sekunde.
Grafikformate
Unterstützt werden die Bildformate BMP, JPEG, TIFF, PNG, TGA, PCX, GIF, (nur Import: WMF, EMF). In der Professional-Edition können auch 32-Bit Bilder mit Alpha-Kanal in den Formaten BMP, TIFF, PNG und TGA genutzt werden. Filmexport ist als AVI, SWF Flash-Film, animiertes GIF, HTML, lauffähige EXE oder Bildschirmschoner möglich.
Bildbearbeitung
Quellbilder werden bei Bedarf direkt im Programm beschnitten, rotiert oder gespiegelt. Justierungen an Helligkeit, Kontrast und den Farbkanälen Rot, Grün, Blau sind ebenso möglich, wie Schärfen, Glätten oder Verwischen.
Filmgröße
Die Bildgröße kann beliebig geändert, Proportionen können dabei berücksichtigt werden. Die Anzahl der Frames eines Projekts liegt standardmäßig bei 15. Wollen Sie einen detailreichen Morph erstellen, experimentieren Sie mit höheren Werten (max. 999). Die Anzahl der Frames sollte nicht mit der Anzahl der Frames pro Sekunde verwechselt werden. Ein fertiger Film kann nicht mit mehr als 60 FPS (Frames pro Sekunde) abgespielt werden. Daraus können wir folgende Formel für ein Projekt ableiten:
Filmdauer in Sekunden = Anzahl Frames (3 bis 999) / FPS (1 bis 60). Diese Grenze kann mit dem Bildsequenzpacker erweitert, beliebig viele Bilder in einem Film erfasst werden.
Bildsequenzen mit mehr als zwei Ausgangsbildern
Der eingebaute Bildsequenzpacker kombiniert eine beliebige Anzahl von Bildern zu einem Film. Die eigentliche Arbeit nimmt er einen nicht ab, aber nachdem man alle gewünschten Übergänge gemorpht und als Einzelbilder gespeichert hat, kann man mit dem Bildsequenzpacker beliebig viele Bilder öffnen und als kompletten Film exportieren.
Mehrfaches Morphen: Das Morphen von mehr als zwei Bildern in einem Projekt soll bald durch ein kostenloses Update verfügbar sein:

Mögliche Projektarten
Verzerren ist das Morphen mit dem selben Quellbild für Anfang und Ende eines Projekts. Durch bewusstes Versetzen von Schlüsselpunkten im Zielbild können so (unterhaltsame) Effekte erzielt werden.
Zusatzeffekte
Interessante Effekte, die aus professionellen Programmen zur Videobearbeitung bekannt sind, lassen sich (nur in der Professional Edition) mit Hintergrund, Maske und Vordergrund erzielen. Der Hintergrund kann ein geladenes Bild sein, alternativ wählen Sie im Menü “Werkzeuge/Optionen” eine Farbe als Hintergrundfarbe aus. Mit einer Maske (256-Graustufen Bitmap) wird die Helligkeit jedes Pixels auf die Transparenz des Morphs angewendet. Mit dem passenden Vordergrund lassen sich Bilderrahmen und viele andere Ideen verwirklichen, sofern es sich dabei um ein 32-Bit-Bild mit Alpha-Kanal handelt.
Gestaltungshungrige können den Import von Skins als Labstation nutzen und die Oberfläche mit Selbst erstellten Skins nach eigenen Vorstellungen gestalten.
3 Anzeigemodi
Über das Menü “Anzeige” oder die Tasten F5, F6, F7 werden die Anzeigemodi eingestellt. Die Standardeinstellung zeigt eine Gesamtansicht (Voll) mit Startbild, Zielbild und Morphingvorschau. F6 (Nur Änderung) zeigt die Quellbilder ganzseitig, F7 (nur Vorschau) das Vorschaufenster.
Versionen
FantaMorph3 läuft unter Windows 2000/XP. Abrosoft bietet eine Professional (Pro) und eine Standard (SE) Edition an.
Was in der SE Edition nicht enthalten ist:
- Export von Morph-Filmen mit zusätzlichen Effekten (Hintergrund, Maske und Vordergrund)
- Import und Export von 32-Bit-Bildern mit Alpha-Kanal
- eingebauter Bildsequenzpacker (für mehr als zwei zu morphende Bilder)
- Import von zusätzlichen Skins
Die Pro-Version schlägt mit etwa 50,- US Dollar, die Standard-Version mit knapp 30,- US Dollar zu Buche und beinhaltet eine Einzelplatzlizenz für den persönlichen Gebrauch.
Möchte man das Programm kommerziell nutzen, schnellen die Ausgaben mit 299,95 US Dollar (Pro) und 199,95 US Dollar (SE) in die Höhe. Diese Angaben beziehen sich auf Informationen der englischsprachigen Webseiten, auf den deutschsprachigen befanden sich keine Angaben zu kommerziellen Versionen.
Die Vor- und Nachteile in der Übersicht:
Plus
- 30 Tage Testversion
- leicht zu bedienen, ansprechendes Interface
- schnell in der Ausführung, Rendering mit Echtzeitvorschau (OpenGL)
- Import und Export der gängigsten Bildformate, inkl. 32 Bit mit Alpha-Kanal
- Export von Filmen, auch Flash (SWF), GIF-Animationen und HTML Dokumenten
- in vielen Sprachen (auch in Deutsch) erhältlich
- 3 Anzeigemodi
- Informative Webseite in vielen Sprachen (auch in deutsch)
- Hersteller belohnt Engagement nach eigenen Angaben mit Gratis-Versionen
Minus
- Der Preis (für die private und die kommerzielle Nutzung) rechnet sich erst bei häufigem Gebrauch
- Die Texte der Hilfe Funktion stehen nur in Englisch zur Verfügung
- Die Webseiten des Herstellers in unterschiedlichen Sprachen haben zum Teil unterschiedliche Inhalte
Fantamorph überzeugt durch Unterstützung vieler Grafikformate, zahlreiche Exportmöglichkeiten, einem ansprechenden und einfach zu bedienenden Interface, Vorschau in Echtzeit und brauchbare Spezialeffekte. Wer das Programm kostenlos testen möchte kann dies 30 Tage lang tun. ™
Thomas Kübek ist selbständiger Webdesigner in Wien.
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