Webdesign

Alles über die Sitemap

30. September 2008
von

Eigentlich braucht fast jede Website mit mehr als einem Dutzend Seiten ein Inhaltsverzeichnis. Man muss das nicht schön finden, doch dem Besucher hilft es. Eine einfache Liste anzulegen, das ist schnell gemacht, doch die genügt nicht immer den designerischen Ansprüchen. Das hat erstmal wenig zu tun mit den XML-Sitemaps, wie sie seit einiger Zeit von Google und anderen verwendet werden. Auch wenn beides verwandt ist. Die Sitemap als eine Art Inhaltsverzeichnis einer Website ist viel älter. Es gibt sie millionenfach im Netz.

Die Sitemap kann eine verzeichnisartige oder auch eine grafische Darstellung sein. Besonders gute Sitemaps bieten nicht nur den Zugriff auf alle Seiten, sondern geben Einblick in die Struktur der Website. Und das bringt dem Besucher einen Überblick, der kaum anders zu realisieren ist. Neben der Sitemap erfüllen auch A-Z Indices oder Tagclouds eine ähnliche Funktion. Letztere werden vor allem auf Blogs eingesetzt, wo die klassische Sitemap nur selten zu finden ist. Manchmal jedoch tauchen die verschiedenen Möglichkeiten sogar gemeinsam auf.

Sitemap Screenshot
Ein sorgfältig gearbeites Exemplar mit klarer Gliederung

Klare Strukturen sollen es sein, dazu werden Seiten zu Kategorien zusammengefasst. Diese Gruppen können auch nach den Erwartungen der Besucher gestaltet werden, nicht unbedingt nach Kompetenzen, Rubriken, Zuständigkeiten oder Abteilungen. Auch eine Sortierung nach Datum kann sinnvoll sein. Wie immer, führen viele Wege nach Rom, weshalb jede Seite einen Link auf die Sitemap enthalten sollte, während umgekehrt die Sitemap auf alle Seiten des Angebots verweist.

Sitemaps sind mehr oder weniger lange Listen der Einzelseiten einer Website. Die Listen können lang ausfallen, so dass sie häufig in gegliedert werden müssen. Sinn des Ganzen ist es, die vorhandenen Informationen transparent aufzubereiten. Der Besucher soll sofort erkennen können, was ihm angeboten wird.

Sitemap Screenshot
Sitemap der British Library (Ausschnitt)

Zahlreiche Besucher können sich unter einer Sitemap nichts vorstellen. Mitunter wird überhaupt der Nutzen einer Sitemap oder eines Index bestritten. Jared Spool hat einen Ratschlag If you find users are more successful when they visit your site index or site map, make that page your homepage and see what happens. Ein anderes Problem liegt in der Größe der Websites, sind zu viele Seiten vorhanden, macht die Sitemap kaum noch Sinn. Sie kann nicht mehr alles erfassen und wird selbst zu groß. Zu viele Rubriken und Unterpunkte aber zerstören die gewünschte Übersicht. Hier muss man genau abwägen.

Die Sitemap gestalten

Auch, wenn die Sitemap per Definition eine eher nüchterne Angelegenheit ist, lässt sich etwas machen. Zum Standard gehört es, die Sitemap als Liste anzulegen. Listenzeichen können verändert und sogar frei gewählt werden. Darüber hinaus ist es auch hier möglich Daten anspruchsvoll zu visualisieren. Diagramme, Kreise, Mindmaps sind denkbar. Auch Grafiken und Flash können eingesetzt werden. Man sollte aber aufpassen, den Besucher nicht zu überfordern. Java eigenet sich von seinen Möglichkeitern her zwar gut, ist aber zu langsam für einen Navigationisinstrument.

Sitemap Screenshot
Farben und Listenzeichen

Farbe und Schrift helfen bei der Gliederung:

Sitemap Screenshot
Jeder Rubrik ihre eigene Farbe (Auschnitt)

Auch der Einsatz von Grafiken und sogar Flash ist möglich. Ob das praktisch ist, ist eine andere Frage.

Sitemap Screenshot
Mit Flash gemacht, die Einzelpunkte öffnen nach Klick eine Übersicht

Sitemap Software

Je größer die Site, desto schwieriger wird es, Sitemaps anzulegen und aktuell zu halten. Was für das eigene Portfolio noch in kreativer Handarbeit gecrafted werden kann, wird bei der umfangreichen Kundenpräzenz zum Problem. Software kann den arbeitsintensiven Teil übernehmen. Die Zusammenstellung von übersichtlichen und logischen Sitemaps, die die Struktur der Website wiederspiegeln und jede Seite mit einem Klick verfügbar machen, gehört zu den zeitaufwendigsten Aufgaben eines Webdesigners.

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WriteMaps provides an easy-to-use interface for creating, editing, and sharing your sitemaps. The following shows screenshots of the various features available to WriteMaps members.

Je größer die Website, desto größer der Aufwand für die Sitemap-Erstellung, aber umso nötiger auch ihre Existenz. Wo immer komplexe Strukturen geordnet dargestellt werden sollen, kann Software die Arbeit übernehmen. Und da Zeit bekanntlich Geld ist, ist ein so genannter Sitemap-Generator ein brauchbarer Weg.

Site Map Pro (Windows)
Das Interface von Site Map Pro führt Schritt-für-Schritt zur Sitemap. Dabei hat man die Wahl zwischen der Sitemap-Erstellung einer Website oder lokaler Dateien auf dem Rechner und kann für beide wenige Optionen abhaken, wie etwa eine Dokumenttyp-Deklaration (Doctype), ob Seiten unter anderen Domains beachtet und was für Zusatzinformationen mit der Sitemap angezeigt werden sollen. Außerdem kann auf ein Stylesheet oder ein Template für das Design verwiesen werden.

Auf diese Weise hat man eine gute Kontrolle und kann die Sitemap an die “Corporate Identity” anpassen. Wer sich da auf das Programm verlässt, muss sich mit einer veralteten Tabellen-Struktur und <font>-geschönter Schrift begnügen.

Die Einfachheit überzeugt, doch die $59,00 für die “Single Copy” und erst recht die $899,00 für die “Site License”, erscheinen etwas hoch gegriffen, auch wenn viele Dateitypen wie Acrobat (pdf), Word (doc, rtf), Excel (xls) und PowerPoint (ppt) sowie alle HTML- und Text-Dateien einbezogen werden. Übrigens: Googles Sitemap-Protokoll wird hier ebenfalls unterstützt. Baut auch Google Sitemap Protocol XML and Yahoo Sitemap text files.

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Startseite von Site Map Pro

Xtreeme SiteXpert (Windows)
Der SiteXpert von Xtreeme erzeugt nicht nur Sitemaps. Auf Wunsch wird in einem Rutsch das passende Drop-down DHTML-Menü oder eine Suchfunktion erstellt. Nach dem Start hat man die Wahl, entweder den Assistenten oder den Layout Wizard zu nutzen. Zum Anfang wählt man besser den Assistenten und gleich darauf aus über 30 Templates das passende Design aus. Schließlich noch, ob eine Website oder ein Ordner auf dem Rechner durchsucht werden sollen. Im Anschluss wird die Sitemap generiert und in dem angegebenen Ordner abgespeichert.

Für benutzerdefinierte Sitemaps wird statt des Assistenten der Layout-Wizard genutzt. Der bietet mehr Einstellungsmöglichkeiten, womit die Sitemap dann eher gängigen Vorstellungen genügt. Über Filter werden hier die Dateien ausgewählt, die aufgenommen werden sollen. So könnten zum Beispiel Servlets ausgeschlossen werden.

Eine brauchbare Hilfestellung bietet der prall gefüllte Tutorial- und Help-Bereich. Die Standard-Version des Programms kostet etwa $69,00, die Pro-Version etwa $169,00, wobei Pro XML-Ünterstützung, mehr Features bei der Website-Navigation und einen “Dynamic Tree Style” für sehr große Sites mitbringt.

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Sitemap mit SiteXpert

CoffeeCup SiteMapper (Windows)
Eine Freeware im Bereich der Sitemap-Generatoren ist der CoffeeCup SiteMapper, der zwar noch frei im Internet (Download Sites durchsuchen) erhältlich ist, vom Hersteller aber zugunsten des 29,00 Euro teuren “Google SiteMapper” aufgegeben wurde. Auch der SiteMapper leitet uns über einen Wizard zur fertigen Sitemap. Das Programm erzeugt reinen HTML-Code und verzichtet auf HTML-Tabellen. “Gemapt” wird jeder Dateityp, dessen Extension in das “File Extensions” Feld eingetragen wird.

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Einfach und kostenlos: Der SiteMapper

Sitemapper v2 (Windows)
Sitemapper v2 von Trellian folgt nicht nur Links, sondern entdeckt auch andere Daten auf dem Server, etwa Audio- und Video-Files, Bilder, Programme, Scripte und News-Feeds. Weiter kann es Broken- und Redirected-Links sowie E-Mail-Addressen anzeigen. Dabei ist die Software der Output-Meister schlechthin. Möglich ist eine simple HTML-Sitemap, ein CSV-File, eine XML-Datei für Google und selbst eine einfache Text-Datei. Dabei bedarf der erzeugte HTML-Code einer Überarbeitung und der DHTML-Output erscheint mehr als eine Navigation, denn als eine Sitemap. Der Sitemapper ist gratis zu haben.

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Sitemapper v2

Web.UI (Windows Server)
Wer für eine Website mit ASP.NET eine Sitemap generieren möchte und Visual Studio als Entwicklungsumgebung nutzt, der sollte einen Blick auf Web.UI werfen. Zwar kostet das ComponentArt-Produkt etwa $799,00, dafür bietet es aber eine ganze Reihe von Development-Klassen, mit denen in Visual Studio Sitemaps erstellt werden können. Dabei bietet das Web.UI-Set mehr als nur eine Sitemap-Klasse. Es enthält zusätzlich eine Reihe anderer Komponenten, wie etwa eine Navigationsbar-Klasse, einige Templates und ein Animations-Werkzeug.

Um eine Sitemap zu erstellen, fügt man das Sitemap-Object in die Seite ein, konfiguriert die Eigenschaften und gibt den Weg zum Stylesheet an, das die Gestaltung der Sitemap übernimmt. Wer nur das Sitemaps-Element benötigt, kann dieses auch einzeln für $199,00 kaufen.

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Web.UI Demo

Concept Site Map Generator (OS X / Windows)
Der Generator ist Teil der Conceptdraw Office Suite, die mit $415 Dolar zu Buche schlängt. Nichts also für den einmaligen Eigenbedarf, aber vielleicht interessant für Dienstleister.

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Desweiteren lassen sich auch die oben angesprochenen XML-Sitemap-Generatoren für die automatische Erstellung einer Sitemap verwenden. Die Ergebnisse sind nicht unbedingt schön anzusehen, aber man schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe. Zum Beispiel iGooMap für OS X.

Sitemaps mit WordPress

Gallery of Sitemaps

Und was ist den Designern sonst noch eingefallen? Die Gallery zeigt Beispiele.

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Schlechte Beispiele

Auch das kommt vor: Sitemaps die ihre Funktion nicht erfüllen oder den Besucher komplett vor Rätsel stellen.

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Ein sehr sehr seltsames Exemplar nach Art einer Map

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Eine Sitemap, deren Inhalt erst aufgeklappt werden muss, ist das Gegenteil von übersichtlich.

Artikel zum Thema im Web:

Erstveröffentlichung 30.09.2008 – tm

Sven ist der Erfinder des Dr. Web Magazins, Autor und Herausgeber diverser Fachbücher. Als Webdesigner und Texter früher freiberuflich für verschiedene Unternehmen und Verlage tätig. Jetzt Vorstand und Mitgründer der Smashing Media AG.

Ein Kommentar zu „Alles über die Sitemap
  1. […] sehr interessanten Artikel über Sitemap´s habe ich im DrWeb-Blog gefunden. Im Artikel über die Sitemap´s wird alles zu diesem Thema angesprochen, sogar über […]

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