Im ersten Teil haben wir uns mit der gesetzlichen Rentenversicherung auseinandergesetzt und sind zu dem Fazit gekommen, dass die gesetzliche Rentenversicherung als alleinige Altersvorsorge nicht ausreicht. Nun geht es um mögliche private Strategien zur Altersvorsorge. Was kann man tun?
Grundsätzlich gilt, dass sich frühes Sparen lohnt. Wer schon im jungen Alter Vorsorge betreibt, profitiert mehr an dem Zinseszinseffekt. Folgendes Beispiel verdeutlicht das. Spart jemand 30 Jahre lang 50 Euro im Monat, würden aus den eingezahlten 18.000 Euro bei einer Rendite von 5 Prozent ganze 40.935 Euro werden. Spart man die 50 Euro monatlich hingegen nur 20 Jahre, so würde aus den abgesparten 12.000 Euro bei selber Rendite nur 20.373 Euro werden. Es lohnt sich also, bereits früh mit kleinen Summen anzufangen.
Doch in welche Altersvorsorge soll investiert werden? Die perfekte Altersvorsorge bietet hohe Rendite und weist keinerlei Verlustrisiko auf. Zudem soll das Geld jederzeit verfügbar sein und nach Möglichkeit noch steuerliche Vorteile einbringen. Der Haken ist jedoch, dass es solch eine Geldanlage nicht gibt. Jedes Produkt hat seine Vor- und Nachteile. Es ist also die Aufgabe eines Selbstständigen, mit den verschiedenen Produkten eine Strategie zu entwickeln, die an den eigenen individuellen Bedürfnissen angepasst ist. Wer komplett auf die private Altersvorsorge setzt und sich aus dem Netz der deutschen Rentenversicherung verabschiedet, muss erheblich mehr Vorsorge betreiben als jemand, der über 40 Jahre brav eingezahlt hat und die gesetzliche Altersrente lediglich ergänzen möchte. Wir stellen nun die verschiedenen Produkte vor, sodass jeder Selbstständige seine individuelle Strategie entwickeln kann.
Riester-Rente
Wer der Rentenversicherungspflicht nicht unterliegt, braucht sich im Regelfall mit der Riester-Rente gar nicht erst auseinanderzusetzen. Die Riester-Förderung wird lediglich bei einer Versicherungspflicht gewährt. Eine Ausnahme liegt nur vor, wenn zumindest der Ehepartner als Angestellter Anspruch auf Riester-Förderung hat.
Grundsätzlich wird bei Riester-Verträgen zwischen unterschiedlichen Anlageformen unterschieden, wobei in einen Fondsparplan, einen Banksparplan oder eine Rentenversicherung investiert werden kann. Fondssparpläne bringen zwar am meisten Rendite, die Riester-Rentenversicherung wird aber dennoch meist bevorzugt, weil schon bei Vertragsabschluss eine (kleine) Rente garantiert wird.
Die Höhe der Beitragszahlung kann der Versicherungsnehmer selber bestimmen, sie darf aber 2.100 Euro abzüglich der Zulagen nicht übersteigen. Zudem muss mindestens 4 Prozent des Bruttoeinkommens in die Riester-Rente fließen, um die staatliche Grundzulage in Höhe von 154 Euro und die Kinderzulage von 185 Euro beziehungsweise 300 Euro (bei Geburten ab dem 1.1.2008) zu erhalten. Interessant ist auch, dass bei Rentenbeginn 30 Prozent des Gesamtkapitals auf einen Schlag ausgezahlt werden kann. Alles in allem ist die Riester-Rente eine lohnende Ergänzung. Als alleinige Altersvorsorge ist sie wegen der geringen Anlagesumme jedoch ungeeignet.
Rürup-Rente
Weil viele Selbstständige nicht von der Riester-Rente profitieren können, entwickelte der Wirtschafts- und Sozialexperte Bert Rürup die nach ihm benannte Altersvorsorge. Statt der Zulagen werden dem Versicherungsnehmer Steuervorteile gewährt, die kontinuierlich steigen. Im ersten Jahr können bis zu 60 Prozent der Vorsorgebeiträge und maximal 12.000 Euro als Sonderausgabe steuerlich geltend gemacht werden. Der Prozentwert steigt jährlich um zwei Punkte an, sodass nach 20 Jahren die vollen 100 Prozent absetzbar wären. Doch es gibt auch Nachteile: Die spätere Leistung der Rürup-Rente ist steuerpflichtig, und wer weiterhin in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt, kann je nach Einzelfall nur einen geringeren Betrag steuerlich absetzen. Zudem ist (anders als bei der Riester-Rente) keine Kapitalauszahlung möglich.
Grundsätzlich wird bei der Rürup-Rente zwischen der fondsgebundenen Versicherung und der klassischen Rentenversicherung unterschieden. Nur bei Letzterer gibt es eine garantierte Verzinsung und somit Planungssicherheit. Bei der fondsgebundenen Versicherung sind zwar hohe Renditen möglich, ein Verlust aber ebenso. Immerhin bieten manche Gesellschaften wenigstens eine Garantie-Rente, die sich aus den eingezahlten Beiträgen ohne Zinsen ergibt.
Handelt es sich bei der Rürup-Rente um die alleinige Altersvorsorge, sollte lieber kein Risiko eingegangen und die klassische Rentenversicherung bevorzugt werden.
Kapitallebensversicherung
Die Kapitallebensversicherung zählt zu den beliebtesten Vorsorgeprodukten. Laut der Stiftung Warentest gibt es in Deutschland mehr als 50 Millionen solcher Verträge. Der Vorteil dieses Produktes liegt auf der Hand, einerseits lässt sich eine große Summe ansparen, die im Ruhestand sehr gelegen kommt, andererseits sichert man die Angehörigen im Falle des eigenen Todes ab. Klingt, wie die optimale Vorsorge. Letztendlich aber stellt sich das als Irrtum heraus.
Die Rendite ist verhältnismäßig gering und der Versicherungsnehmer bindet sich für eine mehrjährige Laufzeit an den Versicherungsvertrag; und zwar ohne die Möglichkeit einer vorzeitigen Auszahlung. Und als wäre dies nicht schon genug an Nachteilen, ist die Auszahlung von Neuverträgen, die ab dem Jahre 2005 abgeschlossen wurden, steuerpflichtig. Ein geeignetes Vorsorgeprodukt sieht anders aus.
Sparangebote der Bank
Mit den Sparangeboten der Bank lässt sich ein Kapital für den Ruhestand ansparen. Die Renditen sind zwar verhältnismäßig gering, dafür aber genießt man ein hohes Maß an Sicherheit und Flexibilität. Beliebte Sparprodukte sind Banksparpläne sowie Tages- und Festgeldkonten. Das herkömmliche Sparbuch kann aufgrund der geringen Zinsen nicht empfohlen werden.
Banksparpläne laufen meist über mehrere Jahre. Der Anleger zahlt monatlich einen festgelegten Betrag ein und kann zudem zwischen einer festen und einer variablen Verzinsung wählen. Bei einem Zinshoch (das aktuell leider nicht vorliegt) wäre eine feste Verzinsung die bessere Wahl, weil der Zinssatz somit “in Stein gemeißelt” ist und später nicht mehr gesenkt werden kann.
Festgeld- und Tagesgeldkonten zählen nicht unbedingt zu der üblichen Altersvorsorge. Aus Sicht eines Selbstständigen ist das Tagesgeldkonto dennoch interessant, weil die Verzinsung verhältnismäßig hoch liegt und bei einem unerwarteten Geldbedarf das Kapital jederzeit abrufbar wäre.
Fonds
Wer sich eine maximale Rendite wünscht, wird zwangsweise auf den Aktienmarkt peilen. Wegen des hohen Verlustrisikos und der erforderlichen Marktkenntnisse sehen viele Anleger jedoch davon ab, einzelne Aktien zu erwerben. Aktienfonds sind meist die bessere Wahl. Das Verlustrisiko ist geringer als bei dem Kauf einzelner Aktien und zudem ist ein Einstieg mit kleinen Beträgen sowie ein spontaner Ausstieg jederzeit möglich. Speziell für jüngere Anleger sind Aktienfonds bestens geeignet, weil sie ein mögliches Börsentief in Ruhe aussitzen können und die Anteile erst in besseren Zeiten (mit hoher Rendite) weiterverkaufen.
Wer das dennoch zu riskant findet, wäre mit Anleihen und Rentenfonds gut beraten. Beide Geldanlagen haben gemeinsam, dass das Verlustrisiko begrenzt ist und dass die Renditen meistens höher als bei den Sparangeboten der Banken sind; wenn auch nicht so hoch wie bei den Aktienfonds. Bei Anleihen sind jedoch meist hohe Anfangsbeträge nötig, sodass für Privatanleger mit geringem Kapital eher die Rentenfonds zu empfehlen sind.
Eine Kombination aus Rentenfonds und Anleihen stellen die Mischfonds dar. Das Fondsmanagement entscheidet je nach Marktsituation, ob verstärkt in Aktien oder Anleihen investiert wird. Die Renditechancen sind dennoch geringer als bei separaten Aktienfonds, Rentenfonds oder Anleihen. Daher lautet die Empfehlung, lieber in separate Fonds zu investierten. Hier eine Übersicht über die besten Investmentfonds.
Wertpapiere des Bundes
Wertpapiere des Bundes sind eine renditestarke sowie sichere Geldanlage und für den Aufbau einer Altersvorsorge sehr zu empfehlen. Das Prinzip ist recht einfach: Statt der Bank leiht man dem Bund Geld, wofür es Zinsen gibt. Dabei wird zwischen Finanzierungsschätzen, Bundesobligationen und Bundesschatzbriefen unterschieden. Letzteres ist aufgrund der stetig ansteigenden Zinsen, der geringen Mindestsumme (52 Euro) und der hohen Flexibilität äußerst attraktiv. Eine einmalige Einzahlung ist ebenso möglich wie ein Sparplan.
Grundsätzlich wird bei den Bundesschatzbriefen zwischen Typ A und Typ B unterschieden. Diese beiden Varianten unterscheiden sich nicht nur in der Laufzeit (Typ A sechs Jahre und Typ B sieben Jahre) sondern auch bei der Zinsausschüttung. Bei einem Schatzbrief von Typ B werden die Zinsen einbehalten und weiter verzinst, während bei Typ A die Zinsen jährlich ausgezahlt werden. Typ B erscheint wegen dem Zinseszinseffekt reizvoller, könnte aber mit steuerlichen Nachteilen verbunden sein, weil der gesamte Zinserlös in einer Summe steuerpflichtig wird. Nur mit einer genauen Kalkulation lässt sich herausfinden, welcher Schatzbrief-Typ lohnender ist. Weitere Informationen sind auf der Webseite der Deutschen Finanzagentur zu finden.
Die sonstigen Wertpapiere des Bundes sind weniger interessant. Bundesobligationen weisen ein gewisses Verlustrisiko auf und Finanzierungsschätze haben eine geringe Rendite.
(tm), (sl)
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