Counter, Logfileanalyse, Statistiken, ohne geht es kaum. Auch Google mischt mit. Analytics heißt der Dienst. Er ist kostenlos, einfach zu nutzen, bestens optisch aufbereitet und bereits ausgereift.
Eine Frage von grundsätzlicher Bedeutung ist zuvor zu klären. Wie abhängig will man sich von Google machen? Eine Portion Besorgnis scheint angebracht. Wenn der Gigant aus Mountain View nicht nur einen Großteil der Besucher schickt, sondern über AdWords für die Promotion und via AdSense auch für das Verdienen zuständig ist, wenn Gmail und Froogle im Gebrauch sind, spätestens mit Analytics weiß Google fast alles über eine Website. Auch wenn die Suchmaschine versichert, keinen Gebrauch von ihrem Wissen zu machen, ein Hauch von Unbehagen bleibt. Wer weiß schon, was zukünftig daraus wird und was passieren könnte, würden Daten miteinander in Bezug gebracht. Google als datensammelnder Riesenkrake ist eine Vorstellung, die zuletzt an Popularität gewinnen konnte. Auch ein Rauswurf, eine Abwertung oder technische Probleme können ein vollständig von Google abhängiges Geschäft zum Erliegen bringen.

Optionen im Menü
Google Analytics ist ein reines Online-Werkzeug, eine Installation ist nicht notwendig. Es basiert auf dem Statistik-Tool der Urchin Software Corporation, die Google im April 2005 übernahm. Die Software wurde seinerzeit in mehrere Paketen angeboten und kostete je nach Größe mehrere Hundert Dollar. Google Analytics wurde im Mai 2007 einer umfangreichen Bearbeitung unterzogen.
Analytics ist ein ausgereiftes Produkt, das weit mehr Daten liefert als ein simpler Counter. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Erhebung von Daten für das Marketing. Die Stichworte lauten Conversion, Tracking, CPC, Rendite. Wer eCommerce betreibt, ist hier gut aufgehoben. Sinnvoll ist der Einsatz im Zusammenhang mit AdWords, der nachdrücklich unterstützt wird. AdWords-Kunden können ihre Daten direkt im AdWords-Konto abrufen. Davon abgesehen spielt es keine Rolle, ob man eine Hobbywebsite oder ein ausgewachsenes Projekt betreut. Bis fünf Millionen Pageviews sind gestattet; wer mehr produziert, braucht lediglich die AdWords Anmeldung – keine hohe Hürde.

Übersicht mit Datenexport in XML, PDF, Text oder CSV
Anmeldung
Aufgrund der hohen Nachfrage wurden lange Zeit keine Neuanmeldungen angenommen. Das Problem besteht inzwischen nicht mehr. Wer bereits über ein AdWords-Konto verfügt, sollte direkt auf Analytics zugreifen können. Bei der Anmeldung ebenfalls hilfreich ist ein vorhandenes Google-Konto, etwa für Gmail oder das Sitemap-Programm.
Damit Daten gesammelt werden können, sind die eigenen Seiten mit sieben Zeilen Javascript auszustatten. Es handelt sich um einen individuellen Code nach diesem Muster:
<script src="http://www.google-analytics.com/urchin.js"
type="text/javascript">
</script>
<script type="text/javascript">
_uacct="UA-xxxx-x";
urchinTracker();
</script>
Platz findet er im Seitenkopf. Bei Weblog- oder Content Management System mag das je nach dem ein wenig schwieriger durchzuführen sein. An geeigneten Plug-ins wird von unabhängiger Seite gearbeitet.
Die Benutzung von Javascript wird oft kritisiert. Javascript verfälscht die Statistiken, denn einige Besucher schalten Javascript kurzerhand ab, andere verfügen nicht darüber. Angesichts der Tatsache, dass eine Vielzahl von Websites ohne Javascript nicht sinnvoll benutzt werden kann und die Mehrheit der Surfer sich keine Gedanken über Sicherheitsfragen dieser Art darüber macht, dürfte der Prozentsatz der Javascript-Ablehner gering sein. Absolute Werte liefert eine Statistik ohnehin hin nicht. Es bleibt Spielraum für Interpretationen. Eine Logfile-Analyse erfasst zwar garantiert jeden Zugriff, die letztendliche Qualität ist aber abhängig von selbst gesetzten Filtern. Es werden stets jede Menge Robots und Scripts erfasst, die nicht mit echten Besuchern gleichzusetzen sind. Die Nutzung von Javascript hält solche Zugriffe von vornherein draußen.
Die ersten Daten
Analytics präsentiert nach dem Einloggen einige grundlegende Daten in Form von vier Flash-Diagrammen. Es sind: Die Anzahl der Besuche und Seitenansichten, Besuche getrennt nach neu und wiederkehrend, eine Landkarte und schließlich die Herkunft der Besucher. Bei der Auswahl des anzuzeigenden Datumsbereichs hilft ein praktischer Kalender.

Ein Teil der Basisdaten in der Übersicht
Profile und Filter
Erlaubt sind bis zu 50 selbst definierte Profile. Damit lassen sich mehrere Websites getrennt voneinander beobachten. Das funktioniert auch mit Subdomains oder bestimmte Seiten oder Verzeichnissen einer Website. Zudem können unterschiedliche Benutzerrechte gesetzt werden.
Filter erlauben es bestimmte Daten aus den Berichten fernzuhalten oder getrennt zu analysieren. Das können zum Beispiel die eigenen Zugriffe sein, Seitentitel, URLs, Artikelnummern, IDs, Spracheinstellungen, Browser und so fort. Die Möglichkeiten scheinen unerschöpflich und machen deutlich wie komplex Google Analytics n seiner jetzigen Form bereits ist.
Conversion-Ziele und Trichter
Die Einstellungen helfen bei der Beantwortung entscheidender Fragen. Etwa wie viele Besucher abonnieren tatsächlich einen auf der Startseite annoncierten Newsletter, wie viele Interessenten kaufen ein bestimmtes Produkt oder welche Seiten haben Downloads zur Folge. Der Trichter ist dabei der Weg zu Ziel. Gemessen wird am Beispiel des Newsletters folgendermaßen:
Aufrufe der Startseite –> Aufrufe der Newsletterseite –> Aufrufe der Erfolgsmeldung nach bestelltem Newsletter (“Danke-Seite”).
Das ließe sich auch manuell ausrechnen, wenn die entsprechenden Zahlen vorliegen, praktischer und übersichtlicher ist es mit Googles Hilfe allemal. Zudem können bis zu vier solcher Trichter je Profil festgelegt werden. Ebenso gut kann bestimmt werden von welcher Seite aus die meisten Newsletteranmeldungen zum Erfolg führten oder Produkte gekauft werden.
Im Zusammenspiel mit AdWords erfährt welche Anzeigen die meisten Kunden bringen oder wie hoch der Umsatz mit einem bestimmten Keyword ist.
Weitere Daten
Absprungraten, beliebte Inhalte, Länge und Tiefe der Besuche, Keywords und ähnliche Fakten sind selbstverständlich kein Problem.

Karten Overlay
Analytics liefert auch Statistiken und Werte wie man sie von Javascript-Countern kennt. Dazu gehören:
- Browserversion
- Betriebsystem
- Bildschirmauflösung
- Bildschirmfarben
- Sprachen
- Java
- Flash-Version
- Verbindungsgeschwindigkeit
- Hostnamen

Browserstatistik
Google Analytics ist ein mächtiges Werkzeug mit dem man viel Zeit verbringen kann. Der Funktionsumfang erscheint fast schon zu groß. Wer keine Bedenken hat, sich Google anzuvertrauen, erhält ohne finanzielle Gegenleistung ein ausgezeichnetes Produkt, das kaum Wünsche offen lässt. Einzig die mangelnde Verfügbarkeit trübt derzeit das Bild.
Links zum Thema:
Erstveröffentlichung am 27.11.2005
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