Dieser Tage gaben die Entwickler das CMS “Concrete 5″ für die Öffentlichkeit frei. Zunächst war ich nur mäßig interessiert, schließlich gibt es CMS wie Sand am Meer. Den Ausschlag dafür, dass ich dennoch einen Kurztest durchführte, gab ein Beitrag auf ReadWriteWeb, in welchem von dem vermeintlich überragenden „Ease Of Use“ die Rede ist. Wenn sich jetzt dieser “Ease Of Use” noch mit überzeugender Funktionalität paarte, so dachte ich, wäre wohl das ideale CMS gefunden. Und tatsächlich spielt Concrete 5 bei meinen Projekten wohl künftig eine führende Rolle…
Keine Einstiegshürde – die Installation
Beginnen wir am Anfang. Die Installation eines CMS kann zu einer wahren Quälerei werden. Beispiele gibt es zuhauf. Concrete 5 reiht sich dort glücklicherweise nicht ein. Die Installation ist im Gegenteil höchst einfach. Man lege zunächst eine Domain oder Subdomain, sowie eine MySQL-Datenbank in seinem Webspace an. Nachdem das Paket via Sourcefourge auf den Rechner gezogen ist, reicht es, die entpackte Struktur auf den eigenen Webspace hoch zu laden und die Domain oder Subdomain im Browser aufzurufen. Die Installation startet automatisch, indem sie einige Tests zu den Systemvoraussetzungen durchführt.

Haben Sie mindestens PHP 5.1 mit den gängigen Erweiterungen sowie MySQL ab 4.1, stehen die Chancen gut, dass Concrete 5 auf Ihrem Space problemlos laufen wird. Für die Versionierung wird noch Python 2.2 benötigt. Hat man das nicht, gibt es halt keine Versionierung.

Wie üblich, existieren einige Dateien und Verzeichnisse, denen Schreibrechte (im Grunde nur dem Apache-Prozess; auf shared-space typischerweise 777) zugewiesen werden müssen. Zu guter Letzt gibt man den Namen seiner Site sowie die Informationen zur Datenbank ein und startet die Installation. Mittels des Default-Namens “admin” und eines zufällig generierten Passworts loggt man sich hernach in das Backend ein, dass übrigens strukturell recht deutlich nach WP ab 2.7 aussieht und ebenfalls Dashboard heißt.

Das Dashboard – fast schon intuitiv

Innerhalb des Dashboard kann in schon fast intuitiv zu bezeichnender Weise die Site verwaltet werden. Unter dem Hauptmenüpunkt “Sitemap” zeigt sich in klassischer Treeview der Dokumentenbaum. Hier können per Klick neue Seiten angelegt, verschoben, kopiert, umsortiert oder hinsichtlich ihrer Berechtigungen verändert werden. Die Möglichkeiten erschließen sich by doing, RTFM kann man sich sparen.

Über den Hauptmenüpunkt “Add Functionality” lässt sich Concrete in Anbindung an den Concrete Marketplace mit zusätzlichen Modulen erweitern. Bereits im Auslieferungszustand befindet sich eine sinnvolle Auswahl installierter Module im Bestand. Web2-typische Site-Elemente wie Gmaps, YouTube oder das Einbinden von RSS-Feeds lassen sich ohne zusätzliche Installationen realisieren. In ähnlicher Weise können Themes und Einzelvorlagen über den Punkt “Pages And Themes” nutzbar gemacht werden.



Mit dem Filemanager verwaltet der Siteadmin alle Dokumente und Bilder, die in Seiten eingebunden werden sollen. Eine Suchfunktion, die auch Teile des Dateinamens berücksichtigt, sorgt zuverlässig für schnelles Auffinden etwa gesuchten Datenmaterials. An dieser Stelle ist auch schnelles und unkompliziertes Uploaden vorgesehen.
Eine ungewöhnlich einfach zu verwendende Bibliotheksfunktionalität verbirgt sich hinter dem Punkt “Scrapbook”. In das Scrapbook lassen sich beliebige Inhalte ablegen und an beliebigen Stellen via “Add from Scrapbook” wieder einfügen. Über “Maintenance” lassen sich Tasks wie das Re-Indexieren des Suchindex oder das Regenerieren eines Sitemap-Files erledigen. An dieser Stelle erfährt man auch die für Cronjobs erforderliche Adresse. Users and Groups birgt eine fein granulierte Rechte-Verwaltung für alle Elemente der Website sowie des Backend. In der Sektion “Reports” lassen sich Statistiken verschiedener Art, sowie etwa über ein Kontaktformular oder Polls übermittelte Daten einsehen.

“Sitewide Settings” bietet Möglichkeiten, automatisch Tracking-Codes einfügen zu lassen, Pretty-URL oder einen Cache einzuschalten, sowie generelle Möglichkeiten, die Sichtbarkeit des Website-Inhalts für bestimmte Usergruppen einzuschränken. Auch das Debugging wird von hier aus verwaltet.
InContext-Editing – der eigentliche Knüller
Wenn auch das Dashboard aufgrund seiner durchdachten Konzeption bereits zu überzeugen weiß, so ist doch der eigentliche Knüller die Möglichkeit, die gesamte Site quasi vom Frontend aus zu verwalten. Ist man erst einmal als berechtigter Benutzer eingeloggt, steht einem eine Toolbar am oberen Rand der Site zur Verfügung, die einem Zugriff auf die wesentlichen Bearbeitungsfunktionalitäten. So kann man jederzeit per “Edit Page” oder “Add Page” Seiten bearbeiten und/oder hinzufügen.


Der Edit-Modus, der gleichermaßen beim Bearbeiten wie Hinzufügen gestartet wird, ist vom Feinsten ajaxifiziert und bietet eine vollintuitive Art der Inhaltsbearbeitung an. Zusätzlich kann an dieser Stelle das Layout, den Wünschen entsprechend, angepasst werden. Alles geschieht in WYSIWYG. Selbst das Umsortieren von Seiten, so man sich in der Site-Hierarchie vertan haben sollte, ist von dieser Stelle aus möglich. Concrete5 ist das erste echte CMS (Contribute lassen wir mal außen vor), das ich testen durfte, in welchem das eigentliche Backend, außer zu Konfigurationszwecken überhaupt nicht benötigt wird. Selbst das Uploaden von Bildern oder anderen Elementen funktioniert incontext. Etwa vorhandene verschiedene Versionen ein und derselben Page können ebenfalls aus dem Frontend verglichen und (de)aktiviert werden. In allen vorhandenen Seitenbereichen finden sich “Add To”-Markierungen. An diesen Stellen können mittels Klick höchst einfach weitere Inhaltselemente hinzugefügt werden. Etwaige Hilfestellung kann über den rechts oben omnipräsenten Help-Button erlangt werden.

The Developer´s Perspective
Ihre Kunden werden demnach keine Probleme haben, ihre Inhalte selbst zu bearbeiten. Über das ausgefeilte Rechtesystem können Sie Beschränkungen bis auf Element-Ebene vergeben. Damit dürften die größten Gefahren fürs Layout zu bannen sein. Wie leicht aber lassen sich Concrete5-Sites designen? Was taugt das Templatingsystem und wie steht es mit der Erweiterbarkeit?
Naturgemäß konnte ich hinsichtlich dieser Fragestellungen noch nicht in die Tiefe dringen. Jedoch habe ich mir bereits ein kleines Kundenprojekt ausgeguckt, das ich mit C5 realisieren werde. Die Arbeit daran werde ich hier als Erfahrungsbericht in Kürze vorstellen. Daher zunächst zur Entwicklerseite nur eher allgemeine Informationen.
Positiv fällt im Vergleich zu anderen Systemen auf, dass die Erstellung von Themes sauber Schritt für Schritt dokumentiert wurde. Dabei wird auch besonders der Unterschied zwischen Pagetype und Theme erläutert. Grob gesagt, ist ein Pagetype eine einzelne Seite, die in ihrer Optik aufgrund ihres Inhaltes von anderen Seiten stark abweicht. Beispielsweise würde man für die Implementation eines Forums oder Gästebuchs einen anderen Pagetype definieren müssen als für eine Bildergalerie oder eine statische Produktseite. Ein Theme hingegen ist die Obermenge, derjenige Teil der Optik, der sich auch bei unterschiedlichen Inhalten nahezu nicht ändert. Ein gutes Konzept, das dem Designer eine Menge Arbeit sparen kann, wenn er die Elemente sauber voneinander zu trennen versteht. Programmierer werden sich möglicherweise freuen, zur Kenntnis zu nehmen, dass auch C5 eine Implementation eines MVC-Frameworks, dabei aber weniger strikt als andere ist. Die C5-Dokumentation hält ein Füllhorn an tiefgehenden Infos und Codebeispielen bereit. Die Dokumentation der API findet sich hier. So scheint C5 sowohl den Programmierer wie auch den Designer anzusprechen. Ersterer will möglichst einfach zusätzliche Funktionalität umsetzen, letztere, möglichst ohne tief in die Programmierung zu tauchen, ein Corporate Design umsetzen. Ich kenne kein anderes System, welches beide Zielgruppen gleichermaßen gut bedient.
Fazit: Der erste Eindruck ist überragend. Man merkt C5 an, dass es bereits seit einigen Jahren am Markt ist. Glücklicherweise haben sich die Entwickler nun entschieden, das System unter die MIT-Lizenz zu stellen. Der Grund klingt pathetisch, aber sympathisch: “Content management is a basic human right”. (tm)
Dieter Petereit
ist diplomierter Absolvent des Studienganges Wirtschaftswissenschaften mit Schwerpunkt Marketing, aber bereits seit 25 Jahren in der IT daheim. Seit der Jahrtausendwende ist er bei verschiedenen Unternehmensberatungen tätig gewesen und hat dort KMU in Fragen crossmedialer Marketingstrategien, sowie hinsichtlich konkreter IT-Projekte betreut. Technische Dokumentationen schreibt er seit Ende der Neunziger am Fließband, so dass der Betrieb verschiedener Blogprojekte seit 2005 nur konsequent ist.





Moin,
schöner Beitrag und wird sicher gleich mal Testinstalliert.
Es gibt auch was aus deutschen Landen, das im Inline-Editing auch mithalten kann.
Der Kandidat OpenEngine (http://www.openengine.de) verfolgt ein ähnliches Prinzip.
Gruß
André
Dieser Beitrag kommt für mich gerade zur rechten Zeit. Besonders erfreute mich die ausführliche Berichterstattung. Gespannt warte ich nun auf die versprochene Fortsetzung!
Moin,
hatte einer es mal geschafft den Admin-Bereich in´s deutsche zu bringen?
Habe nach einer Stunde entnervt aufgegeben.
Gruß
André
@Andre: Für die aktuelle Version gibt es noch keine deutschen Languagefiles.
Moin,
doch- habe es mittlerweile hinbekommen.
Man muss die Lang.-Files selber mit poedit kompilieren und einige Verzeichnisse anlegen- dann noch die die config anpassen und fertig.
Mehr Infos:
http://www.concrete5.org/community/forums/internationalization/multi-lingual
Gruß
André
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