Photoshop

Auf Wolke 7? Adobe Photoshop CC – die Neuerungen im Überblick

19. August 2013
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Es gibt genügend Photoshop-Süchtige. Fans, die freudig jedes Update mitmachen, ja kaum erwarten können. Doch Photoshop CC und der damit einhergehende Strategiewechsel des Unternehmens Adobe hat viele Photoshop-Anhänger und -Abhängige schockiert: eine Cloud-Anbindung im Abo-Modell auf Lebenszeit? Wir beschreiben das Leben in der Wolke und kreative Anwendungszwecke der neuen Funktionen.

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Sie sind jetzt Creative Cloud-Mitglied

In Zukunft wird die Software also nicht mehr gekauft, sondern gemietet und funktioniert, solange gezahlt wird, mit einer kurzen Übergangszeit als „Puffer“. Photoshop prüft schließlich nur alle 30 Tage, ob das Abo noch aktiv ist. Eines ist dabei gar nicht so klar: was mit den erstellten Dateien passiert. Natürlich haben Sie Zugriff auf Ihre Daten, doch falls diese in Photoshop eigenen Formaten vorliegen, wie etwa PSD oder PSB, wird es problematisch.

Und auch die Dateien in der Cloud sind bedroht, denn „wird der genutzte Speicherplatz nicht innerhalb von 90 Tagen auf 2 GB reduziert, können Sie womöglich nicht mehr über die Creative Cloud-Website auf einige oder alle Ihre Dateien zugreifen.“

Laut Adobe sollten wir „niemals den Zugriff auf unsere Arbeit verlieren“, wie John Nack betont. Als Principal Product Manager bei Adobe bietet er uns allerdings bis jetzt noch keine Lösung an, sondern sagt seit einigen Wochen nur „stay tuned“.

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Der Einstieg ins Abonnement

Es gibt derzeit so einige Sonderaktionen für Schüler und Studenten sowie CS6-Kunden, ob von Einzelprodukten oder Creative Suites, die zum Aufstieg auf die Wolke locken. Davon ab zahlen Sie jeden Monat 36,89 Euro für ein einzelnes Programm oder 92,24 Euro für das komplette Paket. Günstiger wird es im Jahres-Abo mit 24,59 Euro pro Monat und Applikation oder 61,49 Euro monatlich für alle Programme.

Einmal den Vertrag gesendet, verschwimmt das Creative Cloud-Logo zur auf der Seite liegenden Acht, als Symbol der Unendlichkeit der bevorstehenden Zahlungsvorgänge – sympathisch geht anders.

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Doch sobald das Creative Cloud-Fenster einmal geöffnet ist, kommt die Freude zurück, denn bei dem großen Abo-Modell habe ich nun leichten Zugriff auf die komplette Produktpalette von Adobe. Brauche ich also neben Photoshop auch Illustrator oder InDesign, so lade ich diese Software frisch aus der Wolke herunter und bekomme automatisiert Updates angeboten.

Das sorgt natürlich für eine gewisse Freiheit in der kreativen Anwendung über alle Software-Grenzen hinweg und ich muss mir nicht wie früher beim Kauf einer Suite Gedanken machen, ob in meiner Suite dieses oder jenes Programm (leider nicht) enthalten ist, da wir nun die freie Wahl haben und sogar noch einige kleinere Applikationen, wie etwa die Edge-Apps, oben drauf erhalten.

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Die Creative Cloud bietet also ein Wechselbad der Gefühle, was sich auch in den zahlreichen Kommentaren und Forenbeiträgen so niederschlägt. Schauen wir mal, was das Update in Bezug auf das Flaggschiff Photoshop CC uns Neues bietet.

Neuerungen in Adobe Photoshop CC

Nach einem weitaus schnelleren Programmstart sieht Photoshop zunächst wie (von CS6) gewohnt aus. Das letzte Update ist auch erst wenige Monate her, da konnten wir nicht mit großen Neuheiten rechnen. Gut ist der Schritt weg von den zwei Photoshop-Versionen. Alle Funktionen der Extended-Variante sind nun inklusive. Es gibt nunmehr nur eine einzige Software.

Smartfilter-Angebot erweitert

Nach einem Klick auf Filter >Für Smartfilter konvertieren wurde die aktuelle Ebene in ein Smartobjekt umgewandelt – die Voraussetzung für Smartfilter. Das sind Filter, die der Ebene nicht-destruktiv zugeordnet werden und jederzeit editierbar bleiben. Neu als Smartfilter einsetzbar sind nun Verflüssigen und sogar Camera Raw.

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Bildgröße-Dialog optimiert

Der Algorithmus hinter dem Befehl Bild > Bildgröße wurde stark optimiert. Wo der Profi zumeist Erweiterungen von Drittherstellern eingesetzt hatte, da die bisherige Qualität bei stärkeren Vergrößerungen sehr zu wünschen übrig ließ, können Sie jetzt getrost die Neuberechnungen von Photoshop CC einsetzen. Die Vorschaufunktion ermöglicht dann auch in Echtzeit den Abgleich mit der Qualität der Umsetzung. Die Berechnung Details erhalten (Vergrößerung) bietet zusätzlich die Funktion Rauschen reduzieren an.

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Eck-Radius bei Vektoren einstellen

Bisher konnten Sie bei dem Abgerundeten-Rechteck-Werkzeug einen Radius für alle Ecken in der Optionsleiste festlegen. Ändern konnten Sie diesen nachträglich nicht mehr. Jetzt haben Sie über den Eigenschaftendialog die Liveform-Eigenschaften soweit unter Kontrolle, dass Sie den Radius nicht nur ändern, sondern für jede Ecke einzeln editieren können. Auch die Breite und Höhe, die Position über X und Y, sowie die Eigenschaften der Kontur lassen sich regeln. Der Webdesigner kann sogar das Ergebnis als CSS-Code ausgeben.

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Aktionen mit Bedingungen

Sie können Aktionen nun Bedingungen zuweisen. Gehen Sie dazu auf Fenster > Aktionen und erstellen Sie wie gewohnt eine Aktion. Gehen Sie oben rechts über die Schaltfläche zu den Option und wählen Sie Bedingung einfügen an. Sie könnten dann etwa nach Hoch- oder Querformat unterscheiden oder entscheiden, welche dazu passende Aktion angehängt und entsprechend ausgeführt werden soll.

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Kantenglättung des Betriebssystems

Dem Webdesigner war es immer ein Graus, das Textwerkzeug in Photoshop zur Präsentation von Beispieltexten oder zur Beschriftung von Button einzusetzen – und sei es nur für einen Prototypen. Immer zu schwammig, unscharf, unschön. Jetzt können Sie über das Zeichen-Bedienfeld auf die Kantenglättung des Betriebssystems zugreifen. So kommen Webdesigner endlich an eine nähere Darstellung des Textes auf der späteren Website ran.

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Auswahl mehrerer Pfade

Bisher konnten Sie in Photoshop nur einen Pfad auswählen. Mit gedrückter Strg-Taste ist es nun möglich, mehrfache Pfade gleichzeitig auszuwählen. Übrigens: Mit gedrückter Alt-Taste und dem Ziehen nach oben oder unten kopieren Sie einen Pfad schnell.

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Selektive Scharfzeichner

Auch der Selektive Scharfzeichner wurde überarbeitet. Das Dialogfenster präsentiert sich nun übersichtlicher und die Funktionen hinter den zwei Reitern, die sich sonst erst nach dem Aktivieren von Erweitert gezeigt haben, sind nun sofort erreichbar. Mit dem neuen Regler Rauschen reduzieren können Artefakte in Flächen abgeschwächt werden.

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Verwacklung reduzieren

Eine richtige Neuerung ist der Filter > Scharfzeichnungsfilter > Verwacklung reduzieren. Sie können verschiedene Weichzeichnerschätzungsbereiche anlegen, um dann über die Weichzeichnerspureinstellungen und den Reglern Verwacklungsspur-Limit, Glättung und Artefakteunterdrückung die Verwacklung heraus zu rechnen.

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Wie Sie sehen, sind die Unterschiede zu Photoshop CS6 noch nicht so groß. Adobe möchte aber Neuerungen in Zukunft gleich nach Fertigstellung in die Software einpflegen, so dass der Abstand recht schnell größer werden wird.

Alles in allem ist die Fortentwicklung der Software nicht zu beanstanden. Adobe bietet zumindest einen Gegenwert für’s Geld. Ob das Abo-Modell nun so unbedingt der richtige Schritt ist, darüber darf natürlich gestritten werden.

(dpe)

Dirk Metzmacher ist der Herausgegeber des Photoshop-Weblogs, sowie Fachjournalist und Photoshop-Profi, dessen Tutorials seit über 12 Jahren Leser von Fachpublikationen wie Galileo Press, DigitalPhoto, Dr.Web, Print24, PSD-Tutorials oder Noupe von den Grundlagen zum Thema Photoshop bis hin zu professionellen Arbeitsweisen begleitet haben. Sein Twitter-Account und seine Facebookseite.

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2 Kommentare zu „Auf Wolke 7? Adobe Photoshop CC – die Neuerungen im Überblick
  1. […] Dr.Web-Magazin ist der Beitrag Auf Wolke 7? Adobe Photoshop CC – die Neuerungen im Überblick erschienen. Mein Einstieg (oder Aufstieg) in die […]

  2. Andreas Kroll am 19. August 2013 um 12:23

    Nur für die, die es noch nicht wissen.
    Es darf nicht normal werden, dass große Firmen uns die Entscheidung rauben wann und wo wir unser sauer verdientes Geld ausgeben.
    https://www.change.org/petitions/adobe-systems-incorporated-eliminate-the-mandatory-creative-cloud-subscription-model

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