Ich gehöre zu den Menschen, die ihren Informationsüberschuss nur mit der Hilfe einiger GTD-Werkzeuge im Griff behalten können. Eines dieser bislang von mir täglich und intensiv eingesetzten Werkzeuge hört auf den Namen “Google Notebook” (GN). Seit nahezu drei Jahren habe ich mich auf den Service verlassen und da er von Google angeboten wurde, dachte ich wohl, der Dienst würde ewig leben. Glücklicherweise irrte ich, denn sonst hätte ich vermutlich niemals ernsthaft nach Alternativen gesucht.
Das Ende des Google Notebook
Als das Entwicklerteam am 14. Januar bekannt gab, man hätte die Fortentwicklung des Notebook mit sofortiger Wirkung gestoppt und würde auch keine neuen Nutzer mehr annehmen, bekam ich davon zunächst gar nichts mit. Allerdings schlug das Thema in den Folgetagen recht hohe Wellen, vor allem im englisch-sprachigen Web und schon nach kurzer Zeit verfestigte sich bei mir der Eindruck, dass durch die offenbar einsetzende Massenflucht der endgültige Exitus des Produkts maßgeblich beschleunigt werden würde. Ich begann, nach Alternativen zu suchen und fand auch einige. Allerdings wäre der Umstieg jeweils mit deutlichem Aufwand meinerseits einher gegangen. Drei Jahre voller Notizen zieht man von Hand nicht in einer Stunde um und Zeit ist Geld.
Evernote bietet Google-Importtool
Mit großem Interesse las ich gestern die Einladung der Hersteller von Evernote an alle Google Notebooker, schmerzfrei zu migrieren. Evernote bietet seit gestern ein Importtool für Google Notebooks an und das funktioniert so:
- In GN öffne man Notebook für Notebook und speichere es über den am unteren Bildschirmrand befindlichen Link “Exportieren” ab. Als Exportformat wähle man Atom. Auf diese Weise erhält man ein XML-File auf der Festplatte. Diese Prozedur muss man für jedes einzelne Notebook wiederholen. Zwar gibt es ein Greasemonkey-Script mit dem schönen Namen “Google Notebook Download GND“, welches vom Autoren des hier bereits vorgestellten Tools GDD stammt und ähnlich funktionieren soll. Leider scheiterten gut zwei Dutzend Versuche verlässlich. In einem Rutsch, so der Sinn des GND, ließen sich die Notebooks nicht auf die Platte bekommen. Also lege man sie einzeln ab.

- Man eröffne einen Account bei Evernote. Für den normalen Notizler dürfte die Free-Variante reichen. Leute mit größerem Platzbedarf oder ausgeprägter Multimedia-Affinität legen 5 $ pro Monat oder 45 $ pro Jahr auf den virtuellen Ladentisch. Ich komme, trotz dreijähriger Sammelei, locker mit der Free-Variante hin. Ich verstehe das Sammeln von MP3s oder FLVs oder anderen Datenriesen allerdings nicht als Notetaking. Mehr als 20.000 Textnotizen pro Monat erstelle ich auch nicht und über 10 abgespeicherte Webinhalte pro Werktag komme ich ebenfalls nicht hinaus.
- Nach der Registrierung gehe man auf die spezielle GN-Importseite. An dieser Stelle importiert man die Notebooks einzeln mit Hilfe eines klassischen Miniformulars, das seinen Zweck mit Bravour erfüllt. Gibt man als Importziel ein Evernote-Notizbuch an, das noch nicht existiert, wird es automatisch beim Import angelegt. Man wiederhole den Vorgang, bis alle Google Notebooks in Evernote angekommen sind.

Plattformübergreifendes Notetaking – Der Google Notebooker staunt
Spätestens nach dem Import der gefährdeten Notizbücher wird man sich die weiteren Features von Evernote ansehen und feststellen, dass es nicht nur alles kann, was Google konnte, sondern weit, extrem weit darüber hinaus geht. So gibt es nicht nur wie bei GN ein Webinterface und einen Webclipper für Firefox und Flock, mit dem man Online-Inhalte einfach aus dem Browser per Markieren und Rechtsklick nach Evernote pastet (inklusive aller Bilder und im Originallayout). Vielmehr gibt es Desktopversionen für Windows und den Mac, sowie Applikationen für mobile Devices der Gattung “Windows Mobile” und “iPhone/iPod Touch”. Die Software synchronisiert sich jeweils mit dem Web-Backend, so dass Ihre Notizen Ihnen quer über die eingesetzten Plattformen lokal, im Web und mobil zur Verfügung stehen.
Meinetwegen kann Google den Notebook-Service jetzt abschalten. ™

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Migrationsimpressionen als Bildergalerie:
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Ich hab mal zwei meiner Notebooks von GN nach Evernote gebracht.
> nicht nur alles kann, was Google konnte,
> sondern weit, extrem weit darüber hinaus geht
Naja, mir fehlt bisher noch die Möglichkeit ein Notebook für eine Person zur gemeinsamen Bearbeitung freizugeben. Bei Evernote kann ich ein Notebook nur komplett veröffentlichen. Oder hab ich da was übersehen?
pk
Entwicklung beendet, ok.
Aber Dichtmachen? Melde Dich doch einmal von Google ab und klick Dich bitte von Google.de zu http://www.google.com/intl/de/options/ durch. Dann wirst Du dort Notebook als Neues Produkt vorfinden. Das ist für mich etwas widersprüchlich!
Gruß
Bernhard
Gut das ich den Artikel gelesen habe, da ich die Google Änderung nicht von selbst bemerkte.
Interessanterweise habe ich zwei verbliebende Google Notizbücher die über mehrere Versuche verteilt nicht als Atom exportieren werden konnte.
Christian
Für Bestandskunden ändert sich laut Google nichts. Bestehende Notebooks bleiben also bestehen. Ok, kann natürlich sein dass irgendwann Schluss ist. Aber im Moment besteht da keine Gefahr.
Christian: So eines hatte ich auch. Das habe ich nach Google Docs exportiert und von da aus händisch nach Evernote gebracht.
Avarthol: Die Entwicklung ist eingestellt, auch die des Plugins. Das nächste Firefox-Update wird wohlmöglich das Webclipping nicht mehr ermöglichen. Für mich der letzte Punkt, der den Umstieg erzwingen würde. Außerdem reite ich nicht gern einen toten Gaul oder um es poetisch zu sagen:
“Wenn es Zeit ist, etwas aufzugeben, gib es auf.”
Interessante Alternative – Vielen Dank für den ausführlichen Artikel.