Facebook

Diasporas Niedergang: Die Gründer geben auf

27. August 2012
von

Als Facebook-Killer war man gehandelt worden. Dabei erschien die Idee überzeugend. Statt die Kontrolle über die eigenen Informationen an ein kalifornisches Unternehmen mit einem wenig zimperlichen Geschäftsführer zu übertragen, sollte Diaspora eine ähnliche Funktionalität bieten, dabei aber die Kontrolle beim jeweiligen Nutzer belassen. Am Ende muss man nüchtern sagen: Das hat nicht geklappt…

Diaspora: Künftig abhängig vom Engagement der Community

Die Gründer stellen die Entwicklung in ihrem heutigen Blogpost natürlich ganz anders da. Man wolle die Kontrolle über Diaspora an die Community übergeben, um das Projekt voran zu treiben, die Innovationsgeschwindigkeit zu erhöhen. Verschiedene Maßnahmen, wie die Öffnung des Bugtrackers für Drittentwickler, hat man bereits ergriffen, weitere sollen folgen. Die Übergabe des Projekts wird nicht von jetzt auf gleich erfolgen, sondern in dosierten Schritten vollzogen.

Schaut man hinter den sehr wortreichen Blogbeitrag, so bleibt nur wenig Substanz übrig. Seit Beginn ist Diaspora ein Open Source Projekt. Als solches gehört es zu den aktivsten und erfolgreichsten Projekten aller Zeiten. Wer also bislang mitmachen wollte, konnte das tun. Mehr als 1.000 Forks existieren bereits.

Wenn die Gründer nun also davon reden, dass die Community Diaspora in Größenordnungen tragen soll, die auf andere Weise nicht zu erreichen wären, stellt sich die Frage, warum das nicht längst passierte. Sicher, die Gründer waren bislang die Code-Häuptlinge und hielten die Fäden in der Hand.

Die heutigen Äußerungen implizieren, dass das ein Fehler, mindestens ein Hemmschuh gewesen ist. Wenig schmeichelhaft für die Gründerriege, so etwas zugeben zu müssen. Von daher dürfte die Vermutung näher liegen, dass man nicht länger maßgebliche eigene Zeitanteile in ein Projekt einbringen will, das auch auf Dauer nicht das Potenzial hat, irgendjemanden adäquat zu ernähren. Dazu passt der zeitliche Zusammenhang mit der Ankündigung des weitaus populärer ausgerichteten, neuen Projekts Makr.io der gleichen Gründerriege.

Es ist daher wohl keine wilde Behauptung, zu prognostizieren, das Diaspora heute gestorben wurde. Auch wenn es noch existiert, so ist es nurmehr ein Dead Man Walking

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit fast 30 Jahren in der IT daheim. Seit 2008 schreibt er für Dr. Web, seit 2012 ist er Chefredakteur des Magazins. Man findet ihn auch auf Twitter und Facebook, aktiver ist er allerdings auf Google+.

2 Kommentare zu „Diasporas Niedergang: Die Gründer geben auf

  1. Chris am 27. August 2012 um 23:17

    Oh! Das ist natürlich traurig, aber ich frage mich sowieso was die Jungs seit Jahren (!) machen, immerhin wird an dem Ding seit 2 Jahren entwickelt und es gibt erstklassige Screens und Previews, aber irgendwie scheint sich da kaum was zu tun, auch im github-repo gibts Folder seit Monaten unberührt sind.

    Die Anmeldung auf joindiaspora.com funktioniert übrigens eigentlich auch nie.

  2. Chris am 27. August 2012 um 23:18

    Btw es wäre schön wenn drweb.de editierbare comments hätte. ;)

Ein Kommentar? Schön!

Wir freuen uns immer über Leser, die durch nützliche und konstruktive Beiträge zum Thema eine Diskussion anstoßen oder den Artikel mit weiteren Informationen anreichern. Alle Kommentare werden in diesem Sinne moderiert. Zum Kommentar-Fairplay gehört für uns auch der Einsatz von rel="nofollow". Bitte verwenden Sie zudem als Namen weder eine Domain noch ein spamverdächtiges Wort. Vielen Dank!