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E-Mail-Missbrauch Teil 2: Der E-Mail-Anhang ist oft die falsche Anwendung von Technologie

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Dieser Beitrag ist Teil 2 von 3 der Serie E-Mail Missbrauch

Im Artikel Warum der Siegeszug der E-Mail zu weit gegangen ist habe ich zwei Missbrauchsformen der E-Mail kurz angerissen, die ich für gefährlich halte und die schwerwiegende Folgen für Unternehmen haben. Eine Form dieses Missbrauchs, die einen maßgeblichen Anteil an der E-Mail-Flut hat, ist der E-Mail-Versand von statischem Wissen, die Kommunikation von Referenzmaterial, Unternehmens-Know-how und Nachschlageinformationen per E-Mail-Anhang. Meine Kernthese lautet:

Wenn E-Mails Dateianhänge enthalten, ist dies in den meisten Fällen die falsche Anwendung von Technologie.

Effizienzgewinn durch die Nutzung eines zentralen Systems

Damit vertrete ich eine Auffassung, die viele Leute nicht nachvollziehen können. Und das ist oft durchaus verständlich: Viele Personen, die hier skeptisch sind, wissen nur nicht, wie Wissensmanagement anders funktionieren kann. Und manche Gesprächspartner, die Alternativen (zumindest vom Hörensagen) kennen, sind der Meinung, dieses „Anders-Machen“ sei zu kompliziert und praktisch nicht gangbar – insbesondere höre ich nicht selten, dass die Usability und die Integration von Wiki-Lösungen angeblich so schlecht wären, dass die Anwender einfach nicht mit diesen arbeiten würden und dass Alternativen deshalb im Unternehmensalltag nicht praktikabel sein könnten.

Das ist jedoch falsch. Ein ums andere Mal sehe ich bestätigt, dass die sach- und bestimmungsgerechte Anwendung von Technologie in aller Regel zu einem Effizienzgewinn führt. Software-Systeme für den Einsatz im Unternehmen sind heute so ausgereift, dass selbst Mitarbeiter ohne Technologie-Know-how mit ihnen produktiv und sinnvoll arbeiten können – das gilt natürlich auch für professionelle Enterprise-Wiki-Lösungen.

Ein Firmenwiki ist in diesem Zusammenhang die optimale Lösung: Die Vorteile, kein Referenzwissen per E-Mail zu verschicken, sondern Know-how in einem zentralen, digitalen, Web-basierten System zu speichern und für alle verfügbar zu machen, überwiegen die möglicherweise noch verbliebenen Nachteile deutlich.

Im erstrebenswerten Optimalfall ist eine E-Mail eine Nachricht, die sich mit dem Lesen durch den Empfänger erledigt hat.

Organische Inhalte statt „toter“ Anhänge

Deshalb plädiere ich dafür, Datei-Anhänge in einem zentralen System zu speichern, das allen Empfängern zugänglich ist; eine E-Mail sollte lediglich den Verweis auf das entsprechende Dokument beinhalten. Dafür gibt es überzeugende Argumente, die deutlich werden, wenn man diesen Prozess an einem konkreten Beispiel durchexerziert.

Verschicke ich beispielsweise einen Bericht per E-Mail an mehrere Empfänger, ist dieser Bericht ein „totes“ Dokument: Es verändert sich nicht, es kann nicht kommentiert werden, Leser können nicht mit ihm interagieren, es entwickelt sich nicht weiter, es ist nicht zentral verfügbar.

Bilde ich diesen Bericht in einem Wiki-System ab, „leben“ die Inhalte: Die Adressaten können das Dokument sinnvoll modifizieren und gegebenenfalls selbst Fehler beheben oder Unklarheiten ansprechen, Aufstellungen sind um aktuelle Daten erweiterbar, über die Kommentarfunktion können die Daten gemeinsam mit anderen Empfängern interpretiert und diskutiert werden – der Bericht wird besser, ohne dass eine einzige weitere E-Mail auszutauschen ist.

Auf diese Weise durchläuft das Dokument im Wiki mehrere Iterationen und werden Inhalte organisch weiterentwickelt und interpretiert, wobei der ursprüngliche Sender stets die Kontrolle über die Inhalte behält: Er kann das Topic zum Beispiel via RSS abonnieren und wird über jede Modifikation benachrichtigt, über die Revisionskontrolle ist jede Änderung lückenlos nachvollziehbar.

Der Geschäftsführer oder der Abteilungsleiter, der sich das Dokument schließlich ansieht, findet einen ganz anderen, einen wesentlich hochwertigeren Bericht vor, als er per E-Mail erhalten hätte, während gleichzeitig das E-Mail-Aufkommen deutlich reduziert worden ist und dieses Wissen auch später jederzeit zur Verfügung steht.

Darüber hinaus löst sich das immer wieder auftretende Problem, etwa zunächst einen falschen Anhang zu versenden, in Luft auf: Der Initiator des Wiki-Dokuments kann in diesem jederzeit Korrekturen vornehmen, die Empfänger haben sofort Zugriff auf das korrekte Dokument. Streng vertrauliche Informationen liegen zudem nicht in individuellen Postfächern, sondern in einem zentralen, sicheren System. Das Dokument hinter dem Link kann natürlich nur aufrufen, wer dazu legitimiert ist.

Der Kommunikation über das Wiki und der Verzicht auf Dateianhänge in E-Mails wirken sich also auf mehreren Ebenen positiv aus:

  • produktiverer Umgang mit den Informationen aus dem Dateianhang
  • organische und interaktive Inhalte statt „toter“ Dateien
  • verstärkte Sicherheit durch Zugriffsbeschränkung
  • zentrale Dokumentation des Unternehmenswissens
  • bessere Zusammenarbeit und Kollaboration, aktives Teilen

Intern keine Anhänge, in der Kundenkommunikation geht es selten anders

Beim Versand von Dateianhängen per E-Mail spielt immer die Sender-Empfänger-Struktur eine Rolle, weshalb hier Einschränkungen nötig sind. Für E-Mails unter Kollegen sollte die Regel, keine Anhänge zu verschicken, meiner Überzeugung nach immer gelten. Auch bei E-Mails an einen Kunden, mit dem man bereits im Projekt zusammenarbeitet, ist eine zentrale die optimale Lösung: In einem modernen Unternehmen sollte es ein System geben, in dem Informationen gemeinsam mit Kunden gesammelt und ausgetauscht werden können. Ein Extranet auf Wiki-Basis bildet dafür eine ausgezeichnete Plattform, deren Rechtestruktur es ermöglicht, den Zugriff auf das Projekt-Team und die Mitarbeiter beim Kunden zu beschränken.

Eine andere Frage ist die nach der Kommunikation mit Interessenten, zu denen noch keine Geschäftsbeziehung besteht. Eine pragmatische Möglichkeit, diese Empfänger wie beschrieben zu integrieren, besteht leider noch nicht. Kann bzw. darf man voraussetzen, dass der kaum bekannte Empfänger in einem Wiki-System kollaborieren kann bzw. überhaupt möchte? Sicherlich nicht. In Fällen wie diesen ist der Versand von Dokumenten per Anhang trotz einiger Bedenken die besser gangbare Lösung.

Ein weiteres Problem: Nicht alle Menschen sind immer und überall online. So ist es möglich, dass der Empfänger den Wiki-Link öffnen und die Informationen gerne abrufen möchte, es aber einfach nicht kann, weil er unterwegs keinen Internet-Zugang hat, weil er seine E-Mails etwa per Mobiltelefon abruft.

Der Absender muss also immer eigenverantwortlich entscheiden, in welcher Form er Dokumente kommuniziert. Die Probleme, die durch die E-Mail-Flut und durch die damit verbundene Ineffizienz entstehen, wiegen allerdings weitaus schwerer als die Frage, ob der Empfänger einen Link öffnen kann oder doch besser ein E-Mail-Anhang versendet werden sollte. Die allermeisten Mitarbeiter sind problemlos in der Lage, diese Entscheidung zu treffen.

Ich möchte also nicht einseitig argumentieren: In vielen Fällen ist die Ablage von Dokumenten im Wiki zwar der empfehlenswerte und effizientere Weg, es gibt aber durchaus Szenarien, in denen es nach wie vor sinnvoller ist, Dateien per E-Mail zu versenden. Generell gilt:

Wir sind noch nicht soweit, ausschließlich von Schwarz und Weiß reden zu können. Allerdings sind wir auch längst über das Stadium hinaus, in dem es nur um Nuancen an zusätzlicher Produktivität geht.

Ein dritter Teil folgt in der nächsten Woche.

(sl)

Über Martin Seibert

GravatarMartin Seibert ist Geschäftsführer der //SEIBERT/MEDIA GmbH aus Wiesbaden mit 70 Mitarbeitern. Weitere Informationen: Twitter, Weblog, Website. Weitere Beiträge für Dr. Web: 9

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12 Kommentare zu “E-Mail-Missbrauch Teil 2: Der E-Mail-Anhang ist oft die falsche Anwendung von Technologie”

  1. 1
    Tanja
    6.01.2010 09:52

    Hallo Herr Seibert,

    herzlichen Dank für diesen und den ersten Artikel zum Thema, Sie schreiben mir aus der Seele!

    Die Einführung eines Wikis als zentrales Wissenssystem hatte in unserem Unternehmen einen sehr positiven Effekt auf die Qualität der Informationen und die Kommunikation untereinander.

    Auch wenn die Umstellung auf ein Wiki viel gute Planung und viel Arbeit bedeuten: Es lohnt sich!

    Gruß
    Tanja Udelhofen

    Antwort

  2. 2
    6.01.2010 11:31

    Interessante Marketing-Idee, so stark auf den "Email ist schlecht, Wiki ist gut und alles wird besser" Zug/Vergleich zu setzen.

    Denn Firmen-Entscheider hören immer gerne, dass organisatorische Probleme (also Fehler des Managementes, der Entscheider selbst) einfach mit anderer Technik zu lösen sind, statt die Organisation und Abläufe an sich zu verbessern.

    Ich habe in den letzten Jahren schon in diversen Kundenprojekten Wikis umgesetzt. Man kann damit viele Probleme lösen und Vorteile erreichen. Wer aber undiszipliniert mit Email umgeht, wird das auch im Wiki tun.

    Wikis, so wie jede andere Technik, sind kein Heilsbringer für organisatorische Probleme eines Unternehmens.

    Antwort

  3. 3
    Andreas G.
    6.01.2010 13:50

    Interessanter Artikel.

    Die Argumentationsbasis für den Einsatz eines Wikis klingt so ähnlich wie die Argumente die Google bei Wave angebracht hat.

    In Wave stellt eine Nachricht quasi eine Wikiseite dar und jeder der in die Wave eingeladen wurde kann die Seite bearbeiten.

    Antwort

  4. 4
    tekl
    6.01.2010 16:39

    Und was ist mit Bildern? Da bringt das Wiki kaum Vorteile, besonders nicht bei der Bedienung. Ob ich einen Screenshot in eine Mail einfüge oder erst auf Platte sichere, eine Wiki-Seite an der korrekten Stelle anlege und dann die Datei hochlade ist ein gewaltiger Unterschied.

    Antwort

  5. 5
    Alex Schestag
    7.01.2010 09:00

    Gegenargument: Mit E-Mail kann ich viel besser skalieren, wen ein Dokument erreichen darf. Wikis sind m. E. ohnehin eher schlecht darin, Zugriffsberechtigungen zu verwalten. Wird das dann noch zu kleinteilig, ist es ein Graus. Sprich: Für Dokumente, die viele erreichen sollen, sind Wikis gut, sind Dokumente vertraulich und nur für 1-2 Personen bestimmt, sind Attachments besser, zumal man die auch noch verschlüsseln kann, was bei Wikis sehr viel schwieriger ist.

    Antwort

  6. 6
    7.01.2010 10:31

    Die Idee ist interessant. Allerdings: Beim heutigen E-Mail-Aufkommen kann solch ein Wiki schnell sehr unübersichtlich werden. Und die Dokumente sprechen oft auch nicht für sich - eine Erklärung zum Zusammenhang wird oft wichtig sein.

    Eine Ergänzung noch aus meiner eigenen Erfahrung: Sehr oft sind Attachments überhaupt überflüssig - der Inhalt ließe sich direkt im Mail transportieren.

    Antwort

  7. 7
    Frank
    8.01.2010 15:54

    Hallo,

    sehr interessanter Beitrag!

    Unternehmensintern ist ein Wiki bestimmt bei manchen Projekten eine Alternative. Ein Problem sehe ich aber darin, dass nicht jeder Aussenstehende Zugang hat bzw. davon weiß.

    D.h. das manche Teile dann doch mit E-Mail versendet werden, andere stehen im Wiki......

    Auf jeden Fall müsste der richtige Umgang mit E-Mails gele(h)r(n)t werden. Wenn Kommentar-/Antwortfunktionen richtig genutzt werden können E-Mail-Programme E-Mails auch gut sortieren.

    Antwort

  8. 8
    10.01.2010 22:13

    Nach so vielen Jahren werden trotzdem noch Emails mit 100MB+ Anhängen verschickt, da kann man noch so oft auf FTP, Onlinespeicher und sonstige bessere Alternativen verweisen.

    Die meisten vergessen, dass man als "User" überhaupt kein Interesse an einem Wiki hat, wenn es nicht als zwingende Firmendirektive inkl. einwöchiger Schulung eingeführt wird...

    Antwort

  9. 9
    27.01.2010 15:04

    Mit der Nutzung eines Wikis ist es wie mit vielem anderen auch. Zunächst einmal erscheint der neue Weg anstrengender als der ausgetretene Pfad. Doch auch der "gewöhnliche User" hat ein Interesse an der Nutzung eines Wikis im Unternehmen. Zum Beispiel, wenn er es satt hat, lange nach Text-Dokumenten zu suchen. Oder wenn er ein Projekt übernehmen soll und die Informationen dazu mühselig zusammensuchen muss. Oder wenn sich mit den Kollegen auf einen Prozess geeinigt wurde, der dann einfach nicht eingehalten wird. Tritt einer dieser Fälle auf, wird auch der "gewöhnliche User" sehr schnell froh sein, wenn es ein Wiki gibt.

    Antwort

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