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E-Mail-Missbrauch 3: Aufgaben gehören nicht in E-Mails

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Dieser Beitrag ist Teil 3 von 3 der Serie E-Mail Missbrauch

Neben der Kommunikation von statischem Wissen per Anhang ist der Versand von Aufgaben per E-Mail eine Missbrauchsform dieser Technologie, die Unternehmen hemmt und zu dramatischen Verlusten an Effizienz und Arbeitseffektivität führt. In diesem dritten und abschließenden Beitrag zum E-Mail-Missbrauch widme ich mich also Formen des Aufgaben-Managements.

Aufgaben gehören in ein zentrales System, nicht in E-Mails

Sicherlich kann diese These zunächst für Stirnrunzeln sorgen, doch die meisten Leute halten sie nur deshalb für zweifelhaft, wenn jemand die Auffassung vertritt, man dürfe keine Aufgaben per E-Mail verschicken, weil sie keine konkrete Vorstellung davon haben, welche anderen, weitaus besseren Möglichkeiten es gibt.

Aufgaben sollten in einem zentralen und professionellen Aufgaben-Management-System wie beispielsweise JIRA abgebildet werden. In die E-Mail gehören nur der Hinweis auf das Vorhandensein einer Aufgabe und die Bitte um Erledigung. Dies ist die bestimmungsgemäße Anwendung der jeweiligen Technologie.

Dabei definiert nicht die Größe des Projekt-Teams, ob es sinnvoll ist, eine Aufgabe per E-Mail zu verschicken oder nicht – selbst Kleinst-Teams aus vier, drei oder zwei Mitarbeitern profitieren von einem systematischen Aufgaben-Management.

Ich räume ein, dass es immer Mitarbeiter geben wird, die ihr Aufgaben-Management weiterhin in der spontanen E-Mail-Hülle betreiben werden. Das sei diesen Leuten ungenommen. In vielen Aspekten schlägt ein zentrales, professionelles Aufgaben-Management die Verwaltung per E-Mail allerdings um Längen. Stellen wir die Vorteile beider Arbeitsweisen einander gegenüber.

Vorteile von E-Mails

  • E-Mails sind einfach und schnell erstellt, Aufgaben rasch kommuniziert.
  • Die spontane Hülle funktioniert.
  • Es ist keine Einarbeitung nötig, jeder Mitarbeiter kann eine E-Mail schreiben.
  • Das Aufgaben-Management per E-Mail ist opportun („Ich mache das, was alle machen.“). Selbst in Unternehmen, die ein zentrales System betreiben, werden auch (noch) Aufgaben per E-Mail verschickt.

Damit wären die Vorteile jedoch bereits dargestellt – oder können Sie weitere ins Feld führen? Das stärkste Argument ist in diesem Zusammenhang wahrscheinlich die Lobbyfähigkeit der E-Mail, und lobbyfähig wird sie wohl auch bleiben – geeigneter macht sie das indes nicht.

Vorteile eines Aufgaben-Management-Systems

  • Dokumentation: Es ist immer nachvollziehbar, wer wem welche Aufgabe zugeteilt hat.
  • Vollständigkeit und Zentralisierung: Alle Aufgaben sind erfasst und zentral verfügbar. Keine Aufgaben gehen in E-Mail-Postfächern (beziehungsweise gar in der Zettelwirtschaft) unter oder geraten in Vergessenheit.
  • Planbarkeit: Der Aufwand für die Erledigung einzelner Aufgaben wird im Vorfeld beschätzt, eine verlässliche Kapazitätsplanung ist möglich. Es ist ersichtlich, wie viele Aufgaben einem Mitarbeiter zugeteilt sind und wie lange er benötigt beziehungsweise benötigen wird, um diese zu bearbeiten.
  • Transparenz: Anhand der Statusinformationen ist erkennbar, ob mit der Erledigung einer Aufgabe schon begonnen wurde und wie der aktuelle Stand der Bearbeitung ist.
  • Kontrolle: Die Erledigung und die Einhaltung von Terminen kann nachverfolgt werden. Ein professionelles Aufgaben-Management-System bietet zudem mächtige automatisierte Auswertungsmöglichkeiten.
  • Kundeneinbindung: Dank der Rechtestruktur ist es möglich, Kunden in die Planung einzubeziehen und so die Transparenz bei der Zusammenarbeit zwischen Projekt-Team und Kunden zu erhöhen.
  • Minimales Briefing: Projekte können in jeder Phase einem anderen Projekt-Manager übergeben, neue Mitarbeiter jederzeit problemlos integriert werden. Alle Aufgabenbeschreibungen sind inklusive aktueller Statusinformationen zentral verfügbar.
  • Integration: Ein professionelles Aufgaben-Management-System verfügt über eine API, über die die Software an andere Applikationen wie das Projektmanagement-System, die Zeiterfassung und so weiter angebunden werden kann. Die Software ist nahtlos in die bestehende IT-Landschaft integrierbar und in hohem Maße anpassbar.

Mit einer ausgereiften Aufgaben-Management-Software ist die Abbildung kompletter Entwicklungslebenszyklen von der Ideensammlung und dem Anforderungs-Management über die Abarbeitung bis zur Qualitätssicherung möglich. Ein solches System bietet die Möglichkeit, sich zentral einen aktuellen Überblick über sämtliche Fortschritte in einem Projekt zu verschaffen. An diesen Eigenschaften muss sich das Aufgaben-Management per E-Mail messen lassen und kann hier natürlich nicht gewinnen.

Hindernisse für die Etablierung eines Aufgaben-Management-Systems

Freilich ist eine Aufgaben-Management-Software wie JIRA komplex, sie erfordert Einarbeitung und die Etablierung ist (ähnlich wie die Wiki-Einführung) kein Selbstläufer: Maßnahmen zur Mitarbeiteraktivierung müssen getroffen werden, Schulungsaufwände sind in der Regel unverzichtbar, auch fallen gegebenenfalls Lizenzkosten an.

Doch die Vorteile überwiegen die Nachteile, die durch einige zu überwindende Hürden entstehen, ganz klar; der Effizienz-, Transparenz- und Arbeitseffektivitätsgewinn, den ein Unternehmen aus einem professionellen Aufgaben-Management-System ziehen kann, ist unschätzbar.

Eine bestimmungsgemäße Technologieanwendung bringt Unternehmen voran

Stellt man also die spontane E-Mail-Hülle und ein professionelles Aufgaben-Management einander gegenüber, wird deutlich, dass der sinnvollste Umgang mit der E-Mail ihr sachgemäßer Gebrauch ist. Es geht nicht darum, dass der Mitarbeiter keine E-Mail erhalten soll, in der er über eine Aufgabe informiert wird; das ist sinnvoll. Allerdings soll es dabei bleiben. Und es ist gewiss möglich, dass sich aus einer E-Mail eine Aufgabe extrahieren lässt, dass aus dem Inhalt heraus also eine Aufgabe entsteht. Der Inhalt sollte aber nie die Beschreibung der Aufgabe sein – ein feiner, aber bedeutsamer Unterschied.

Wenn Aufgaben nicht per E-Mail kommuniziert und zumindest intern und innerhalb bestehender Geschäftsbeziehungen <keine Anhänge per E-Mail ausgetauscht werden>, nähern wir uns der bestimmungsgemäßen Nutzung von Technologie ein gehöriges Stück. Unternehmen können davon nur profitieren, denn sie ziehen signifikante Vorteile aus dieser Arbeitsweise:

  • E-Mails, die mit dem Lesen erledigt sind
  • Reduzierung des E-Mail-Aufkommens
  • Effizienzsteigerung
  • Effektivitätsgewinn
  • produktivere Zusammenarbeit
  • mehr Transparenz
  • systematische Projektabläufe
  • hochwertigere Ergebnisse

(sl), (tm)

Über Martin Seibert

GravatarMartin Seibert ist Geschäftsführer der //SEIBERT/MEDIA GmbH aus Wiesbaden mit 70 Mitarbeitern. Weitere Informationen: Twitter, Weblog, Website. Weitere Beiträge für Dr. Web: 9

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9 Kommentare zu “E-Mail-Missbrauch 3: Aufgaben gehören nicht in E-Mails”

  1. 1
    Tanja
    12.01.2010 10:11

    Meiner Beobachtung nach gibt es noch einen Grund, warum E-Mails in allen (beruflichen) Lebenslagen so beliebt sind: Mit den Klicken auf "Senden" hat man das Thema (scheinbar) vom Hals und muss sich nicht mehr damit beschäftigen. Was natürlich meistens ein Irrtum ist.

    Danke für die Artikelserie!

    Antwort

  2. 2
    Peter
    12.01.2010 14:18

    Es ist durchaus möglich über die Bordmittel der verschiedenen eMail Clients eine effiziente Aufgabenverwaltung abzubilden. Jeder PIM hat mittlerweile eine mehr oder weniger funktionale Aufgabenliste.

    Outlook erlaubt das Versenden von Aufgaben als MAPI Typ. Nutzt der Empfänger ebenfalls Outlook, was im Büroumfeld nicht unüblich ist, kann er sich diese Aufgabe in seiner persönliche TodoListe speichern. Aufgaben können verschlagwortet werden und haben eine Reihe von zusätzlichen Optionsfelder, die den Fortschritt und Zusammenarbeit abbilden können.

    In Kombination mit einem Exchange Server lassen sich Aufgabenliste auch teilen, entweder durch Freigabe von persönlicher Aufgabenlisten oder über einen öffentlichen Ordner.

    Selbst beim Versand der Aufgabe als reine eMail lässt sich über die Verschlagwortung und die kleinen Flaggensymbole ein simples ToDo System erstellen.

    Thunderbird verfügt von Haus aus über die Möglichkeit, eMails in Aufgaben umzuwandeln. Auch da gibt es wieder eine Reihe von Optionen zur Fortschrittskontrolle, auch wenn Outlook da noch wesentlich mehr bietet.

    Das mag nicht den Anforderungen einer vollwertigen Projektmanagementsoftware genügen, aber es deshalb direkt als Missbrauch hinzustellen finde ich nicht gerechtfertigt. Es kommt wohl doch darauf an, was man erreichen will.

    Antwort

  3. 3
    13.01.2010 23:41

    Hallo Peter,

    natürlich hast Du recht, dass man das nicht pauschal sagen kann. Aber in Unternehmen und Arbeitsgemeinschaften sollte man immer versuchen, das gemeinsam definierte Aufgabenmanagement-System zu bedienen. Wenn das Outlook oder Thunderbird heißt, kann das auch eine Mail sein.

    Ich kenne allerdings deutlich mehr Teams, die mit Open-Source- oder kommerziellen Systemen wie Mantis, Bugzilla, Jira o. ä. arbeiten. Wenn sowas im Einsatz ist, sollten Mails nur noch Benachrichtigungen, aber nicht mehr Aufgaben beinhalten.

    Das ist schwer zu erreichen, lohnt sich aber.

    Ciao
    Martin Seibert

    Antwort

  4. 4
    13.01.2010 23:42

    @Tanja: Danke für die Blumen. :-)

    Antwort

  5. 5
    14.01.2010 09:08

    Hallo Martin,

    danke für die interessante Serie.
    Es gibt ja eine unglaubliche Anzahl an Projektmanagementsoftware, zur Zeit probiere ich gerade die Sandboxversion von JIRA aus. Ich finde die Bedienung bei JIRA sehr kompliziert, und weiß nicht ob das für eine 10 Mann Firma nicht zu umständlich ist.

    Gibt es auch eine Software die für Werbeagenturen besonders geeignet sind? Wo man zum Beispiel Zwischenschritte auch als Bilder und Videos auflisten kann?

    Ciao

    Daniel

    Antwort

  6. 6
    15.01.2010 17:11

    Hallo Martin,

    der Artikel ist wirklich Wasser auf unseren Mühlen! Wir haben eine Kundenapplikation weiter entwickelt und organisieren seit Monaten damit unser Agenturleben. Ausführliche Infos gibt´s auf http://www.contentmanager.de/m

    Die Lösung ist Open Source und damit für jeden Interessierten gerne und kostenfrei nutzbar.

    Beste Grüsse

    Sven

    Antwort

  7. 7
    Stephe
    19.01.2010 11:27

    Vielen Dank für diese super Serie!

    Auch ich habe mich bisher immer mehr oder weniger unfreiwillig mit Aufgaben und statischem Wissen per Mails herumgeschlagen, aber wegen mangelnder Kenntnis von Alternativen (bzw. einfachem Nicht-drüber-nachdenken) nichts daran geändert. Bis jetzt ;-)

    Liebe Grüße,
    Stephe

    Antwort

  8. 8
    Johannes Klein
    7.07.2010 14:47

    Wir benutzen da seit längerem das Tool http://www.quassum.com es erleichtert die Arbeit. Und integriert sich in den Emailfluss. Was den umstieg erleichtert.

    Antwort

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