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Bandwurmwörter: So koppeln Sie durch

15. März 2004
von

von Gabi Neumayer

Los geht’s mit der neuen Serie. Gabi Neumayer weiht Sie in die Geheimnisse des guten Textes ein. Wichtig für alle, die selbst ab und an zur “Feder” greifen müssen und Texte nicht nur für Webseiten verfassen. Gabi Neumayer arbeitet als freie Fachautorin, Redakteurin, Lektorin und Textberaterin.

Im ersten Teil geht es um Bandwurmwörter. Wortmonster, die ihre Schrecken für Sie gleich verlieren werden.

Eine Frage vorweg: Wie würden Sie schreiben?

a) “80 GB Festplatte”
b) “80-GB Festplatte”
c) “80 GB-Festplatte”
d) “80-GB-Festplatte”

Nur eine einfache Regel
Solche Wörter – und noch viel längere – gibt es im Deutschen in rauen Mengen. Und das nicht erst, seit Computer- und Internet-Fachsprache uns viele neue lange Wörter beschert haben. Aber die wenigsten wissen, wie man sie richtig schreibt. – Sie werden gleich zu diesen wenigen gehören. Denn die Regel ist viel einfacher, als manche Bandwurmwörter vermuten lassen.

Bei mehrteiligen Wörtern muss nach den Regeln der neuen (und auch der alten) Rechtschreibung durchgekoppelt werden. Das heißt: Alle Einzelwörter werden mit Bindestrichen verbunden. In unserem Beispiel ist deshalb nur d) richtig.

Die Regel dazu aus dem Duden: “Wenn mehrere Wörter oder Buchstaben vor einem Grundwort stehen, dann wird die ganze Fügung durch Bindestriche verbunden (durchgekoppelt).”

Aber was ist das Grundwort? Das ist derjenige Teil einer Wortverbindung, auf den man die gesamte Verbindung reduzieren kann. Die “80-GB-Festplatte” ist letztlich ja einfach eine Festplatte – “Festplatte” ist hier also das Grundwort.

Groß oder klein?
Grundsätzlich werden beim Durchkoppeln die Einzelbestandteile so geschrieben wie vorher. Wenn das Gesamtwort allerdings ein Substantiv (Hauptwort) ist – die im Deutschen ja großgeschrieben werden -, muss auch das durchgekoppelte Wort großgeschrieben werden. Sowohl am Anfang (wie bei Substantiven üblich) als auch beim Grundwort. Aus “ins Blaue fahren” wird demnach “das Ins-Blaue-Fahren”.

Bandwurmwörter
Wenn eine fremdsprachliche Wortgruppe mit einem deutschen Wort zusammentrifft, muss immer durchgekoppelt werden:

  • “Do it yourself” und “Verfahren” ergibt “Do-it-yourself-Verfahren”.
  • “Sex and Crime” und “Roman” wird zu “Sex-and-Crime-Roman”.
  • Aus “ad hoc” und “Entscheidung” entsteht “Ad-hoc-Entscheidung”.

Dasselbe gilt für andere Wortgruppen, die sich mit Einzelwörtern zusammentun – zum Beispiel:

  • - Produktbezeichnungen: Aus “Windows 2000″ und “Handbuch” wird “Windows-2000-Handbuch”.
  • - Namen: Aus “Clint Eastwood” und “Film” wird “Clint-Eastwood-Film”.

Auch nach der neuen Rechtschreibung gibt es da keine Alternative.

Der Weg aus der Wortmonster-Falle
Auf diese Weise entstehen schnell Bandwurmwörter, für die die deutsche Sprache zu Recht so berüchtigt ist. Und es scheint, als könnten wir gar nichts gegen sie ausrichten …

Aber Sie haben ja immer noch die Wahl, umzuformulieren! Wenn Ihnen das Wort “Open-Source-Software-Entwickler” zu monströs ist, schreiben Sie doch stattdessen – je nach Bedeutung: “Der Entwickler der Open-Source-Software” bzw. “Ein Entwickler von Open-Source-Software”.

Sollte Ihnen das immer noch zu lang sein, können Sie auch noch die “Software” noch von der “Open Source” trennen: “Der/Ein Entwickler von Software für Open Source”. Irgendwann wird eine Formulierung aus vielen Einzelwörtern aber ebenfalls unübersichtlich. Vor allem, wenn mehrere Wörter durch Präpositionen verbunden sind (in unserem Beispiel “von” und “für”).

Aber Sie kennen ja jetzt des Geheimnis des Durchkoppelns. Und damit haben hoffentlich alle Wortmonster – ganz gleich welcher Länge – ihren Schrecken für Sie verloren.

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