Seitenbetreiber werden oft abgemahnt. Domain-Name, Impressum, AGB und Seiteninhalt sind rechtlich angreifbar. Rechtsberatung in der Anwaltskanzlei kostet viel Zeit und Geld. Online-Anwälte versprechen bequeme, schnelle und günstige Hilfe per Mausklick. Aber ist die Beratung im Netz auch genauso kompetent und sicher wie in der Kanzlei?
2,1 Mal wurde allein jeder Webshop-Betreiber abgemahnt. Dies ergab eine Umfrage von Trusted Shops unter 700 Online-Händlern. In solchen Fällen brauchen Seitenbetreiber einen Rechtsbeistand. Bei der Suche helfen Verzeichnisse wie anwaltsauskunft.de oder anwaltssuche.de. Dort werden Anwälte nach Ort, Qualifikation und Spezialgebiet gelistet.
Jedoch beschränkt sich die Zunft der Anwälte nicht mehr auf solche Verzeichnisse. Die Anwälte 2.0 bieten bequemen und persönlichen Online-Rat von zu Hause aus und sind auf ungefähr zehn Internet-Plattformen für den deutschsprachigen Raum verteilt:
So funktioniert`s …
Als erstes müssen Sie sich mit Username und E-Mail-Adresse registrieren und festlegen, wie Sie die Rechtsauskunft bezahlen wollen. Je nach Anbieter stehen unterschiedliche Bezahlsysteme zur Verfügung; Kreditkarten werden fast immer akzeptiert.

Frage stellen
Anschließend dürfen Sie Ihre Frage mit Angabe des Rechtsgebietes stellen. Wer möchte, kann auf einen Anwalt aus der näheren Umgebung bestehen.

Haben Sie die Frage gestellt, heißt es abwarten. Allerdings nicht besonders lange. Bei Stichproben der ARD und der Stiftung Warentest trafen die meisten Antworten bereits nach ungefähr einer Stunde ein.
Wie hoch ist der Preis?
Der Preis ist abhängig davon, wie umfangreich Ihr Rechtsproblem ist und auf welcher Anwalts-Plattform Sie Ihre Frage gestellt haben. Grundsätzlich gibt es drei verschiedene Preismodelle, die sich zwischen dem Mindestpreis von 20 € und dem Höchstpreis von 190 € für eine Online-Rechtsberatung bewegen:
- Der Klient setzt den Preis fest: Dabei postet der User seine Frage mit Angabe des Preises. Ist ein Anwalt mit diesem Preis einverstanden, so beantwortet er die Frage. Ist der vorgeschlagene Preis zu niedrig, weisen die Anwälte der Plattformen darauf hin und der Klient kann sein Angebot korrigieren. (Beispielsweise bei www.frag-einen-anwalt.de oder www.rechtsrat-jetzt.de)
- Der Anbieter macht einen Kostenvoranschlag: Bei diesem Modell stellt der Kunde die Frage und erhält danach von Anwälten einen Vorschlagspreis. Zahlt er diesen, so wird seine Anfrage beantwortet. (Beispielsweise bei www.advo24.de)
- Pauschalpreise: Manche Portale bieten auch Pauschalpreise für Standard-Rechtsauskünfte an. Diese richten sich nach der gewünschten Antwortzeit. (Beispielsweise www.anwalt-onlineservice.de rund 50€ für eine Antwort innerhalb von 72 Stunden oder rund 80€ für eine Antwort innerhalb von 24 Stunden).
Die meisten Preise der Online-Rechtsberatungen liegen zwischen 20 und 60 Euro.
Nur einfache und eindeutige Fälle
Die Online-Beratung eignet sich nicht für jeden Fall. Die Fälle für den Anwalt aus dem Netz sollten einfach und eindeutig sein. So sollten Sie bei Ihrer Frage darauf achten, dass der Anwalt nicht zuerst große Mengen an Dokumenten durchsehen muss oder die Rechtslage umstritten ist. In diesen Fällen können Online-Anwälte höchstens erklären, wer was zu beweisen hat. Um den Gang in die Kanzlei kommen Sie dann nicht herum.
Und die Qualität der Rechtsberatung?
Ob die Beratung der Online-Anwälte korrekt, ausreichend informativ und damit gut ist, lässt sich im Allgemeinen nicht sagen. So wie beim Gang in eine Kanzlei können Sie auch Pech haben. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie der Stiftung Warentest. In dieser Studie wurde nach „Online-Rechtsberatung“ gegoogelt und die ersten acht Treffer der Suchmaschine wurden mittels eines Beispielfalles aus dem Alltag getestet. Vier der getesteten Online-Rechtsberatungen gaben korrekten Rat, drei falschen und ein Anbieter antwortete gar nicht. Sieger der Studie, die Preis, Wartezeit und die Antwort bewertete, war frag-einen-anwalt.de. Dieser Anbieter setzt bei Qualitätskontrolle auf seine eigene Juristen-Community: Alle Fragen und Antworten werden anonymisiert veröffentlicht und sind von den Kollegen somit einsehbar. Bei falscher Beratung können andere Anwälte darauf hinweisen.

Erhalten Sie trotz Qualitätssiegel, Garantie oder Kontrollen der Community von einem Anwalt eine Falschberatung, so steht die Online-Beratung in Haftungsfragen der Kanzleiberatung um nichts nach: Bei falscher Auskunft haftet der Anwalt. Er muss für den Schaden seines Mandanten aufkommen.
In dieser Hinsicht hat die Online-Rechtsberatung neben Zeit- und Kostenersparnis der mündlichen Beratung in der Kanzlei sogar noch etwas voraus. Dank Mailverkehr können Sie schwarz auf weiß belegen, dass Sie im Fall der Fälle falsch beraten wurden. ™
Erstveröffentlichung 16.09.2008
Manuel Diwosch
studierte Politikwissenschaften in Wien und ist seit 2000 als Journalist tätig. Besonderes Interesse an der Nutzung des Internets hegt er in Bezug auf Wirtschaft und Politk: E-Commerce, E-Business und E-Governement sind seine Stichworte. Derzeit lebt der Wiener in Innsbruck und arbeitet als Redakteur und freier Journalst.




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