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E-Mail-Missbrauch: Warum der Siegeszug der E-Mail zu weit gegangen ist

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Dieser Beitrag ist Teil 1 von 3 der Serie E-Mail Missbrauch

Die E-Mail hat die (geschäftliche) Kommunikation so stark verändert wie keine zweite Kommunikationsform in den letzten Jahrzehnten. Es ist völlig unbestritten, dass wir ihr eine dramatische Modernisierung und Beschleunigung, eine schnellere und unkompliziertere Kommunikation als je zuvor verdanken.

Versuchen wir kurz, uns vorzustellen, wie wir ohne E-Mails kommunizieren würden:

  • Wir würden den Großteil des Tages telefonieren.
  • Wir würden stundenlang mit persönlichen Gesprächen und in Meetings verbringen.
  • Wir würden täglich Dutzende oder Hunderte Faxe lesen und schreiben.
  • Dokumente würden sich in Briefumschlägen in der Ablage stapeln, die klassische Portokasse wäre ein Muss.

Natürlich telefonieren viele Menschen notgedrungen auch heute noch häufig geschäftlich und verbringen reichlich Zeit in Meetings. Doch um das Kommunikationspensum, das wir heute dank der E-Mail täglich leisten, mithilfe von Telefon, persönlichen Gesprächen, Fax und Briefen abzubilden, würde auch ein sehr langer Arbeitstag ganz sicher nicht ausreichen, von produktiver Arbeit ganz zu schweigen.

Die falsche Anwendung von E-Mails: Fluch für Unternehmen

Wir haben also zum Glück die E-Mail. Alles ist gut? Ganz und gar nicht, denn:

Der Siegeszug der E-Mail ist viel zu weit gegangen.

Wir sehen uns nämlich einer offenkundigen Diskrepanz gegenüber: Die E-Mail wird missbraucht, es wird versucht, Dinge mit ihr abzubilden, die auf andere Art und Weise (und mit anderen Technologien) viel besser und sinnvoller abgebildet werden können. Die Frage lautet also: Wofür ist die E-Mail gemacht und wofür wird die sie genutzt?

Die Grundfunktion einer E-Mail besteht darin, Textinformationen zu versenden. Das funktioniert prima. E-Mails können Dateien hinzugefügt werden. Auch das ist mitunter sinnvoll – der Rechner des Empfängers muss diese natürlich verarbeiten können.

Doch schon die HTML E-Mail ist meiner Auffassung nach eine Form des „Missbrauchs“: Nicht jeder Anwender kann sie problemlos ansehen, die HTML-Darstellung ist kein unmittelbarer Dienst eines Mail-Programms, zusätzlich sind Browser-Komponenten erforderlich. Dies aber nur am Rande – das HMTL-Format ist in erster Linie unter Marketing- und auch Usability-Aspekten zu betrachten. An dieser Stelle soll indes die Produktivität von Mitarbeitern im Mittelpunkt stehen.

Meiner Erfahrung nach gibt es zwei entscheidende Formen des E-Mail-Missbrauchs in der Unternehmenskommunikation, die sich auf mehreren Ebenen negativ auswirken, nämlich auf die Produktivität (auf die Qualität von Dokumenten und Arbeitsergebnissen) und auf die Transparenz im Unternehmen. Hier meine ich den Versand von statischem Wissen in E-Mails mit Anhängen und das Versenden von Aufgaben.

Diese Thesen werde ich in zwei Artikeln, die sich später diesem Beitrag anschließen, ausführlich begründen. Zunächst aber zu den Auswirkungen des E-Mail-Missbrauchs, für den es ein untrügliches Indiz gibt: Manager, Bereichsleiter, Projektmanager und viele Mitarbeiter in großen und auch in kleinen Unternehmen ertrinken förmlich in E-Mails.

Die E-Mail-Flut und die Produktivität

Ich möchte das an einem Bild verdeutlichen: Stellen wir uns jemanden vor, der vor einem großen Berg Münzen sitzt und die Aufgabe hat, diese zu sortieren – abzuarbeiten also. Jede Münze muss er in die Hand nehmen, auf ihren Wert prüfen und in einer bestimmten Schale ablegen. Es wird dem Mitarbeiter indes nicht leicht gemacht, denn klimpernd fallen aus einem stets aufgedrehten Hahn immer wieder weitere Münzen auf dem Tisch.

Mit konzentrierter und konsequenter Arbeit gelingt es ihm, alle Münzen zu sortieren und dabei schneller zu sein als der nachfließende Münzstrom, er lehnt sich zufrieden zurück, der Tisch ist leer – für 30 Sekunden. Dann klimpert aus dem Hahn eine neue Münze, gleich darauf eine zweite und eine dritte. Innerhalb von Minuten hat sich wieder ein respektables Häuflein angesammelt, das schnell größer wird; die Freude ist verflogen, die Arbeit beginnt von vorn.

Gewiss: Bestünde ausschließlich darin das Tagwerk dieser Person, wäre das nicht weiter bemerkenswert. Auch die Müllbehälter im Wohngebiet sind stets aufs Neue randvoll, wenn das Trio von der Müllabfuhr das nächste Mal seine Runde dreht; auch der Busfahrer fährt seine Stammstrecke jeden Tag wieder ab; auch der Fußball-Weltmeister muss sich nach dem Triumph erneut durch die Qualifikation kämpfen, um beim nächsten Turnier dabei zu sein.

Was aber, wenn das Sortieren nur eine von vielen Aufgaben wäre, die zu erledigen sind, wenn das Sortieren nicht einmal die wichtigste Aufgabe ist? Wann widmet er sich den anderen Tätigkeiten?

Damit sind wir bei der Bearbeitung von E-Mails. Viele Leser dürften das Gefühl kennen, wenn nach einem „Kraftakt“ endlich einmal keine ungelesenen E-Mails mehr im Posteingang liegen: Ein Gefühl der Zufriedenheit stellt sich ein, während in diesem Moment zwei neue E-Mails eingehen. Bearbeitet man auch diese noch rasch, um den Posteingang „sauber“ zu halten? Bearbeitet man auch die vier weiteren E-Mails, die angekommen sind, während man eine etwas umfangreichere Antwort verfasst hat? Aber wann will man produktiv sein und die Aufgaben angehen, die vielleicht soeben aus den E-Mails extrahiert wurden?

Ich habe schon einmal das Szenario beschrieben, dass, wer wollte oder wer nicht aufpasst, den ganzen Tag damit zubringen könnte, E-Mails zu bearbeiten – der Nachschub ist ungebrochen. Ein entscheidendes Problem ist also, dass man angesichts der E-Mail-Flut mitunter nicht mehr in der Lage ist, die Arbeitszeit sinnvoll und produktiv zu nutzen, die sich aus den E-Mails ergebenden Aufgaben zu extrahieren, zu priorisieren und vor allem zu erledigen. Ich habe Manager kennengelernt, die offen zugeben, E-Mail überhaupt nicht zu bearbeiten, weil sie sonst nichts anderes tun würden.

Aus dem Missbrauch der E-Mail resultiert eine E-Mail-Flut, die die Produktivität jedes „Betroffenen“ reduziert und die den Nutzen deutlich einschränkt, den das Unternehmen aus der Leistung des (durch das immense E-Mail-Aufkommen zudem unzufriedeneren) Mitarbeiters ziehen möchte. Im zweiten Beitrag Der E-Mail-Anhang ist oft die falsche Anwendung gehe ich darauf ein, wie sich dieses Problem meiner Meinung besser in den Griff bekommen lässt und wie sich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen lassen.

(tm), (sl)

Über Martin Seibert

GravatarMartin Seibert ist Geschäftsführer der //SEIBERT/MEDIA GmbH aus Wiesbaden mit 70 Mitarbeitern. Weitere Informationen: Twitter, Weblog, Website. Weitere Beiträge für Dr. Web: 9

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13 Kommentare zu “E-Mail-Missbrauch: Warum der Siegeszug der E-Mail zu weit gegangen ist”

  1. 1
    6.01.2010 09:54

    Womit wird diese Serie hier realisiert, mit welchem Plugin?

    Antwort

  2. 2
    6.01.2010 10:46

    Sind die "70 Mitarbeiter" in der Kurzbiographie der Schwanzvergleich der New Economy?

    Viel wichtiger ist doch wie viel Porsche in der Garage stehen, oder?

    Antwort

  3. 3
    Klawischnigg
    6.01.2010 13:32

    Einigen Punkten ist bedingungslos zuzustimmen, vor allem der Behauptung, daß jede andere Form der Email als jene der reinen Text-email im Grunde genommen einen "Missbrauch" darstellt.

    Leider wird auf die Ursachen der Malaise zu wenig eingegangen; meiner Meinung nach sind die Mitarbeiter zu einem größten Teil selbst schuld an dem Problem. Wenn eine Mailadresse wie max.mustermann@examplefirma.or auch nur für Belange von examplefirma verwendet wird, ist die Chance, daß sie auch nicht für Spams o.ä. missbraucht wird ziemlich gross. Leider werden von solchen Adressen aber nicht nur geschäftliche Belange betreffende Mails versendet sondern "wahnsinnig" witzige Scherzmails, Kettenbriefe, private Belange etc. etc.

    Wenn es gelänge, das zu unterbinden (von mir aus auch, indem man dem Max Mustermann eine zusätzliche Mail wie max.musterman.bloedsinn@exampl oder ähnliches für private Belange gibt, auch, wenn ich denke, daß mittlerweile jedermann bereits über mindestens eine private Mailadresse verfügt), dann hätte man, denke ich, einen grossen Teil des Firmenspamproblems bereits gelöst...

    Antwort

  4. 4
    6.01.2010 13:50

    Ergänzend spielt eine große Rolle, dass sich durch eMail scheinbar ideal Prozesse abbilden lassen, die gerade in großen, klassisch geführten Unternehmen äußerst wichtig sind: Die Absicherung nach oben bzw. in Team, Arbeitsgruppe, Abteilung oder wie auch immer die Einheit heissen mag.

    jedes Mitglied der Arbeitsgruppe kann sich mit dem einfachen Versand einer eMail automatisch sicher fühlen, "alle informiert zu haben"
    Die Verantwortung für das Gelingen der Kommunikation wird dabei auf den Empfänger verlagert, gleichzeitig kann der einzelne aber in vielen Fällen sicher sein, dass er kaum auf eine fundierte Beschäftigung mit seinem Beitrag stoßen wird, da ja eben alle ständig zu viele eMails bekommen.

    Das ist für den einzelnen bequemer, als sich wirklich über ein Thema auseinander zu setzen.

    Und mit der in Unternehmen verbreiteten TOFU-(Un)Sitte ist zwar einerseits dokumentiert, was der einzelne gesagt hat, andererseits aber faktisch auch fast garantiert, dass es in der masse untergeht.

    Antwort

  5. 5
    dixid
    6.01.2010 14:52

    ...Fußball-Weltmeister muss sich nach dem Triumph erneut durch die Qualifikation kämpfen, um beim nächsten Turnier dabei zu sein...

    Falsch, für die nächste WM ist der Titelverteidiger bereits qualifiziert.

    Antwort

  6. 6
    6.01.2010 15:52

    @ dixid, nicht falsch. Seit 2006 hat der Weltmeister wie alle anderen das Vergnügen, sich durch die Quali zu ackern. Italien hat's gegen Irland, Bulgarien & Co aber gepackt ;-) http://tr.im/JAWL

    Antwort

  7. 7
    7.01.2010 21:06

    Ich kann mich dem Artikel gar nicht anschließen.

    Für Spam-Mails gibt es Software. Und diese wird immer besser. Auf der Arbeit empfange ich so 10 Mails pro Tag im Schnitt. Das sind nicht alle 30 Sekunden eine, sondern pro Stunde 1,2 Mails ca. Davon ist eine Spam, die ich in 5 Sekunden identifiziert und gelöscht habe.

    Man muss den Mails auch keine Beachtung schenken, wenn man gerade irgendwo drin ist (mit Konzentration).

    Von daher denke ich das E-Mail unbestritten toll ist.

    Antwort

  8. 8
    10.01.2010 15:41

    Ohne Greylisting und geschickte Filtermechanismen hat man nicht mal das Glück, überhaupt effizient arbeiten zu können. Da sind dann - wie vom Autor geschrieben - HTML-Mails das geringere Übel...

    Antwort

  9. 9
    Dirk
    15.01.2010 12:30

    Naja!

    Der Vorteil, dass man sich einem Anliegen widmen kann, wenn man wirklich Zeit dafür hat, ist einer der Gründe warum ich es vorziehe mich per Mail innerhalb des Unternehmens zu informieren. Ich finde ein ständig klingelndes Telefon wesentlich anstrengender, und hinderlicher in meinem Arbeitsfluss!

    Antwort

  10. 10
    16.01.2010 10:36

    In vielen Punkten stimme ich zu: Es gibt den Missbrauch von Email; besonders was die In-Transparenz im Unternehmen angeht, kann man nur eifrig nicken.

    Was die Flut von Mails und Unproduktivität der Mitarbeiter angeht, denke ich aber auch, dass vieles mit der Organisation des Arbeitsprozesses selbst zu tun hat. Es liegt zu allererst immernoch am Mitarbeiter selbst, sich ein Fenster für Kommunikation in seiner Arbeitszeit einzurichten und diese Zeit auch einzuhalten. Beispielsweise grob 15 Minuten alle 1,5 Stunden (oder flexibel mehr, wenn nötig). In meinem Home Office Job habe ich das genau so getan und es funktioniert. Tut man das nicht, wird man wirklich unproduktiv. Und da spielt es dann auch keine Rolle, ob eine Mail alle 30 Sekunden oder 30 Minuten eintrifft- schließlich stellt man sich beim Lesen unter Umständen auf ein völlig anderes Thema um als das der Aufgabe, die man gerade bearbeitet.

    Im übrigen sollte man sich überlegen, eine nette Person als Assistenz für die "Pre-Selection" von Emails einzustellen, wenn man pro Minute mehr als 10 Emails bekommt :-)
    Als schlimmeren Produktivitätskiller in Unternehmen sehe ich persönlich übrigens Instant Messaging. Dem kann man sich schwerer entziehen.

    Antwort

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