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Aufgabenverwaltung mit erstaunlichen 10 Millionen Nutzern: Any.do jetzt auch als Web-App

23. Mai 2014
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Ich gebe zu, da staune ich. Dass Any.do mittlerweile mehr als 10 Millionen Nutzer hat, war mir neu. Damit dürfen sie sich zur größten mobilen Todo-App der Welt ausrufen. Ihre mobilen Apps gibt es sowohl für Android, wie auch für iOS. Vor kurzem fügten sie eine Chrome Extension hinzu und gestern veröffentlichte Any.do eine Web-App. Die ist allerdings reichlich ungewöhnlich und machte mir wieder klar, warum ich Any.do nicht nutze…

anydo-landing

Any.do: Minimalistisch wie kaum ein zweiter

Vor einer Weile war Any.do in aller Munde. Es war die Rede von der schönsten, revolutionärsten, einfachsten, elegantesten Aufgabenliste der Welt. Nach ganz kurzem Test war mir klar, ist nicht meins. Nicht nur die Funktionalität war mir zu rudimentär, auch das Design fand ich viel zu minimalistisch. Wie schon Einstein sagte: Macht die Dinge so einfach wie möglich, aber nicht einfacher.

Dabei übersah ich offenbar eines. Nämlich, dass für mich als Digitalnomaden eine Aufgaben-App ganz andere Dinge leisten muss als für Otto Normalverbraucher. Und auf genau den letztgenannten scheint Any.do mit Erfolg ausgerichtet zu sein. Man sieht es schon auf der Homepage. Die zeigt eine Großaufnahme einer sportlich, man könnte auch sagen häuslich bekleideten Dame mittleren Alters, die, in der Küche stehend, auf ihr iPad schaut. Eventuell hat sie soeben Toilettenpapier ihrer Einkaufsliste in Any.do hinzugefügt. Nicht etwa sieht man einen Manager im Anzug, der durch den Flughafen rennt, um seinen Flieger nicht zu verpassen oder einen zugewachsenen Programmierer vor seinen fünf Bildschirmen mit acht Deadlines im Nacken.

Ich blickte seither nie wieder auf Any.do zurück und hatte eigentlich schon gedacht, der Sand der Zeit hätte die App verschüttet und dem Vergessen anheim gestellt. Aber da irrte ich mich gewaltig, zumindest mal mittelfristig. Offenbar fanden regelrechte Massen an Normalverbrauchern Any.dos Einfachheit extrem attraktiv und integrierten die App fest in ihren Alltag.

Any.do: Aufgabenverwaltung auf niedrigstem Niveau

Zugegeben, in Any.do ist es so einfach wie in keiner anderen mir bekannten App, Aufgaben anzulegen. Schreiben Sie einfach Ihren Text, in riesiger Schriftgröße übrigens. Dann wählen Sie ein Fälligkeitsdatum mit Uhrzeit oder auch nicht. Wenn Sie wollen, setzen Sie noch eine Erinnerung und Unteraufgaben oder kleine Notizen. Die Aufgaben können in Ordner, wie etwa Persönliches und Geschäftliches abgelegt werden. Eigene Ordner legen Sie ebenfalls sehr einfach an.

Any.do's Minimal Web Version + Mobile Apps

Any.dos minimalistische Web-Version, rechts die mobilen Vertreter

Das ist alles. Anfügen von Dateien oder URLs ist nicht vorgesehen. Aufgaben an andere delegieren ist nicht vorgesehen. Sie können allerdings in den mobilen Apps einzelne Aufgaben an Ihre Kontakte versenden. Erinnerungen gibt es nur als Tonsignal, nicht als SMS oder E-Mail. Man kann Aufgaben nicht kommentieren. Unteraufgaben können keine eigenen Fälligkeitsdaten oder Erinnerungen erhalten. Alles sehr rudimentär…

Mich verschlug es zuerst zu Wunderlist. Dort hielt es mich allerdings auch nicht lange. Schlussendlich landete ich bei Todoist. Sowohl Wunderlist wie auch Todoist sind schön gestaltete Produkte, dabei aber weit weniger minimalistisch in Design und Funktionalität als Any.do. Im direkten Vergleich muss man deren Feature-Sets als geradezu beeindruckend bezeichnen. Dennoch bringt es Todoist nur auf etwas mehr als zwei Millionen Nutzer und Wunderlist zählt derer etwas mehr als sechs Millionen. Beide Apps unterstützen deutlich mehr Plattformen als Any.do das tut.

Wunderlist on Mobile
Wunderlist: Web-App

Todoist: Web App
Todoist: Web-App

Übrigens, für Teams gibt es da ein feines Tool namens BamBam. Dazu schrieb ich für unsere große Schwester Noupe Magazine vor ein paar Monaten diesen Beitrag.

So sind die Fakten. Dennoch schaffte es Any.do, weit mehr Sympathien für sich zu gewinnen. Offenbar gibt es sehr viele Nutzer, die einfach ihre bisherigen Haftnotizen und Einkaufszettel gegen etwas digitales ersetzen wollen. Und damit kann Any.do natürlich dienen. Verschwenden Sie nie wieder einen kleinen Schnipsel Papier, nutzen Sie stattdessen Any.do. Natürlich könnten Sie auch funktionsreichere Vertreter, wie eben Wunderlist oder Todoist nutzen. Aber wenn Sie partout nicht mehr wollen, dann bleiben Sie halt bei Any.do.

Any.do für Chrome und als Web-App

Erstaunlicherweise liefert die Chrome-Extension für Any.do Funktionalitäten, die ich auch für meine Zwecke oder – genereller – professionelle Zwecke nützlich finde. So lassen sich E-Mails sehr einfach zu Aufgaben machen, was Todoist in gleicher Weise bietet. Es können aber auch Nachverfolgungsaufgaben aus E-Mails angelegt werden. Das habe ich so noch nirgendwo anders gesehen. Was nützt es aber, wenn die App ansonsten so gar nicht auf professionelle Bedarfe ausgerichtet ist. Da laufen die schicken GMail-Features komplett ins Leere.

Die neue Web-App überrascht nach dem bisher Gesagten auch nicht. Es ist ein Beispiel dafür, wie wenig man liefern kann, ohne gleich komplett unbrauchbar zu werden. Any.dos Web-App ist, wenn man ehrlich ist, eine reine Design-Katastrophe. Sie arbeitet auch auf großen Monitoren schlichtweg so, wie sie das auf kleinen Touchscreens auch tut. Angepasste Layouts sind Fehlanzeige und auch ansonsten tut Any.do nichts, um sich die Stärken größerer Bildschirmdiagonalen irgendwie zunutze zu machen.

Schauen Sie sich diesen Screenshot an. Ich erstelle eine Aufgabe auf meinem 27" Dell-Monitor:

anydo-taskenter-27inch

Sie sehen es auf dem kleinen Shot nicht so deutlich, können es sich aber vielleicht denken. Trotzdem die Buchstaben groß sind wie Dackel, gibt es mehr Whitespace als sich selbst Johny Ive trauen würde, zu verdesignen. Die Listenansicht ist nicht viel anders. Schlussendlich habe ich das Browserfenster kleiner skaliert, damit ich mir nicht ganz so verapplet vorkam beim Arbeiten mit Any.do.

Sei’s drum: Zehn Millionen Nutzer können ja nicht vollkommen daneben liegen. Deshalb, mögen Sie Ihr Any.do, dann verwenden Sie es halt. Erledigen Sie Ihre Einkäufe damit. Vergessen Sie keinen Arzttermin mehr und stellen Sie sicher, dass Sie Ihren Kleinen rechtzeitig aus der Tagesstätte abholen.

Alles Gute…

Übrigens: Wenn Sie doch mehr wollen, dann lesen Sie doch diese Dr. Web-Artikel: “Aufgabenplaner Online – eine nicht ganz vollständige Liste” und “Wunderlist Pro ist da! Wir zeigen Alternativen!

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit fast 30 Jahren in der IT daheim. Seit 2008 schreibt er für Dr. Web, seit 2012 ist er Chefredakteur des Magazins. Man findet ihn auch auf Twitter und Facebook, aktiver ist er allerdings auf Google+.

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Ein Kommentar zu „Aufgabenverwaltung mit erstaunlichen 10 Millionen Nutzern: Any.do jetzt auch als Web-App
  1. […] Die Darstellung der einzelnen Aufgaben in der Android-App ist eine weiterer Punkt, der mir nicht gefällt, denn es werden nur die Aufgaben, nicht jedoch aber die Uhrzeiten dargestellt, zu denen die Aufgaben erledigt sein sollten. Das wird erst angezeigt, wenn man auf den einzelnen Eintrag tippt. Da nützen auch die tollen anderen Features wie Sprachsteuerung und Autovervollständigung nicht mehr viel. Auch von der neuesten Version bin ich immer noch nicht begeistert und mit dieser Einschätzung nicht alleine. Mein Chefredakteur Dieter Petereit kam zu einer ähnlichen Einschätzung. […]

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